Der Kunstschmied des neuen Turmkreuzes der Frauenkirche starb nach schwerer Krankheit in London.

Freitag, 2. November 2012

Die Stiftung Frauenkirche Dresden bedauert zutiefst, mitteilen zu müssen, dass der britische Silberschmied Alan Smith am Mittwoch vergangene Woche in London verstorben ist. Er hatte das neue Turmkreuz geschaffen, das die Kirche seit 2004 bekrönt und das der Versöhnungsbotschaft des Gotteshauses auf ganz besondere Weise Ausdruck verleiht.

„Mit großer Trauer haben wir die Nachricht vom Tod Alan Smiths aufgenommen. In ihm haben wir nicht nur einen bewundernswerten Künstler, sondern vor allem einen aufrichtigen Fürsprecher gelebter Versöhnung verloren“, erklärt Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt.

Nachdem der britische Dresden Trust 1998 die Herstellung des Turmkreuzes der damals im Bau befindlichen Dresdner Frauenkirche ausgeschrieben hatte, bewarb sich auf Smiths Bestreben hin die Londoner Firma Grant MacDonald Silversmiths, für die er tätig war. Sie erhielt den Zuschlag und betraute Alan Smith mit der Ausführung des Projekts. Dank seines außergewöhnlichen Einsatzes und seiner hohen Kunstfertigkeit wurde die Replik des 1993 aus der Ruine geborgenen Originalkreuzes binnen eines halben Jahres gefertigt. Mehrfach reiste Alan Smith nach Dresden und war auch dabei, als das auf der Turmhaube befindliche Kreuz am 22. Juni 2004 auf den Kirchbau aufgesetzt wurde.

Für den stillen und überaus bescheidenen Kunstschmied war die Fertigung des Turmkreuzes nach eigenem Bekunden eine lebensverändernde Erfahrung. Sie forderte ihn künstlerisch heraus und bewegte ihn emotional tief, war doch sein Vater Frank im Februar 1945 an den Einsätzen der Royal Air Force auf Dresden beteiligt gewesen. „Das Turmkreuz ist eine Möglichkeit der Entschuldigung, der mein Vater beipflichten würde“, hatte Smith anlässlich der Übergabe des Kreuzes im Februar 2000 gesagt. Eine Botschaft, die unauslöschlich mit dem Kreuz verbunden bleibt, wie Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann betont: „Alan Smith schuf ein Glaubens- und Friedenssymbol, das den Versöhnungsgedanken auf das Eindrucksvollste veranschaulicht.“

Bis kurz vor seinem Tod lebte und arbeitete Alan Smith in London; erst im Juli dieses Jahres war er in Ruhestand gegangen. Der Kontakt zur Frauenkirche war nie abgerissen und ein erneuter Dresden-Besuch geplant. Smith starb in Folge eines langen Krebsleidens. Er wurde 65 Jahre alt.