Bauchronik 1996
Fertigstellung des ersten Eingangsportals und der Unterkirche. Das (eigentlich zweite) Probelos 1 wurde im März 1996 fertiggestellt. Ein erster Schlussstein war versetzt, ein erstes Eingangsportal – das Portal C – war geschaffen. Erstmals konnte erahnt werden, was noch bevorstand. Es waren wesentliche Grundlagen geschaffen, und das in kürzester Zeit, in nicht für möglich gehaltener Qualität und im vorgegebenen Kostenrahmen.
Am 23. Mai 1996 konnte der Schlussstein des Hauptkellergewölbes gesetzt werden. Es war ein schwieriger Weg dahin. Speziell in den Kämpferbereichen und den Bereichen der Vierungsumgänge galt es wahre Kunstwerke an Werksteinen auszuwechseln bzw. neu einzufügen. Hier war keine Fläche parallel, kein Winkel rechtwinklig und Sichtflächen meist dreidimensional gekrümmt. Diese Steine wurden ausschließlich vor Ort auf der Baustelle angefertigt und erforderten oft mehrfache Nacharbeiten. Außerdem musste der äußere, drei Meter breite Bereich des Hauptkellergewölbes der westlichen Tonne, welcher nicht eingestürzt war, einbezogen werden. Erst danach war es möglich, mit dem Regelschichtverband weiter zu arbeiten. Es wurden in drei Grundformen vorgefertigte Gewölbesteine, im gotischen Verband (zwei Läufer, ein Binder, im Wechsel) auf einem Lehrgerüst vermauert.
Die Einweihung des wiedererrichteten Kellers der Frauenkirche als Unterkirche am 26. August 1996 durch Landesbischof Volker Kreß war ein denkwürdiger Tag. Beeindruckend war der wuchtige, schwarz-moderne Altarstein, der bis heute viele Interpretationen zulässt.
Mit dem folgenden Bauabschnitt (Los 2) wurde noch im August 1996 begonnen. Alle Beteiligten waren mit größtem Engagement bei der Sache: Allein im Monat November wurden jeden Tag 15 m³ Sandstein verarbeitet – das entspricht einer Menge von ca. 45 Paletten oder vier Lastzügen. Der logistische Aufwand für Transporte, Umschlag, Zwischenlagerungen und Hubprozessen war beträchtlich.
Mit Einbruch des Winters mussten sich alle auf neue Bedingungen einstellen. Der Abbindeprozess des Kalk-Trass-Mörtels erfordert eine Mindesttemperatur von +5° C. Das gesamte Gebäude wurde mit Planen eingehaust und auf das Mauerwerk gerichtete Heizkörper wurden angebracht. In Vorwärmzelten waren die Werksteine bzw. Grundstücke für die Hintermauerung bei ca. +12° C gelagert. Während auf anderen Baustellen die Arbeiten witterungsbedingt zum Erliegen kamen, konnte die Stiftung Frauenkirche so die Arbeitsplätze sichern.




