Architektur

Die Frauenkirche gilt als Sinnbild des protestantischen Kirchbaus. Hier findet das evangelische Glaubens- und Gottesdienstverständnis eine architektonische Umsetzung. Die kühne Idee, einen Zentralbau mit quadratischem Grundriss unter eine gewaltige steinerne glockenförmige Kuppel zu errichten, geht auf Baumeister George Bähr zurück. Mit seinem Entwurf übersetzte er das Glaubensverständnis Martin Luthers in Stein.

Äußere Gestalt

Baugestalt

Die Frauenkirche ist eine auf einer vergleichsweise kleinen Grundfläche errichtete Sandsteinkirche. Baumeister George Bähr entschied sich für einen Zentralbau mit oktogonalem Grundriss, d.h. dass der untere Teil des Kirchbaus eine achteckige Form hat. Nach oben hin wird er durch vier Ecktürme abgeschlossen und durch eine kreisrunde Kuppel mit einer steinernen sogenannten Laterne bekrönt.

Sieben Eingänge führen in den Kirchraum; drei (B, D und F) ins Kirchenschiff und vier (A, C, E und G) über Treppenhäuser in den Ecktürmen auf die Emporen. Bewusst verzichtete George Bähr auf einen besonders repräsentativ gestalteten Haupteingang, denn alle Menschen sind gleichermaßen willkommen. 

Fassade

Der heutige Bau beeindruckt durch seine immer wieder durch dunkle Steine durchbrochene helle Fassade. Neues und altes Steinmaterial wurden gemeinsam verwendet. Dabei achtete man darauf, die alten Steine wieder dort zu verbauen, wo sie einst ihren Platz hatten. Auf diese Weise wird die Geschichte der Frauenkirche noch auf lange Zeit ablesbar bleiben: Wo das Alte und das Neue ineinandergreifen, verweisen sie bedeutungsvoll darauf, dass die Vergangenheit stets ein Teil der Zukunft ist und dass Wunden heilen können.

Kuppel & Laterne

Die Kuppel der Frauenkirche ist in mehrfacher Form eine Besonderheit. Vollständig aus Sandstein gefertigt, bringt sie es auf ein Gewicht von über 12.000 Tonnen. Mit einer Höhe von 24 Metern und einem Durchmesser von 26 Metern gilt sie als die größte steinerne Kuppel nördlich der Alpen. Einzigartig ist auch die Form der Kuppel: Durch den geschwungenen Kuppelanlauf lässt sie den Eindruck einer Glocke entstehen. Diese Anmutung brachte der Frauenkirche ihren Beinamen ein: "steinerne Glocke".

Oberhalb der Kuppel befindet sich die sogenannte Laterne, in der sich die Aussichtsplattform der Frauenkirche befindet. Besucher des Kuppelaufstiegs können dort von 67 Metern Höhe aus in alle vier Himmelsrichtungen schauen. Bekrönt wird die Laterne durch die Turmhaube mit dem neuen Turmkreuz der Frauenkirche. Gestiftet und gefertigt im Geiste der Versöhnung, zeugt die Replik des im Kirchraum ausgestellten alten Kuppelkreuzes von der Bedeutung ein friedlichen Miteinanders.

Glockentürme, Geläut & Turmuhr

Glockentürme

Nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen, beherbergen zwei der vier Türmchen der Frauenkirchen die Glocken des Kirchbaus. Vier Glocken sind im südwestlichen Turm C untergebracht, vier weitere Glocken im nordwestlichen Turm E. Das Treppenhaus, das zu diesem Turm hinaufführt, ist neben dem Altarbereich übrigens das zweite markante große Ruinenteil, das einst aus dem Trümmerberg hinausragte. Die durchweg dunkle Fassade kündet davon.

Geläut

Acht Glocken bilden das Geläut der Frauenkirche und geben ihr eine eigene unverwechselbare Stimme. Nach alter Tradition trägt jede Glocke einen Namen, einen Bibelvers und eine Glockenzier, die sich einerseits an der gottesdienstlichen Aufgabe und andererseits an der Geschichte und Bedeutung der Frauenkirche orientiert. Eine Glocke des Geläuts, Maria, stand bereits zwischen 1734 und 1925 in den Diensten der früheren Dresdner Frauenkirche. 1998 kam sie wieder nach Dresden zurück und vervollständigt als Gedächtnisglocke das Geläut. Sieben Glocken wurden neu gegossen: die Dankglocke Hanna, die Taufglocke Philippus, die Gebetsglocke David, die Trauglocke Josua, die Stadtglocke Jeremia, die Verkündigungsglocke Johannes und die Friedensglocke Jesaja. 

Turmuhr

Am Neumarkt-seitigen Glockenturm C befindet sich die Turmuhr. Sie ist eine konsequente Nachfolgerin der bis zum Einsturz der Kirche an gleicher Stelle installierten Uhr. Ebenso wie ihre Vorgängerin stammt sie aus dem Hause Otto Fischer - Meißen und wird durch ein mechanisches Uhrwerk angetrieben. Bewusst wurde auf ein historisches Modell zurückgegriffen, welches vormals in der Philippuskirche in Lohmen eingebaut war. Drei dem historischen Vorbild nachgestaltete Ziffernblätter künden optisch davon, dass alle Zeit in Gottes Händen steht: Mit einem, zwei, drei oder vier Schlägen zeigt die Dankglocke Hannah die Viertelstunden und die Gebetsglocke David die Stundenzahl an. Ein zweites Stundenschlagwerk wurde im Turm E ergänzt, sodass die  Trauglocke Josua den Stundenschlag wiederholen kann.

Hauptraum

Chorraum mit Kanzel, Taufstein & Altar

Kanzel

George Bähr hatte die Kanzel – der zumeist erhöhte Ort für die Predigt – der Frauenkirche zentral in der Chorbalustrade angeordnet, von wo aus sie sich einem Schiffsbug vergleichbar in den Kirchenraum schiebt. So waren alle Besucher der Kirche auf diesen Ort der Wortverkündigung ausgerichtet. Wegen akustischer Probleme wurde jedoch schon 1738 eine zweite Kanzel am nördlichen Altarraumpfeiler errichtet. Da diese Kanzel jedoch nicht dem Entwurf George Bährs entsprach und die tontechnischen Probleme in einer modernen Kirche mit einer Mikrofonanlage behoben werden können, wurde beim Wiederaufbau auf die Rekonstruktion der zweiten Kanzel verzichtet.

Taufstein

Es ist nicht abschließend geklärt, was für einen Taufstein es ursprünglich in der Frauenkirche gab. Sicher ist jedoch, dass der seit dem 19. Jahrhunderts genutzte Taufstein beim Einsturz der Kirche 1945 fast vollständig zerstört wurde. Beim Wiederaufbau, der sich ja an den baulichen und gestalterischen Ideen George Bährs orientierte, entschied man sich gegen eine Rekonstruktion dieses später ergänzten Taufsteins. Auf der Suche nach einem Taufstein aus der Zeit Bährs fand man im Bergbaumuseum Freiberg den von Bildhauer Johann Gottfried Stecher geschaffen und 1754 geweihten Taufstein der alten Freiberger Nikolaikirche. Der bis auf den aufwändig gestalteten Deckel eher schlichte, da ohne figürlichen Schmuck auskommende Stein schmückt nunmehr seit 2005 den Altarraum der Frauenkirche.

Altar

Der barocke Altar ist ein Meisterwerk des Bildhauers Johann Christian Feige. Neben seiner reichen ornamentalen und figürlichen Ausstattung beeindruckt der Altar vor allem durch seine künstlerische und geistliche Tiefe. Im Zentrum steht eine biblische Szene: Christus betet einsam im Garten Gethsemane, während seine Jünger schlafen und sich aus dem Stadttor bereits die Soldaten nähern, um ihn gefangen zu nehmen. Ausgehend von dieser bewegenden Szene entwickelt sich im Altar dann eine ganze Predigt aus Stein, deren Zentrum die Botschaft von der schenkenden Barmherzigkeit Gottes ist. Da vom Altar bei der Enttrümmerung fast zweitausend Einzelteile geborgen werden konnten, war seine Rekonstruktion möglich. Somit besteht der heutige Altar zu 80 Prozent aus historischem Material.

Innenkuppel

Die Innenkuppel wölbt sich zentral über dem Kirchraum und schließt diesen nach oben hin ab. In Bährs Kirche wurden die figürlichen Ausmalungen vom italienischen Theatermaler Johann Baptist Grone ausgeführt.

Im lebendigen Gestus barocker Malerei sind die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie Allegorien der christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung ergänzt um die Barmherzigkeit mit den ihnen zugeordneten Symbolen dargestellt.

Emporen

Die Emporen der Frauenkirche tragen entscheidend zum einzigartigen Raumempfinden bei. Durch ihre runde Form, mit der sie den Kirchraum auf drei Seiten umschließen, fühlt sich jeder Besucher willkommen und geborgen.

Baumeister George Bähr konzipierte fünf Emporenebenen, die ca. zwei Dritteln der Besucher Platz boten. Die erste dieser Emporen ließ er in einzelne Betstübchen unterteilen und nach vorn mit Fenstern abschließen. Wohlhabende Dresdner konnten diese Stuben mieten, um von dort aus dem Gottesdienst zu folgen. In der wieder aufgebauten Kirche ist diese Empore zwar optisch ein getreues Abbild der historischen Vorlage, auf die Untergliederung in einzelne Stübchen wurde aber mit Blick auf die heutige Nutzung des Kirchraumes verzichtet.

Orgel

Die Orgel in der Bähr’schen Frauenkirche wurde 1736 fertig gestellt und galt als eines der größten Werke Gottfried Silbermanns. Bereits kurz nach der Fertigstellung gab Johann Sebastian Bach auf dem Instrument ein Konzert. Doch bereits 1769 wurde die Orgel erstmals umgestimmt, 1819 nahm man eine weitere Umstimmung vor, da die im barocken Kammerton gehaltene Orgel „im Verhältnis jetziger Instrumental-Stimmung recht gut einen halben Ton zu tief“ stand. Auch in der folgenden Zeit wurde die Orgel mehrfach erweitert und umgestaltet, sodass ihre ursprüngliche Klanggestalt nicht überliefert ist. 1945 wurde sie mitsamt dem Orgelprospekt vollständig zerstört.

Die neue Orgel der Frauenkirche wurde 2005 von Orgelbaufirma Kern aus Strasbourg erbaut. In ihr vereinigen sich auf beeindruckende Weise die Bauprinzipien der Orgeln der beiden Brüder Gottfried und Andreas Silbermann. Klanglich bereichert wird das Instrument durch die typischen Stimmen eines französisch-romantisches Orgelwerkes, sodass die neue Orgel eine beeindruckende Vielseitigkeit besitzt. Somit können die Orgelwerke Bachs ebenso authentisch gespielt werden wie orgelsymphonische Werke bspw. von César Franck oder Louise Vierne. Das äußerst wandlungsfähige Instrument besitzt 68 klingende Register, die auf vier Manuale und ein Pedal verteilt sind. Von den 4.876 Pfeifen, von denen die kleinste weniger als zehn Zentimeter und die größte über fünf Meter misst, ist jedoch nur ein kleiner Teil im so genannten Orgelprospekt sichtbar.

Unterkirche & Außenbauwerk

Unterkirche

Die Krypta der Frauenkirche diente im 18. Jahrhundert als Begräbnisstätte. Bestattet wurden hier unter anderem der Komponist Heinrich Schütz und der Baumeister der Frauenkirche, George Bähr. Bei der Zerstörung der Kirche blieb jedoch nur eine Grabkammer unversehrt. In ihr ist auch die Aufstellung der Särge in den gemauerten Grabstellen weitgehend erhalten. Doch obwohl der überwiegende Teil der Unterkirche beim Wiederaufbau wieder neu gewölbt werden musste, bleibt auch das Schicksal der Zerstörung insgesamt unverkennbar.

Zwischen 1996 und 2005 diente die Unterkirche als Kirchraum. Hier fanden Gottesdienste, Andachten und ökumenische Abendgebete statt. Auch Konzerte und Kirchenführungen konnten die Menschen in der Zeit des Wiederaufbaus der Frauenkirche hier erleben. Augenfällig war und ist der monumentale Altarstein. Dieser wurde von dem in Indien geborenen jüdischen Künstler Anish Kapoor aus schwarzem irischem Kalkstein gefertigt. 

Die Tradition der Abendgebete und der künstlerischen Nutzung der Unterkirche lebt weiterhin fort. Davon abgesehen ist die Unterkirche allerdings zum Ort der Stille, der persönlichen Andacht und des Gebets geworden. Dazu wurden die fünf Kapellen vom Berliner Bildhauer Michael Schoenholtz künstlerisch gestaltet und thematisieren auf vielfältige Weise Zerstörung und Neubeginn.

Außenbauwerk im Untergeschoss

Um die Frauenkirche den Nutzungsanforderungen der heutigen Zeit anzupassen, wurde beim Wiederaufbau nach einer Lösung zur Unterbringung verschiedener technischer Anlagen wie z.B. einer Trafostation, einem Notstromaggregat und einer Heizungszentrale gesucht. Als beste Lösung kristallisierte sich die Neuanlage eines Außenbauwerks heraus, das wie ein U von Süd/West bis Nord/West um den historischen Baukörper angeordnet wurde. Heute beherbergt es auch Toiletten und Garderoben.

Ebenfalls im Außenbauwerk befindet sich eine kleine Ausstellung, die an den Wiederaufbau der Frauenkirche erinnert und ein Vorführraum, in dem der Film "Faszination Frauenkirche" gezeigt wird.