»Die Herausforderungen werden steigen«

So wie einst für den Wiederaufbau der Frauenkirche müssen heute für die Erhaltung des Bauwerks und die Gestaltung des Lebens darin beständig Spendenmittel eingeworben werden. Eine große Aufgabe, wie Christine Gräfin von Kageneck, kaufmännische Leiterin der Stiftung Frauenkirche Dresden, im Interview erklärt.

Welche Spendenbilanz ziehen Sie nach den ersten zehn Jahren nach dem Wiederaufbau?

Wir sind unendlich dankbar, dass nicht nur der Wiederaufbau zu gut zwei Dritteln aus privaten Mitteln finanziert werden konnte, sondern dass sich dieses Muster in den zehn Jahren nach der Wiedereröffnung fortgesetzt hat.

Einen großen Anteil hatten Erblasser, die meisten von ihnen gebürtige Dresdner, die ihre hohe Bindung in diese Stadt und ganz besonders die Frauenkirche nie verloren hatten. Nach wie vor sind auch die Stifterbriefe von erheblicher Bedeutung. Wir freuen uns über das ungebrochene Interesse an symbolischen Adoptionen von Gebäudeteilen und Einrichtungen.

Großer Dank gebührt aber auch unseren Besuchern, die täglich z.B. durch Spenden in Opferstöcke unsere Arbeit unterstützen. Unterstützung erhalten wir auch durch unseren Förderverein, der jährlich mit € 40.000 zur Erhaltung des Kirchbaus und mit unterschiedlichen Beträgen zu der Finanzierung des Jugendfestivals beiträgt.

Können Sie neben den privaten Spenden weitere Finanzierungsquellen nennen?

Die Landeskirche hilft uns durch die Übernahme eines Teils der Gehaltskosten im ideellen Bereich und die Landesregierung durch die Teilfinanzierung der Vortragsreihe »Forum Frauenkirche«. Der Anteil dieser aus Steuermitteln stammenden Finanzierung ist im Gesamtbild der externen Mittelzuflüsse jedoch gering. Es waren und sind die privaten Quellen, die die Umsetzung der in unseren Statuten verankerten Ziele ermöglichen.

Die Stiftung Frauenkirche Dresden hat sich für einen sorgfältigen Umgang mit den Mitteln verpflichtet. Was bedeutet das konkret?

Die Zuflüsse aus Spenden fließen ausschließlich in die Erhaltung des Gebäudes und die Gestaltung
des geistlichen Lebens. Bislang konnte das – im Gegensatz zu anderen Musikanbietern vor Ort –
nicht subventionierte Konzertwesen kostendeckend gestaltet werden. Permanent achten wir darauf, den Verwaltungsaufwand unter strikter Kontrolle zu halten.

Welche Auswirkungen hat die Niedrigzins-Phase für die Stiftung?

Erträge aus der Vermögensverwaltung werden dringend benötigt, um die Deckungslücke zwischen
Kosten für das Gebäude und die ideelle Nutzung und dem Spendenaufkommen zu schließen. Dies wird seit Jahren und für die absehbare Zukunft durch die Zinspolitik erschwert. Es bedarf großer Anstrengungen bei der für uns geltenden sehr konservativen Anlagestrategie, Mittel zumindest kapitalerhaltend zu disponieren. Eine große Stütze sind allerdings die Pachteinnahmen aus dem Kuppelaufstieg, die jedoch wetterbedingt Schwankungen unterliegen. Bei stabilen Eintrittspreisen waren sie bisher aber immer ausreichend, um die Vollfinanzierung der Stiftung inklusive des Verwaltungsaufwandes sicher zu stellen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen für die kommenden Jahre?

Die Herausforderungen aus kaufmännischer Sicht werden mit Sicherheit steigen. Da keine Zinswende in Sicht ist, ist ein unverändert effizientes Kostenmanagement von hoher Bedeutung. Hier sehen wir jedoch Grenzen, unter anderem weil der Reinvestitionsbedarf in das Gebäude steigt. Möge es uns gelingen, die Treue unserer Stammspenderinnen und –spender zu erhalten und neue Freunde und Unterstützer zu finden. 


Die Fragen stellte Mandy Dziubanek