Elemente der Friedensarbeit

Die Dresdner Frauenkirche möchte Wege zu Frieden und Versöhnung vermitteln und in vielfältigster Weise anregen, sie zu beschreiten. So unterschiedlich wie ihre Besucher sind daher die Angebote. Neben Einzelveranstaltungen und ganzen Reihen stehen die vielen Menschen, die das Leben in der Frauenkirche tragen, für die Friedensbotschaft des Gotteshauses. Außerdem spricht das Bauwerk selbst - insbesondere durch seine Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau.

Lebendige Friedensarbeit

Versöhnungsgebet

Seit 2005 ist die Frauenkirche Teil der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft und damit eins von insgesamt vier Zentren in Dresden, 59 in Deutschland und 160 weltweit. Sie alle fühlen sich dem Gedanken der Versöhnung verpflichtet und wollen „im Geiste Coventrys“ für die Versöhnung unter den Menschen und Völkern eintreten. Das regelmäßige Einstimmen in das Versöhnungsgebet von Coventry im Rahmen der Mittagsandacht an jedem Freitag, 12 Uhr, ist ein sicht- und hörbares Zeichen der Verbundenheit mit der mittelenglischen Kathedrale. 

Forum Frauenkirche

Das Forum Frauenkirche ist eine Vortragsreihe, die Friedenswege aufzeigen und für Toleranz und Verständigung werben will. Mit einer offenen und weiten Perspektive möchte das Forum die Möglichkeit zum interdisziplinären Dialog bieten. Gemäß eines Jahresmottos werden sowohl aktuelle politische und gesellschafltiche Fragen aufgeworfen wie auch historische, theologische und philosophische Themen diskutiert. Die Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen und werden teils vom Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet. Organisiert wird das Forum Frauenkirche in Kooperation mit der Technischen Universität Dresden und der Sächsischen Staatskanzlei.

Gedenken am 13. Februar

Am 13. Februar 1945 zerstörten alliierte Bomben die gesamte Innenstadt. Zwei Tage später stürzte die ausgebrannte Frauenkirche in sich zusammen. Jedes Jahr kommen Tausende Dresdner an diesem Datum zur Frauenkirche, um wahrhaftig zu erinnern und für ein friedliches und versöhntes Miteinander zu mahnen. 

Jedes Jahr wird über eine Lichtinstallation das Bild einer brennenden Kerze auf die Außenfassade der Frauenkirche projiziert und das Turmkreuz angestrahlt. Das Licht der Kerze kündet von Hoffnung und ist als Botschafter für eine friedliche Welt an verschiedenen Stellen um und in der Frauenkirche am 13. Februar zu finden. Die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e.V. gibt allen Menschen die Möglichkeit für ein stilles Gedenken am Nachmittag Kerzen am Neumarkt anzuzünden. Die „Nacht der Stille“ lädt am späten Abend mit Musik und Impulstexten zum Frieden bei Kerzenlicht in der Frauenkirche ein.

Der Dresdner Ehrenbürger und frühere evangelische Superintendent Dr. Christof Ziemer hielt 2008 eine bewegende Gedenkrede auf dem Neumarkt. In den beiden darauf folgenden Jahren mahnten die ehemaligen Bundesminister Dr. Hans-Jochen Vogel und Gerhart Baum zu einem friedlichen Miteinander und zum würdigen Umgang mit diesem Tag. Zum 65. Jahrestag der Zerstörung Dresdens 2010 gestaltete zudem der Künstler Einhart Grotegut im damaligen Besucherzentrum der Frauenkirche eine Ausstellung des persönlichen Erinnerns an die Nacht des 13. Februar 1945. Funde von Alltagsgegenständen aus Dresdner Baugruben zeugten als Installationsobjekte von den Wunden des Feuersturms in Dresden. 

Reden von Friedensnobelpreisträgern

Die Frauenkirche möchte die Stimmen herausragender Friedensstifter zu Gehör bringen. Aus diesem Grund lädt sie Träger des Friedensnobelpreises ein, an diesem Ort des Friedens und der Versöhnung das Wort zu ergreifen. Ihre wegweisenden Visionen und Handlungsvorschläge für eine friedlichere Zukunft sollen Quell der Inspiration und Ermutigung beim Beschreiten eigener Friedenswege sein. 

Wer außerordentlich für die „Verbrüderung der Völker gewirkt“ und sich für die „Bildung und Austragung von Friedenskongressen“ engagiert hat, ist für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. So hat es Alfred Nobel 1895 verfügt. Diesem Gedanken fühlt sich auch die Frauenkirche Dresden als Wahrzeichen, das zu Toleranz und Frieden der Völker und Religionen untereinander mahnt, verpflichtet. 

Am 1. Dezember 2010 fand daher die erste Friedensnobelpreisträgerrede in der Frauenkirche statt. Martti Ahtisaari, Preisträger des Jahres 2008, hielt eine ermutigende Rede, in der er an den Willen aller appellierte, sich den Ungerechtigkeiten und Konflikten der Welt zu stellen um friedliche Lösungen zu ringen. Ihre Fortsetzung fand die Reihe mit einer Rede des ägyptischen Friedensnobelpreisträgers Dr. Mohamed ElBaradei am 18. März 2014. Unter der Überschrift „Dauerhafter Frieden ist nicht nur Wunschdenken“ formulierte er zehn Schritte, die er den 800 interessierten Zuhörern im Kirchraum und vielen mehr im Fernsehen und Internet ans Herz legte. Die Reihe wird fortgesetzt.

Friedenswettbewerb

Erstmals wurde die Rede eines Friedensnobelpreisträgers 2014 durch einen sachsenweiten Schülerwettbewerb begleitet. 120 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich und reichten beeindruckende Gruppenbeiträge zu einem von Dr. Mohamed ElBaradei gestellten Thema ein. Drei Siegergruppen erhielten die Möglichkeit, persönlich mit dem Friedensnobelpreisträger ins Gespräch zu kommen.

Peace Academy

Es ist Wunsch und Aufgabe der Frauenkirche Dresden, die Botschaft von Frieden und Versöhnung in die nächste Generation zu tragen. Mit einer internationalen Jugendbegegnung wird dieses Ziel auf besonders mitreißende Art verfolgt. Bereits drei Mal (2010, 2012 und 2014) fand in und um die Frauenkirche eine Peace Academy statt. Junge Leute zwischen 16 und 27 aus teils weit über 20 Ländern der Welt kamen in Dresden zusammen, um Friedens- und Gewissensfragen zu diskutieren.

Vier Tage lang, jeweils zu Pfingsten, tauschen die Teilnehmer Erfahrungen und Ideen aus. Sie lernen voneinander, nehmen teil an Workshops, Konzerten, Mitmachangeboten, Andachten, einem internationalen Abend und einem Erfahrungsweg und erleben bei Tanz, Spiel und gemeinsamen Mahlzeiten die motivierende Kraft der Gemeinschaft. Besonderes Kennzeichen des prallen Programms ist, dass es wesentlich durch die jungen Menschen selbst mitgestaltet wird. Dabei sind alle Angebote zweisprachig auf deutsch und englisch, um dem internationalen Charakter zu entsprechen.

... mehr über die Peace Academy

Getragen von vielen

Die Frauenkirchenpfarrer

An der Dresdner Frauenkirche sind zwei Pfarrer tätig. Beide Pfarrer widmen sich in ihrem Amt in verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Es ist das Hauptanliegen der beiden Frauenkirchenpfarrer, die Friedens- und Versöhnungsbotschaft im alltäglichen Leben der Frauenkirche weiterzugeben. Neben der Gestaltung von Gottesdiensten und Andachten sind sie an der Entwicklung und Umsetzung von Veranstaltungsformaten beteiligt wie bspw. Vortragsreihen oder der Peace Academy.

Musikalische Botschafter

Kirchenmusikalische Botschafter der Frauenkirche sind die beiden Chöre des Gotteshauses. Sie gestalten einen Großteil des musikalischen Programms der Gottesdienste und Geistlichen Sonntagsmusiken. Geleitet werden sie vom Kantor der Frauenkirche, der neben der Stimmigkeit zum Kirchenjahr auch immer bestrebt ist, Werke von inhaltlich passender Ausdruckstiefe ins Programm zu nehmen. Der Kammerchor der Frauenkirche ist über das gesamte Jahr hinweg auch außerhalb Dresdens zu erleben, um die Botschaft der Frauenkirche in die Welt hinaus zu tragen. Bisherige Konzertreisen führten u.a. ins Elsaß (2005), nach Japan (2006), Norditalien (2008), Großbritannien (2010 und 2012). sowie nach Italien (2014).

Friedensbeauftragter

Johannes Neudeck nimmt seit 2010 die Aufgaben des Friedensbeauftragten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens wahr und unterstützt die Frauenkirche Dresden in ihrer Friedensarbeit. Innerhalb der sächsischen Landeskirche ist die Friedens- und Versöhnungsarbeit immer schon ein unverzichtbarer Bestandteil des breiten Spektrums der kirchlichen Arbeitsfelder gewesen. Angesichts der Entwicklungen und Lebenssituationen in einer vielerorts konfliktträchtigen Welt stehen die Sensibilisierung für den christlichen Friedens- und Versöhnungsauftrag und die Motivation zu praktischen Schritten in Kirche und Gemeinde im Mittelpunkt.

Ehrenamtliches Engagement

Das Leben in der Frauenkirche und damit auch die Vermittlung der Friedensbotschaft wären ohne das große Engagement ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer undenkbar. Ob als Kirchenführer, Gastgeber, Gottesdiensthelfer oder Chorsänger - jeder der ca. 300 Ehrenamtlichen wirkt mit Einsatz und Herzblut an seinem Ort. In ungezählten Gesprächen, Kirchenführungen und sonstigen Begegnungen geben die Männer und Frauen den Segenswunsch weiter, der einst das Weihemotto prägte und heute auf den Gebetlichtern gedruckt ist: Friede sei mit euch!

Versöhnungszeichen

Spuren lesen: Narben geheilter Wunden

An der wieder aufgebauten Frauenkirche ist das Schicksal ihrer Zerstörung weiter ablesbar geblieben. Die dunkle Färbung der alten Fassadensteine und die Maßdifferenzen in den Anschlussbereichen zwischen altem und neuem Mauerwerk erinnern an Narben einer geheilten Wunde. Auch an vielen weiteren Stellen, so z.B. in der Hauptraum am Altar oder am Urmkreuz sowie in der Unterkirche, verbinden sich Alt und Neu bedeutungsvoll.Dies alles versinnbildlicht die Botschaft der wieder aufgebauten Frauenkirche; übrigens oftmals erst auf den zweiten Blick. Als Ort der Erinnerung mahnt die sie an Zerstörung und Leid, die der Krieg bringt. Als Ort der Hoffnung erinnert sie daran, dass Wunden heilen können und Versöhnung möglich ist.

Der Ruf nach Frieden: die Friedensglocke Jesaja

Im Geläut der Frauenkirche ist die größte Glocke mit 1.750 kg Masse die Friedensglocke „Jesaja“. Sie erinnert jeden Werktag nach dem 12 Uhr Stundenschlag an die „flackernde Sehnsucht nach Frieden“ (Christian Lehnert, 2004) und lädt die Besucher der Kirche in die Mittagsandacht ein.

Der Künstler Christoph Feuerstein hat auf der Glocke bildhaft eine Sekunde des weltweiten Schreckens gestaltet: den Moment, als am 11. September 2001 in New York ein terroristisch gesteuertes Flugzeug in das amerikanische Wahrzeichen, das World Trade Center, schlägt: ein Moment der Zerstörung.

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ (Jesaja 2,4) – diese biblische Hoffnung will hinein strahlen in alle Dunkelheiten der Gegenwart. Bei jedem Läuten erinnert uns die Jesaja-Glocke wie ein „dunkler Puls“, dass unser Bitten um Frieden sich auf den Frieden in der ganzen Welt ausrichtet.

... Christian Lehnerts Gedanken zur Friedensglocke

Friedens- und Segenswunsch: "Friede sei mit euch"

„Friede sei mit euch“ – diese Worte sagte Jesus zu seinen Jüngern am Tage seiner Auferstehung am Ostermorgen. Jedem Besucher der Frauenkirche wird dieser Segenswunsch mit auf den Weg gegeben. Zweimal in jeder Stunde spricht einer der Kirchenführer in der Zeit der geöffneten Kirche einen geistlichen Impuls von der Kanzel. Mit Worten aus der Bibel oder Zeilen eines Gedichtes wird ein Moment der Stille und des Nachdenkens geschaffen, an dessen Ende stets der Segenswunsch steht.

Unter dem alten, aus den Trümmern der zerstörten Frauenkirche geborgenen Turmkreuz, besteht die Möglichkeit, ein Gebetslicht zu entzünden. Das Licht der Kerze kann an einen lieben Menschen erinnern, kann ein Zeichen der Dankbarkeit und des Trostes sein und mahnt uns mit seiner Aufschrift zum friedvollen Miteinander: „Friede sei mit Euch“.

Im Johannesevangelium ist zu lesen:
Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus der Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Johannes 20, 19-21)