Der Ruf nach Frieden
Im Geläut der Frauenkirche ist die größte Glocke mit 1.750 kg Masse die Friedensglocke „Jesaja“. Sie erinnert jeden Werktag nach dem 12 Uhr Stundenschlag an die „flackernde Sehnsucht nach Frieden“ (Christian Lehnert, 2004) und lädt die Besucher der Kirche in die Mittagsandacht ein.
Der Künstler Christoph Feuerstein hat auf der Glocke bildhaft eine Sekunde des weltweiten Schreckens gestaltet: den Moment, als am 11. September 2001 in New York ein terroristisch gesteuertes Flugzeug in das amerikanische Wahrzeichen, das World Trade Center, schlägt: ein Moment der Zerstörung.
„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ (Jesaja 2,4) – diese biblische Hoffnung will hinein strahlen in alle Dunkelheiten der Gegenwart. Bei jedem Läuten erinnert uns die Jesaja-Glocke wie ein „dunkler Puls“, dass unser Bitten um Frieden sich auf den Frieden in der ganzen Welt ausrichtet.
Der Autor Christian Lehnert schrieb anlässlich der Glockenweihe diese Zeilen zur Friedensglocke Jesaja:
Glockentöne, ein dunkler Puls
weht über Freiflächen, sickert tiefer
durch Keller,
durch Trümmerschichten unter Gras und Asphalt.
Glockentöne,
in denen die Zeitformen verschwimmen:
Nacht einer Stadt,
von blitzenden Raketen durchzuckt,
Nacht,
in der die Scheiterhaufen lodern,
Nacht,
erhellt von Kerzen vor dem Skelett einer Kirche,
flackernd in der Sehnsucht nach Frieden.
Jesaja heißt die Glocke,
Friedensglocke,
ferne Prophetenstimme:
„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen.“
Wehen der Gebetsrufe über Bagdad,
Klang der Schofare in Jerusalem,
Gebetsglocken Buddhas in Tibet...
ich höre einen Ton aus vielen Tönen:
Frieden,
Frieden,
wo Gott wohnt.



