Friedenslernort Frauenkirche

Mit weiterentwickelten und mit neu konzipierten Formaten stärkt die Frauenkirche ihr Wirken für Frieden und Versöhnung. Zum Auftakt spricht Frederik de Klerk im Rahmen der Friedensnobelpreisträgerreden; gesellschafts- und städteverbindende Aktivitäten folgen.

Die inhaltliche Arbeit der Frauenkirche geht in eine neue konzeptionelle Phase. Nachdem während des Wiederaufbaus in der Unterkirche sprichwörtlich die Grundlagen gelegt wurden und seit der Weihe ein vielfältiges Leben die Frauenkirche zu einem Identifikations- und Begegnungsort machte, plant die Stiftung Frauenkirche Dresden Erweiterungen in ihrem Engagement in der Friedens- und Versöhnungsarbeit und im Bildungsbereich.

„Die aktuelle gesellschaftliche Situation erfordert wahrnehmbares Wirken. In unserer unfriedlich gewordenen Welt ist die Friedens- und Versöhnungsarbeit zu einer Handlungsaufforderung geworden, der sich die Frauenkirche als Mittler zwischen verschiedenen Ebenen verpflichtet sieht“, betont Landesbischof Dr. Carsten Rentzing, der zugleich Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Frauenkirche Dresden ist.

„Die Stiftung Frauenkirche verfolgt eine zutiefst menschliche und friedensfördernde Aufgabe. In Zeiten wie heute ist Frieden weit früher zu fördern als im Vorfeld einer militärischen Eskalation. Frieden beginnt bei jedem Einzelnen von uns!“ erklärt Stiftungsratsvorsitzender Joachim Hoof. „Die Frauenkirche als offenen  Friedensort weiter zu entwickeln, ist uns Pflicht und Freude in einem. Die gemeinnützige Stiftung, die das Leben in der Frauenkirche gestaltet, führt weltliche und kirchliche Perspektiven auf einzigartige Weise zusammen. In diesem Sinne wird sie zukünftig noch stärker an Konzepten arbeiten, die Frieden und Versöhnung aus der Frauenkirche in die Welt senden.“

Thematische Weiterentwicklungen

Mit klarem Bezug auf die Intention des Wiederaufbaus, dem die Vision eines europäischen Friedenszentrums zugrunde lag, werden dafür Elemente des Lebens der Frauenkirche thematisch weiterentwickelt. Am Beispiel der Friedensnobelpreisträgerreden erläuterte Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt, wie der eingeschlagene Weg von einer öffentlichen Rede über die Einbindung weiterer Ziel- und Mitwirkendengruppen bis hin zu einem impulsgebenden Diskursprozess vonstatten gehen kann. „Durch schrittweise wachsende Formate soll zukünftig die Ansprache und Einbindung von Schülern, Studierenden, Initiativgruppen sowie Friedens- und Sicherheitsexperten erreicht werden, sodass neue Netzwerke entstehen und die versöhnende Botschaft der Frauenkirche weitergetragen wird. Die Frauenkirche wird so zum Mittler zwischen denen, die Friedenswege aufzeigen und denen, die beim Beschreiten mit Mut und Zuversicht voran gehen können“, so Feydt.

Bereits bei der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerrede von Frederik Willem de Klerk, die am 03. April 2017 um 19 Uhr im Hauptraum der Frauenkirche zu erleben sein wird, werde dies deutlich. So erweitert sich das Programm um einen fortentwickelten Thementag für Schülerinnen und Schüler einschließlich einer persönlichen Begegnung mit dem Friedensnobelpreisträger und verschiedene Treffen de Klerks mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft.

Die Vertiefung der Bildungsarbeit der Frauenkirche wird ein weiteres Wirkungsfeld sein. Frank Richter, der seit Februar die Geschäftsführung der Stiftung komplettiert, informierte über erste Schwerpunktsetzungen. Wichtige Elemente seien hier Begegnungen und Austausch sowohl innerhalb der Dresdner Bürgerschaft als auch die Pflege und thematische Nutzbarmachung städteverbindender Partnerschaften. „So wie viele andere Städte in Deutschland, in Europa und in der Welt ist Dresden eine vom Krieg gezeichnete Stadt. Mit ihrer Geschichte und der Frauenkirche in ihrer Mitte hat sie das Potential, eine »Stadt für den Frieden« zu sein, so wie es andere Städte mit ihrer jeweiligen Historie sind. Deshalb sollen in der Frauenkirche Vertreter und Bürger von Städten zusammenkommen, die vor dem Hintergrund von Krieg und Zerstörung besondere Friedensaktivitäten entwickelt haben“, so Richter. Zudem soll eine neue Veranstaltungsreihe einladen, sich mit den ethisch-geistigen Grundlagen unseres demokratisch verfassten Gemeinwesens zu beschäftigen und diese zu stärken. Sie wird am Donnerstag, dem 30. März 2017, mit einem Vortrag von Professor Georg Lind eröffnet.

Spendenbedarf zur Ermöglichung der inhaltlichen Arbeit

Um ihre Ziele verwirklichen zu können, wirbt die Stiftung intensiv und wirksam für Unterstützung in Form von Spenden und Zustiftungen. Christine Kageneck verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das Gros aller Angebote der Frauenkirche für den Besucher kostenfrei nutzbar, für die Stiftung aber mit erheblichen Aufwendungen verbunden ist, was zusammen mit der ebenfalls sorgsam wahrgenommen Verpflichtung zur Bauwerkserhaltung den anhaltenden Spendenbedarf begründet. „Damit die Frauenkirche auch künftig ihrem Auftrag als Friedenslernort gerecht werden kann, müssen die finanziellen Grundlagen gelegt sein. Wir bauen daher auf das anhaltende Engagement bereits gewonnener Unterstützer und die Bereitschaft neuer Freunde der Frauenkirche, das Wirken des Gotteshauses mit ihren Spenden zu fördern“, so Kageneck.