Die Friedensbotschaft weitertragen

Der Frauenkirche Dresden ist es ein großes Anliegen, die Botschaft von Frieden, Versöhnung, Verständigung und Toleranz in die nächsten Generationen zu tragen. Aus diesem Grund rief die Stiftung Frauenkirche Dresden auch 2017 zu einem Friedenswettbewerb unter sächsischen Schülerinnen und Schülern auf. 

Erstmals fand der Wettbewerb 2014 statt; eine Fortsetzung gab es 2016. Anlässlich der Rede des Friedensnobelpreisträgers Frederik Willem de Klerk im April 2017 wurde der Wettbewerb zum dritten Mal ausgerufen. 149 Schülerinnen und Schüler aus Dresden und Leipzig ebenso wie aus Meißen, Elsterberg und Zwenkau nahmen teil. Die 26 Einreichungen waren vielfältig und kreativ und beinhalteten Websites, Blogs, Plakate und Videos ebenso wie eine Debatte, ein Hörspiel, einen Coversong und ein Streetart-Projekt.

Der Friedenswettbewerb 2017: Darum ging's

Unsere Welt ist an so vielen Stellen im Unfrieden: Länder bedrohen einander, Gesellschaften sind gespalten. Das Trennende wird über das Gemeinsame gestellt. Aber muss das so sein? Und vor allem: Muss das so bleiben? Wo sind Wege, die zueinander führen anstatt in die Konfrontation? Wer traut sich, ganz neu zu denken?

1990 hatte Frederik Willem de Klerk den Mut, der südafrikanischen Gesellschaft einen neuen Weg zu vorzuschlagen. Er schaffte die Apartheid ab und ermöglichte zusammen mit Nelson Mandela den Übergang zu einem gleichberechtigten Miteinander aller Bevölkerungsgruppen. Dafür erhielten beide Politiker 1993 den Friedensnobelpreis. Sie hatten erkannt, dass eine moderne Gesellschaft vielfältig ist und nicht auf Ungerechtigkeit beruhen darf.

Bis heute beschäftigt Frederik Willem de Klerk das. Ihm ist wichtig, junge Menschen auf der ganzen Welt für Friedensfragen zu interessieren. Aus diesem Grund hatte er die folgende Wettbewerbsaufgabe formuliert:

„All different – all equal: How to shape a modern multi-cultural society?“ 
„Alle anders – alle gleich: Wie lässt sich eine moderne multikulturelle Gesellschaft gestalten?“

Die diesjährigen Preisträger

Preisträgerbeitrag »Von der Mauer zur Brücke«

Mit einem eindrucksvollen Film stellt die Schülergruppe ihren individuellen Weg von einer eingeengten, von Vorurteilen bestimmten Sicht hin zu einer offenen, toleranten Perspektive dar. Anfangs wird eine Mauer aus Vorurteilen gebaut, die aber dort keinen Bestand hat, wo es Begegnungen und Interesse am Gegenüber gibt. Aus einem Teil der Mauer wird eine Brücke.

Einreichung von Chiara Fiebiger, Alexander Rühlow, Emely Otto, Estelle Pietzonka, Mary Kremtz, Frederik Mallon, Sophie Ambrosius und Eva Kratzsch aus der Klassenstufe 10 und 11 des Franziskaneums Meißen | ANSEHEN

Preisträgerbeitrag »Ängste in einer multikulturellen Gesellschaft«

Mittels eines Blogs setzen sich die Autoren mit der Frage auseinander, welche Vorbehalte hinsichtlich einer multikulturell zusammengesetzten Gesellschaft bestehen. Hierfür führten sie Gespräche – u.a. am Rande einer PEGIDA-Demonstration – konfrontierten Menschen mit wahren und falschen Aussagen. 

Einreichung von Rahel Gebhardt, Mia Hempel, Elisabeth Jancke, Nora Bürkel und Rebecca Rothmann aus der Jahrgangsstufe 11 des Evangelischen Kreuzgymnasiums Dresden | ANSEHEN

Preisträgerbeitrag »Wir sind Eins!«

In diesem Video thematisieren die Autorinnen die positiven und negativen Aspekte bei der Integration von Flüchtlingen. Ein Interview mit einer Flüchtlingsfamilie gibt wertvolle Einsichten, die um weitere Aspekte ergänzt am Ende zu eigenen Schlussfolgerungen über das Gelingen  eines wertschätzenden Miteinanders führt.

Einreichung von Elisabeth Koch, Larissa Witczak, Jessica Thalmeir, Anne Müller, Julia Clengel und Clara Trautmann aus der Jahrgangsstufe 10 vom Semper Gymnasium Dresden | ANSEHEN

Wer konnte mitmachen?

Aufgerufen waren Schülerinnen und Schüler aus ganz Sachsen ab der Klassenstufe 9. Um das gemeinsame Arbeiten zu stärken, richtete sich der Friedenswettbewerb ausdrücklich an Gruppen. So bildeten sich Teams von fünf bis acht Mitgliedern, die miteinander das Wettbewerbsthema bearbeiteten. 

Was gab es zu gewinnen?

Drei Preisträgergruppen des Friedenswettbewerbs 2017 wurde eine besondere Ehrung zuteil: Sie erhielten die Gelegenheit zu einer persönlichen Begegnung mit dem Friedensnobelpreisträger Frederik Willem de Klerk.

Die 19 Schülerinnen und Schüler verlebten am 3. April 2017 einen ereignisreichen Tag in Dresden. Neben einer ausführlichen thematischen Erkundung der Frauenkirche und dem Austausch untereinander bekamen sie in einer Feierstunde ihre Gewinnerurkunden aus den Händen von Frederik Willem de Klerk überreicht. Im Anschluss kamen sie mit ihm ins Gespräch und konnten während einer 45-minütigen Unterredung Ideen austauschen und Fragen stellen. Am Abend zählten sie zu den Ehrengästen bei der Rede.

Wer bewertete die Beiträge?

Eine fachkundige Jury bestehend aus Experten für Friedens- und Sicherheitsfragen einerseits, Studierenden andererseits sowie Schülern, die beim letzte Friedenswettbewerb als Preisträger hervorgegangen waren, bewerteten die Wettbewerbsbeiträge. Die Jurymitglieder schauten u.a. auf die Tiefe und/oder Breite der Auseinandersetzung mit dem Wettbewerbsthema, auf die inhaltliche und gestalterische Qualität der Einreichungen und auf die Kreativität bei der Umsetzung.

Und hier noch einige Hintergrundinfos

Wer ist Frederik Willem de Klerk?

Frederik Willem de Klerk ist ein früherer Präsident Südafrikas, der mit einer Rede im Februar 1990 Geschichte schrieb. Vor einem Parlament, in dem kein einziger farbiger Abgeordneter saß, weil nur »Weiße« wählen und gewählt werden durften, sprach er über die Demokratisierung des Landes – also über nichts weniger als die Überwindung der Rassentrennung. Er lud zu Gesprächen ein und kündigte an, das Verbot der Opposition aufzuheben und politische Gefangene freizulassen. Damit stieß er einen Prozess an, der den Weg frei machte für eine demokratische Verfassung, freie Wahlen und letztlich auch den ersten farbigen Präsidenten Südafrikas: Nelson Mandela.

Gemeinsam mit ihm wurde Frederik Willem de Klerk 1993 für ihr »Wirken für die friedliche Beendigung des Apartheidregimes und für die Schaffung der Grundlagen für ein neues demokratisches Südafrika« mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nach zwei Jahren als Vizepräsident unter Mandela und dem Rückzug aus der aktiven Politik engagiert sich Frederik Willem de Klerk seit mehr als 15 Jahren mittels einer Stiftung für friedensstiftende Aktivitäten in multikulturell geprägten Ländern und bemüht sich um die junge Demokratie Südafrikas.

Wer organisiert den Friedenswettbewerb?

Die Stiftung Frauenkirche Dresden, die für die Organisation all dessen, was in der Frauenkirche passiert, verantwortlich ist, veranstaltet diesen Friedenswettbewerb. Das tut sie, weil ihr die Themen Frieden und Versöhnung besonders wichtig sind. Zum einen, weil sie eine Kirche ist, die die Narben von Krieg und Zerstörung an und in sich trägt: Zerstört am Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden beim Wiederaufbau alte und neue Steine verwendet, um an Kriegsleid zu erinnern und zugleich Hoffnung auszustrahlen. Zum anderen natürlich, weil Menschen aus aller Welt mit Spenden halfen, sie wieder zu errichten. Mit dem Friedenswettbewerb möchte die Stiftung Frauenkirche Dresden jungen Leuten ein Forum für ihre Friedensideen geben. Nach 2014 und 2016 findet er zum dritten Mal statt und ist Teil einer Veranstaltungsreihe, für die Friedensnobelpreisträger nach Dresden eingeladen werden.

Stimmen früherer Teilnehmer

»Ich konnte besonders durch die Gespräche mit dem Friedensnobelpreisträger sehr viel lernen und unvergessliche Erinnerungen mitnehmen, da er die von uns Schülern gestellten Fragen sehr konkret beantwortete.«
Paul Hofmann

»Ich denke, ich spreche für meine Klasse, wenn ich sage, dass dieser Wettbewerb uns zu neuen Projekten für eine friedliche Welt angespornt hat.« Luca Kost

»Da wir uns im Vorfeld schon intensiv mit dem Thema Frieden auseinander gesetzt hatten, begeisterte es mich, dass wir trotzdem so viel Neues dazugelernt haben.« Elina Hies

»Ein unvergessliches Erlebnis, das ich gegen nichts eintauschen würde.« Nora Hartmann

»Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass der eigene Wunsch durch die WunschWelt in der Frauenkirche aufbewahrt wird.« Rahel Geppart

»Ich habe mich jetzt sehr intensiv mit dem Thema »Krieg und Frieden« beschäftigt und wurde dazu inspiriert, mir ein eigenes Bild zu schaffen. Ich denke, es ist sehr wichtig, Jugendliche wie uns auf dieses Thema aufmerksam zu machen.« Carolin Maßloch

Gewusst?

  • In den meisten Ländern der Welt leben Menschen verschiedener Kulturen zusammen.
  • In Europa lebt ein Viertel aller Migranten der Welt.
  • 17 Mio. der Einwohner Deutschlands haben einen Migrationshintergrund.
  • In Sachsen leben Menschen mit 185 Nationalitäten.
  • Jeder 7. Mensch auf der Welt gehört einer Minderheit an.

Es galten die Wettbewerbsbedingungen, die HIER NACHZULESEN sind.