Friedrich Wilhelm Junge liest Dostojewskis »Großinquisitor«

»Der Großinquisitor« von Fjodor Dostojewski ist ein großes Stück Weltliteratur. In der Unterkirche der Frauenkirche bringt ihn Friedrich-Wilhelm Junge an zwei Abenden zu Gehör.

Die Erzählung „Der Großinquisitor“ ist ein einzelnes Kapitel aus Fjodor Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“. Es kann unabhängig vom Gesamtwerk gelesen werden und führt inhaltlich ins Zentrum der Botschaft Jesu Christi.

Literarische Sicht auf Jesus

Dieser kommt in der Zeit der spanischen Inquisition inkognito zurück auf die Erde. Der Kardinal Großinquisitor erkennt ihn und lässt ihn verhaften. Er besucht ihn zu mitternächtlicher Stunde im Kerker und erklärt ihm seine Sicht auf die Dinge des Glaubens und der Kirche: Die Menschen seien in ihrer übergroßen Mehrheit zu unmündig, zu feige und zu gierig, um den Anspruch Jesu nach einem freien, selbstlosen und von den Autoritäten emanzipierten, persönlichen Glauben erfüllen zu können. Sie wären nicht in der Lage, gemeinschaftlich das Wahre und Gute zu erkennen und zu verwirklichen. Sie benötigten die kirchliche Autorität, die ihnen die schwere und letztlich unzumutbare Last der Freiheit im Glauben abnimmt. Er, Jesus, stelle eine große Gefahr für das Wohl der Menschen dar, die es abzuwehren gelte. Die Reaktion und Antwort Jesu auf die Rede des Kardinals – sie soll an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden – ist überraschend und überzeugend zugleich.

Dostojewskis Erzählung ist nur vordergründig „anti-katholisch“. Sie thematisiert das schwierige Verhältnis einerseits zwischen der Freiheit des Einzelnen (Christenmenschen) und andererseits den Normen der Kirche und der Gesellschaft. Dieses ist heute ebenso aktuell wie zu Zeiten der Inquisition und der Reformation, ebenso wie zu Lebzeiten von Fjodor Dostojewski. Die Erzählung radikalisiert die Spannung zwischen Freiheit und Gesetz und konfrontiert den Leser mit der Frage, ob die Botschaft Jesu Christi durch die kirchliche Autorität glaubhaft verkündet oder unterdrückt wird. 

Am 13. und 14. November 2017, im Jahr des 500. Reformationsjubiläums und wenige Tage nachdem wir die vor 100 Jahren in Sankt Petersburg (also in jener Stadt, in der Dostojewski lange Zeit lebte) ausgelöste Oktoberrevolution erinnern, ist die Aufführung des Stückes zeitlich bestens platziert. Der Raum der Unterkirche bietet sich an, da er durch die Klarheit und Strenge seiner Gestalt zur Konzentration auf den Text und die Botschaft einlädt.  

Tickets im Vorverkauf und online erhältlich

„Der Großinquisitor“ wird in szenischer Lesung präsentiert von Friedrich-Wilhelm Junge. Er wird begleitet am Klavier von Michael Fuchs. Die Aufführung beginnt 20 Uhr und endet gegen 21.30 Uhr. Karten zum Preis von 10 € können beim Ticketservice der Stiftung Frauenkirche Dresden (Georg-Treu-Platz 3 | Tel. 0351-656 06 701 | ticket@frauenkirche-dresden.de) und online erworben werden. Restkarten sind an der Abendkasse an Tür D erhältlich.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski lebte von 1821 bis 1881. Beinahe wäre sein Leben schon 1849 zu Ende gewesen, er stand bereits auf dem Hinrichtungsplatz, als ihm die Begnadigung – zu Zwangsarbeit und Verbannung – bekannt gegeben wurde. ‚Dostojewski und Schiller’, schreibt Anna Seghers, ‚haben in ihrer Jugend gegen Staat und Gesellschaft rebelliert, sind aber gebändigt worden … Dostojewskis Seele ist gleichsam zersprungen in der Verbannung’…“ heißt es im Programmheft vom Theaterkahn. Dresdner Brett’l, für das Friedrich-Wilhelm Junge das Stück schon einmal unter der Regie von Klaus-Dieter Kirst zur Aufführung brachte. 

Mo, 13. & Die 14. November, jeweils 20 Uhr

Fjodor M. Dostojewski »Der Großinquisitor«

Szenische Lesung

Text Friedrich Wilhelm Junge
Piano Michael Fuchs

Tickets á 10 EUR JETZT ONLINE BUCHEN: 13. November | 14. November