Verpflichtung und Bereicherung: Zehn Jahre »Vater vergib«

Im Februar 2015 erinnerte die Dresdner Frauenkirche im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes mit Gästen aus Großbritannien an die Aufnahme der Kirche in die Nagelkreuzgemeinschaft im Jahr 2005. Die Predigt hielt mit dem Erzbischof von Canterbury das geistliche Oberhaupt der Anglikaner. Er verurteilte den „Hunger nach Dominanz in dieser Welt“ und forderte auf, im Geiste der Versöhnung zu wirken. 

Zu dem festlichen Gottesdienst hatten sich mehr als 700 Menschen versammelt. Sie hörten in der gemeinsamen Begrüßung von Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann und dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm von der Bedeutung der Versöhnungsmission, die einst von Coventry in die Welt getragen wurde. 

"This church has been a center of Coventry’s cross of nails for 10 years now, which truly is a sign of reconciliation and of our common mission as Christians – far beyond confessional borders."  Landsbischof Heinrich Bedford-Strohm

Coventry und Dresden eng verbunden

Vielfach wurden die besonderen historischen Verbindungen zwischen Coventry und Dresden deutlich. Aus einer gemeinsamen Geschichte von Leid und Zerstörung wurde miteinander ein Weg der Versöhnung beschritten. In einem Grußwort betonte der Bischof von Coventry  Dr. Christopher Cocksworth die enge Verbindung der mittelenglischen Stadt mit Dresden.

„Dresden und Coventry teilen eine Geschichte des Leidens und ein Bekenntnis zur Versöhnung. Die Bitte um Vergebung der Nagelkreuzlitanei verbindet beide Völker, Städte und Gotteshäuser."  Bischof Dr. Christopher Cocksworth

Erzbischof von Canterbury predigte

In seiner  Predigt verwies Erzbischof Welby darauf, dass die Geschichte Dresdens und die entsetzlichen Leiden des Europas vor 70 Jahren seinen Blick von Versöhnung formten. Mit Sorge blicke heute auf ein Europa, in dem Kriegsgeschrei ein an Kraft wachsendes Gerücht sei. Die Sicherheit, dass Versöhnung etabliert ist und niemand unsere Kinder und Enkel in den Krieg schickt, sei  erschüttert.

Nach wie vor sei unsere Welt geprägt von Machtgier und Dominanzstreben, wie es die von Invasion bedrohte Ukraine und die Grausamkeiten von ISIS und Boko Haram zeigten. Gleichwohl sei jeder gefordert, das eigene Denken und Handeln kritisch zu prüfen. Unsere eigenen Schwächen und die uns umgebenden Gefahren sollten uns ebenso demütig werden lassen wie das Wissen, dass in unserem Teil der Welt höhere Lebensstandards gelten als anderswo. Gerade wir Christen seien hier gefordert.

"Die Wirklichkeit der Welt in der wir leben, die Wirklichkeit, in der diese großartige Frauenkirche steht, ist die einer Welt, in der die Gier nach Macht und der Hunger nach Dominanz (...) so stark sind, wie sie es schon immer in der Geschichte waren. Von allen Seiten hören wir den Schrei der Unterdrückten, und doch gibt es in unserem Teil der Welt – und vielen anderen – mehr Frieden, mehr Wohlstand, bessere Medizin, gesündere Lebensbedingungen und bessere gesellschaftliche Bindungen als je zuvor. Wir müssen die Wachen sein, die nicht aufhören zu beten im Wissen, dass Gott unsere Gesellschaft verändern wird."  Erzbischof Justin Welby

PREDIGT ENGLISCH | PREDIGT DEUTSCH 

Eine Dekade im Zeichen des Nagelkreuzes

Mit diesem Gottesdienst beging die Frauenkirche den ersten großen Jahrestag im aktuellen Jubiläumsjahr. Sie war am 13. Februar 2005 in die internationale Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen worden. Damit einher ging der Auftrag, im Dienste der Friedens- und Versöhnungsarbeit zu wirken. Neben dem Erzbischof von Canterbury, dem Bischof von Coventry und dem bayrischen Landesbischof waren auch der Dean von Coventry, John Witcombe sowie Vertreter der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft eingebunden. Deren Vorsitzender Oliver Schuegraf sprach das Versöhnungsgebet von Coventry. Musikalisch geprägt wurde der Gottesdienst durch Prof. Ludwig Güttler an der Trompete und Friedrich Kircheis an der Orgel.