Aus den Feuilletons

Das reiche Musikprogramm der Frauenkirche findet regelmäßig lobende Beachtung in den Medien. Lesen Sie hier Auszüge aus Rezensionen zu Konzerten und kirchenmusikalischen Veranstaltungen des Dresdner Gotteshauses:

Innige Seufzer, kochende Leidenschaft - Ein Fest für Sinne und Seele: Cecilia Bartoli zelebrierte in der Dresdner Frauenkirche Nuancen und Kontraste Wieder weilte sie in Dresden, und ihr Auftritt in der Frauenkirche war abermals ein Fest. (...) Dass der Abend so ein Erfolg wurde, ist aber nicht nur der Ausnahmesängerin zu danken. Das Kammerorchester Basel, Stammgast unter George Bährs Kuppel, versteht es exzellent, mit der Akustik des Hauses zu spielen. (...)

Cecilia Bartoli, bekannt für ihr Feuer, ihr Temperament, berührte besonders in den verhalteneren Passagen, gleichwohl es nach wie vor frappierend ist, wie sie ihr Spektrum über zweieinhalb Oktaven ausreizt und sich aus den warmen Mitten ihres Mezzosoprans schier mühelos zu den Spitzentönen aufschwingt. Schon anfangs, in Mozarts „Exsultate, jubilate“, wenn wörtlich die „Leidenschaften das Herz seufzen“ lassen, differenzierte sie überaus subtil, bemüht um jede Nuance. Hingebungsvoll hauchte sie in der Arie „Se mai senti“ von Myslivecek die „estremi sospiri“ ins Rund, Seufzer am Abgrund vor dem Tod, extreme Wirkung durch extreme Zurücknahme. Wie sie danach ihre Koloratur entfaltete und das „mercé“, die Bitte um Gnade und Trost, in einem einzigen langen Atemzug herausweinte, das war überwältigend. Zum Schluss setzte sie in Haydns „Berenice, che fai“ noch einmal alle Lichter ihrer Kunst, bot das zag Suchende mit sanft leuchtender Intonation, das Kochen der Leidenschaft mit dramatischen Spitzen. Der Zugaben, die das enthusiastische Publikum erjubelte, hätte es gar nicht bedurft, die Seele war längst erfüllt. (Jens-Uwe Sommerschuh in der Sächsischen Zeitung vom 18. November 2013)

Jubel um Sharon Kam Ihren Soloauftritt begann Sharon Kam im Verdi-Jahr mit einer Reminiszenz an den Maestro der großen italienischen Oper, der die Belcanto-Arien als Ausdrucksmittel großer Gefühle in dramatischer Handlung wiederbelebte. In einer Bearbeitung (Andreas N. Tarkmann) spielte sie, sehr behutsam und feinfühlig einstimmend und einfühlsam vom Württembergischen Kammerorchester begleitet, das "Ave Maria" aus der Oper "Othello", mit ganz besonderer Klangschönheit und singendem Ton, so seelenvoll, wie es die menschliche Stimme nicht schöner hervorbringen kann. Orchester und Klarinette bildeten eine Einheit voller Innigkeit und Sensibilität, die die Töne im Raum schweben und das Publikum in atemloser Stille verharren ließ. (Ingrid Gerk im Neuen Merker online vom 9. November 2013 - zum vollständigen Text)

Farben, Schatten, Tänze -  Håkan Hardenberger zu Gast in der Frauenkirche Sanft ausgeführte Motive wirkten wie ein stilles Singen; man glaubt sofort, wenn Hardenberger einmal bemerkte, seine Trompete sei "wie ein Körperteil". Nur zu bewundern ist seine völlig selbstverständlich und leicht anmutende Virtuosität quer durch alle Lagen. (Alexander Keuk in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12. August 2013)

Gemeinschaft nicht nur in der Musik - Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar gastierte ... die Fußstapfen von Daniel Barenboims West Eastern Diwan Orchestra sind da erkennbar. Neben der Erarbeitung eines gemeinsam zur Aufführung gebrachten Konzertprogramms zählt auch das Kennenlernen des jeweils anderen Landes und seiner Menschen. Für das diesjährige Projekt stand der Dirigent Michael Sanderling - Chefdirigent der Dresdner Philharmonie - zur Verfügung, der beim Konzert ... ein "Gastspiel zu Hause" gab. (Alexander Keuk in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 5. August 2013)

Ein Adagio zum Dahinschmelzen - Sabine Meyer kam und glänzte in der Dresdner Frauenkirche als Mozart-Solistin bei dem Klarinettenkonzert schlechthin Nach Dresden kehrte sie als Solistin des Kammerorchesters Basel zurück und brillierte, ohne zu blenden. Rasante Läufe, Registerwechsel und weite Sprünge durch den Tonraum - all dies nahm sie spielerisch und doch mit einer Hingabe, die sie in den Pausen spürbar durchatmen ließ. Ihre Virtuosität in den schnellen Sätzen stellte sie nicht zur Schau und folgte auch hier Mozarts Intention, den Solopart als komplettierenden Teil eines Ganzen zu hören. Nichts aber konnte hier himmlischer sein als der getragene Mittelsatz, so unverstellt, als hörte man ihn zu ersten Mal. (Karsten Blüthgen in der Sächsischen Zeitung vom 29. Juli 2013)

Beste Unterhaltung - Die Kammerakademie Potsdam in der Frauenkirche Nichts desto weniger war es ein Vergnügen, Ramón Ortega Quero und der federleicht wie wohlklingend spielenden Kammerakademie Potsdam zuzuhören. So gesanglich, atmend und gefühlvoll hört man Barockmusik auf modernen Instrumenten selten, auch wenn es keine Originalwerke für die Besetzung waren. (...) Beste Unterhaltung auf höchstem musikalischen Niveau bot die Kammerakademie Potsdam mit diesem Konzert in der Frauenkirche und das nicht zum ersten Mal. (Hartmut Schütz den den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15. Juli 2013)

Mozart vom Feinsten - Ovationen für ein Wagnis: Pianist Bezuidenhout ließ in der Frauenkirche seinen Hammerflügel leise singen Bezuidenhout und die vortrefflichen Freiburger ernteten für ihren grandiosen Vortrag Ovationen. Wahrlich eine Sternstunde - historisch stimmig und vom sinnlichen, gänzlich unteutonischen Genius Mozart durchdrungen. (Jens-Uwe Sommerschuh in der Sächsischen Zeitung vom 1. Juli 2013)

Nuria Rial und Concerto Köln dankten in der Frauenkirche Stiftern und Spendern mit Händel und Bach Die anwesenden Stifter und „Adoptiveltern“ erlebten Hauptwerke von Bach und Händel, die von der katalanischen Sängerin Nuria Rial und dem Ensemble Concerto Köln in besonders feinsinniger Art dargeboten wurden. (...) Da tanzen die Faune mit den Elfen, und man weiß nie, wie so etwas ausgeht. Viele kennen Bach wuchtiger und kantiger, und so war es durchaus mutig, diese Stücke so transparent auszubreiten, die Klangfarben fast pastellen schimmern zu lassen, die Bassgrundierung derart zurückzunehmen. Mutig, denn die Frauenkirche ist kein Salon im Fürstenschloss und die heutige Publikumserwartung eine andere als einst. Doch es ging auf, die Zuhörer nahmen die sensible Musizierhaltung an und zollten rauschenden Beifall. (Jens-Uwe Sommerschuh in der Sächsischen Zeitung vom 17. Juni 2013)

»War Requiem« mit Ruhe und Kraft ausmusiziert In der vollbesetzten Frauenkirche war von Beginn an eine hohe Spannung spürbar. Das City of Birmingham Symphony Orchestra legte gemeinsam mit dem CBSO Chorus, einstudiert von Simon Halsey, im vorsichtig tastenden Requiem aeternam den Grundstein für eine eindrucksvolle Aufführung. Der lettische Dirigent Andris Nelsons, seit 2008 Chefdirigent des Orchesters leitete das großbesetzte Orchester und die Chöre mit deutlich anzumerkender Ruhe in der Gestaltung, gab damit den Solisten und dem kleinen Kammerorchester jenseits des Altars Raum zur Entfaltung. Viele klangschöne Inseln entstanden auf diese Weise, bei denen die Textausgestaltung vor allem durch den Tenor Mark Padmore ergreifend war. (Alexander Keuk im Portal "Musik in Dresden" am 3. Juni 2013 - zum vollständigen Text)


Geiger der Herzen - Wolfgang Hentrich sitzt sonst inmitten, steht aber diesmal vor Dresdens Philharmonie Einen Liebesgruß als Zugabe – es war der perfekte, zu Herzen gehende Auftritt. Als Wolfgang Hentrich am Sonnabend in der Frauenkirche das ungemein farbige Violinkonzert des Briten Hamilton Harty furios beendete, ging sofort ein Rauschen durch den Raum. Das Publikum klatschte und klatschte. Es jubelte einem Künstler zu, der den Solopart souverän meisterte, sich aber in ganz untypischer Manier nicht als Solist übers Orchester erhob, sondern wunderbar mit ihm, der Dresdner Philharmonie, verschmolz. (Bernd Klempnow in der Sächsischen Zeitung vom 27. Mai 2013)

“Missa Mystica” mit dem Moskauer Kathedralchor Nach dem grandiosen Auftakt-Konzert der Reihe Akzent "ostwärts" mit vorwiegend "weltlichen" Kompositionen für den Konzertsaal, die die Warschauer Philharmoniker unter Antoni Wit und mit Ingolf Wunder am Klavier in eindrucksvoller Weise zu Gehör brachten, führte das 2. Konzert dieser Reihe weiter ostwärts in eine ganz andere Klang- und Geisteswelt. Der Moskauer Kathedralchor (...) brachte russisch-orthodoxe Kirchenmusik zu Gehör. (...) Obwohl nur a capella gesungen wurde, vermisste man wegen der Klangfülle des Chores kein Orchester. Es gab kein Gleichmaß oder gar Eintönigkeit. Der Chor „ersetzte“ die Klangvielfalt der Instrumente durch eine sehr vielseitige Gestaltung der einzelnen Stimmgruppen. (Ingrid Gerk im Neuen Merker online vom 11. Mai 2013 - zum vollständigen Text)

Mit dem Raum gespielt - Die Warschauer Philharmoniker spielten in der Frauenkirche gegen alle Schwierigkeiten an Musikalisch schienen Dirigent und Pianist völlig auf einer Ebene. In diesem organischen Zusammenspiel hatte Wunder genug Spielraum. In den schnellen Phrasen schien er über dem Orchester zu fliegen. Den samtig weichen Klang der Warschauer Philharmoniker wusste Wit geschickt zurückzunehmen, um Überlagerungen zu vermeiden. (...) Mit vielfältigen Klangfarben und abwechslungsreichem Dirigat entstand jedoch bewegende Musik, die vom Publikum mit lautem Beifall belohnt wurde. (David Buschmann in der Sächsischen Zeitung vom 15. April 2013)

Bach in feiner Ausführung - Kammerchor der Frauenkirche Dresden singt drei Motetten von J.S. Bach in Abtsgmünd Von Beginn an ist eine stimmliche Sicherheit zu vernehmen, die gleichzeitig ganz locker und natürlich in den herrlichen Kirchenraum der Abtsgmünder Kirche fließt. In den zwei vierstimmigen Chören greifen die fein geschliffenen Stimmen wie selbstverständlich ineinander und lassen die durchdachten Motivfolgen Bachs fein dosiert leuchten. Im alternierend gesungenen Mittelteil des Stücks geben sich die Klänge die Hände, um nach ausgiebig und kernig gesungenen Koloraturen in die große Schlussfuge zu münden: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“. (Sibylle Schwenk in der Schwäbischen Post vom 3. April 2013)

Toleranz und Respekt - Gedenkonzert in der Frauenkirche Der erste Teil des Gedenkkonzertes unter Leitung von Frauenkirchenkantor Mattthias Grünert durfte auch für den Wiederaufbau stehen, den Joseph Haydns Sinfonie Nr. 95 c-Moll pendelt zwischen verhaltenem Ernst und einer Lebhaftigkeit, die durchaus optimistisch wirkt. Das Reußische Kammerorchester aus Gera erwies sich hierzu als spielfreudiger Partner mit klar konturiertem, frischen Klang. (...) Das große, unvollendete Werk Mozarts [c-Moll Messe; d. Red.] passte vielleicht gerade in seiner fragmentarischen, mit Ergänzungen von Robert D. Levin versehenen Gestalt zum Anlass. Auch wenn Diskrepanzen zwischen den Ergänzungen und Mozarts im doppelten Sinn vollendeten Teilen nicht zu leugnen sind. Dessen ungeachtet gelang eine kraftvolle und würdige Darbietung, getragen vom bemerkenswert singenden Kammerchor der Frauenkirche. Akzentuiert und bis in s Detail durchdacht wirkten vor allem die ployphinen Teile als feste Struktur der Aufführung. (Hartmut Schütz in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18. Februar 2013)

Bach, Händel und Mendelssohn in der 193. Sonntagsmusik Die schöne Tradition der Sonntagsmusiken wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. In absehbarer wird sie ihre 200. Veranstaltung erreichen. Das bewährte ensemble frauenkirche, vorwiegend aus Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle Dresden, eröffnete das Programm sehr frisch und musizierfreudig und in seinem immer wieder beeindruckenden ausgewogenen Orchesterklang (...). Das Hauptwerk bildete Bachs Kantate „Du wahrer Gott und Davids Sohn“ (BWV 23). Hier beeindruckten vor allem die beiden, vom Timbre her sehr unterschiedlichen Solistinnen im Duett (von Bach als „Aria“ bezeichnet), Jana Rainer mit ihrem hellen, glockenreinen Sopran und Bettina Ranch mit ihrer sehr dunkel gefärbten, volltönigen Altstimme. (...) Den Abschluss bildete F. Mendelssohn-Bartholdys bekannte und an dieser Stelle schon oft zu Gehör gebrachte „Sonate Nr. III A Dur“ (op. 65 Nr. 3, MWV W 58). Grünert hatte sich für eine sehr vibrato-reiche Registrierung an der großen Frauenkirchenorgel entschieden  und begann den gewaltigen 1. Satz (con moto maestoso) mit brausendem Orgelklang (...). Grünerts Sicht auf dieses geniale Werk Mendelssohns war hier eine sehr eigene, sehr individuelle. (Ingrid Gerk im Neuen Merker (online) am 12. Januar 2013)

Ein Messias ohne Heerscharen - Ludwig Güttler dirigierte Georg Friedrich Händels Oratorium in Dresden Auch Ludwig Güttler kam am Dienstag in der Frauenkirche mit einer fast minimalistisch anmutenden Besetzung aus, die zudem noch ein Optimum für den akustisch heiklen Raum darstellte. (...) Hervorstechend war neben der agogischen Elastizität die absolute Klarheit des Satzes, bei der jede Stimme einzeln verfolgt werden konnte. (...) Prächtig waren die Genauigkeit langer Koloraturenm der Kontrast zwischen Staccato- und Legatopassagen und die Einheitlichkeit der jeweiligen Vokalfärbungen [der Hallenser Madrigalisten; d. Red.] Auch den Virtuosi Saxoniae gehört hohes Lob Alle spielten mit der Qualität von Solisten und zeigten einen beachtlichen Reichtum an klanglichen Nuacen. (Peter Zacher in der Sächsischen Zeitung vom 3. Januar 2013)