Wenn Schenken beschenkt

Knapp 300 Menschen engagieren sich regelmäßig ehrenamtlich in der Dresdner Frauenkirche. Sie sind Seelsorger, Kirchenführer, Einlasshelfer, Lektoren, Abendmahlshelfer oder Chorsänger und so unterschiedlich wie ihre Aufgaben. Was alle eint: Sie sind mit ganzem Herzen dabei.

»Ich bin ein reicher Mensch und möchte etwas abgeben von dem, was mir wertvoll ist«, sagt Alexander Karg. Der 50-Jährige ist einer von acht Ehrenamtlichen, die in der Frauenkirche als Seelsorger tätig sind.

Wertvoll, das ist dem Vater dreier erwachsener Kinder vor allem Zeit. Kaum mag man glauben, dass der deutschlandweit eingesetzte Bauingenieur gerade sie teilen kann. »Ich halte es da mit einem Bibelvers aus dem Lukasevangelium: Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern (Lukas 12,48).«

Es ist ein kirchlicher Feiertag, an dem er diese Worte spricht. Den könnte er auch zu Hause verbringen, sich erholen vom Stress des Alltags. Doch gerade solche freien Tage nutze er für seine Frauenkirchenzeit. Unter der Woche ist er dann doch zu gebunden für zwei Stunden Ehrendienst.

Auch wenn der Kirchraum momentan gut gefüllt ist, sucht gerade kein Besucher das Gespräch mit dem Seelsorger. Für Alexander Karg kein Grund zur Unruhe.»Wenn ich hier allein sitze, dann ist es eben eine stille Zeit für mich«, sagt er voller Zufriedenheit.

Doch kaum hat er den Satz beendet, tritt eine junge Frau an ihn heran. Sie habe gehört, dass man sich hier einen Segen zusprechen lassen könne.

Es ist der Beginn eines halbstündigen Gespräches, das beide in der ruhigen Atmosphäre der Taufkapelle führen werden.