Mein Jahr als Bundesfreiwillige bei der Dresdner Frauenkirche

Charlotte Weidauer arbeitete 12 Monate bei der Stiftung Frauenkirche Dresden. Sie hatte sich für den Bundesfreiwilligendienst entschieden, um zwischen Abitur und Studium ein wenig Praxisluft zu schnuppern.

Nach der schriftlichen Bewerbung, einem Vorstellungsgespräch und einer Übergabezeit mit ihrer Vorgängerin trat sie ihren Dienst an. Hier blickt sie zurück auf ihre Aufgaben, Erlebnisse und Erfahrungen.

Inzwischen studiert Charlotte, die ursprünglich aus dem ostsächsischen Sebnitz stammt, Theologie in Greifswald. Der Frauenkirche ist sie weiter verbunden. Immer wieder einmal schaut sie vorbei. Wie übrigens auch andere ehemalige "BuFDis".

Sechs Fragen an Charlotte

Warum wolltest du Bundesfreiwilligendienst leisten?

Ich hatte schon sehr zeitig den Entschluss gefasst, ein Jahr Auszeit von den Büchern zu nehmen. Nach der intensiven Abitur- und Lernzeit lockte es mich, endlich mal etwas Praktisches zu machen.

Außerdem wollte ich ausprobieren wie ich wohl mit dem alleine Wohnen zurecht kommen würde, ohne gleich den Druck eines Studiums auf mir zu haben.

Als Schüler ist man meistens Einzelkämpfer, doch nur Wenige sind das auch in ihrer Arbeit. So wollte ich meine Team-Fähigkeit auf die Probe stellen. Und wie arbeitet es sich eigentlich mit einem Chef / einer Chefin?

Wie bist du auf die Stiftung Frauenkirche Dresden gekommen?

Die Frauenkirche ist eine besondere Kirche mit einem besonderen Profil, einer spannenden Geschichte und vielseitigem Aufgabenfeld, die viele Menschen geprägt hat und noch heute prägt. Ich bin in einer kleinen Gemeinde zuhause und aktiv gewesen. Ich war einfach neugierig, wie es hinter den Kulissen einer so unvergleichlich größeren Kirche zugeht. Was ist gleich, was ist völlig anders? Wie sind Prioritäten gesetzt? Und natürlich auch die Frage: Was finde ich an dem Konzept gut, was eher merkwürdig?

Die Frauenkirche hat ein mindestens dreigeteiltes Aufgabenfeld: Kirche, Touristenattraktion und Konzertsaal. Diese Dreiteilung ist eine extreme Herausforderung für die Stiftung und ich wollte gern wissen, wie mit dieser Herausforderung umgegangen wird.

Direkten Kontakt zur Stiftung Frauenkirche Dresden hatte ich durch den Besuch der Peace Academys 2008 und 2010, die mir Freude und Begegnung geschenkt hatten. So hatte ich einen Anknüpfungspunkt, um meinen Wunsch greifbarer zu machen.

Als letzten Punkt noch ein eher offensichtlichen Grund: Wer kann sich einen reizvolleren ersten Arbeitsplatz als den Dresdner Neumarkt vorstellen?

Was waren deine Aufgaben?

Mein Einsatzbereich war im Kommunikationsbereich angesiedelt. Das heißt: Flyer und Drucksachen entwerfen, Korrektur lesen, drucken und verteilen bzw. verschicken. Das waren Flyer zu einmaligen und mehrmals stattfindenden Veranstaltungen oder auch zu Konzerten. Ich musste Biografien von Musikern und Komponisten recherchieren. Dazu kam die regelmäßige Pflege der Schaukästen und kircheninterner Aufsteller sowie Zuarbeiten zu Veranstaltungsbroschüren. Außerdem habe ich die Frauenkirchenveranstaltungen in verschiedene Online-Kalender eingespeist.

Zum Entspannen waren Aufgaben wie die Flyerrunden durch Hotels und Gaststätten und regelmäßiges Besucher Zählen in der Kirche. Besonders waren die Besuche von Fernsehen, Radio oder von Fotografen, die ich durch die Kirche begleiten durfte.

Drei größere Projekte, an denen ich mitgearbeitet habe, möchte ich noch nennen: Ich konnte am Neujahrsgottesdienst, der jährlich live vom ZDF übertragen wird, mitwirken, den Glaubenskurs „Religion für Neugierige“ begleiten und war in die Vorbereitung der Peace Academy 2012 eingebunden. Hier konnte ich wohl am meisten mitgestalten und sammelte viele Erfahrungen. Da habe ich die meiste „internationale Luft“ schnuppern können.

Was sollte man deiner Meinung nach mitbringen?

Ich glaube, man muss offen sein für ein neues System, in dem man arbeitet. Um sich in diesem Arbeitssystem zurechtzufinden, braucht man am Anfang ein bisschen Durchhaltevermögen. Es dauert eine Weile, bis Routine in die Arbeit einkehrt. Wenn man aber an diesem Punkt angekommen ist, kann man anfangen, sich stärker einzubringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann auch auf die persönlichen Fähigkeiten und Interessen Rücksicht genommen wird.

Es ist von Vorteil, wenn man Freude am kreativen Arbeiten und Gestalten von Flyern u.ä. hat und es ist Ruhe und Genauigkeit beim Korrekturlesen gefragt. Man muss sich auf relativ viel Computerarbeit einstellen, doch wird diese Arbeit regelmäßig durch nötige Wege unterbrochen.

Vielleicht wirkt die Stiftung Frauenkirche zu Beginn etwas respekteinflößend, jedoch rate ich, dem mit Gelassenheit zu begegnen. Der Empfang ist herzlich.

Woran erinnerst du dich besonders gerne?

Die beiden Projekte, dir mir persönlich am meisten Spaß gemacht haben, waren die Peace Academy und der Religionskurs für Neugierige. Dort bin ich sehr vielen interessanten Menschen begegnet, habe neue Sichtweisen verstanden und mich selbst auch besser kennen gelernt.

Außerdem habe ich es in der Frauenkirche sehr genossen, nicht ganz dazuzugehören und trotzdem Teil des Teams zu sein. So ist man relativ unabhängig und darf überall mal reinschauen. Alle waren mir gegenüber offen und freundlich.

Ich bin ich viel in Dresden rumgekommen und habe die Stadt gut kennen gelernt. Das hat Spaß gemacht. Ich habe in dieser Zeit einfach eine starke Bindung zur Stiftung und auch zur Kirche aufgebaut und mich unter den Menschen, die dort arbeiten, wohl gefühlt.

Was nimmst du aus der Zeit mit?

Mich persönlich hat die Arbeit in und mit dieser Kirche ja ehrlich gesagt immer mehr interessiert als die eigentliche Arbeit im Kommunikationsbereich. So lernte ich aber in einem Umfeld, was mir wohlgesonnen war, auch Disziplin und Geduld. Außerdem hätte ich diesen Teilbereich der Kultur sonst nie kennen gelernt – seither betrachte ich ihn mit ganz anderen Augen. Was steckt zum Beispiel hinter diesem oder jenem Konzertplakat für Arbeit!?

Tatsächlich bekam ich so Handwerkszeug im „Werbung machen“ mit, das ich seit dem auch schon mehrfach anwenden konnte. Vor allem die Arbeit mit Online-Kalendern konnte ich schon oft gebrauchen!

Ich habe in der Stiftung Frauenkirche Dresden gelernt, was es heißt, Teil eines Teams zu sein. Ich habe in die Arbeitswelt geschnuppert und kann nun die „arbeitende Bevölkerung“ mit ihrer Freud und ihrem Leid besser verstehen. Zum Beispiel im Hinblick auf eine 40-Stunden-Woche.

Auch wurde mir der Wert dieser Kirche ganz neu bewusst. Es beeindruckt mich bis heute, dass sie immer wieder so viele Menschen in ihren Bann zieht und ich kann nun verstehen, was der Grund dafür ist. Das kann man jedoch nur, wenn man es selbst erlebt. Ich hatte auch Spaß daran, in Räume der Frauenkirche zu kommen, die ein normaler Besucher nicht zu Gesicht bekommt.

Es ist meiner Meinung nach ein enormer Erfahrungsschatz, ein Jahr was völlig anderes zu machen und Phasen zu durchlaufen, die jeder Freiwillige mit dir teilt: Alles neu kennen lernen, sich eingewöhnen, Routine bekommen, alles langweilig finden, nach Interessantem neu suchen und es dann schade finden, dass es schon wieder vorbei ist.

Außerdem konnte ich in Dresden lernen unabhängig von Zuhause zu sein – ein Prozess, den jeder einmal durchlaufen muss und der mir durch die Arbeit in der Stiftung erleichtert wurde.

Es ist gut, einige Zeit nicht für alles verantwortlich zu sein und ausprobieren zu können, wie viel man schafft und was einem Spaß macht.