Reihe »Städte im Krieg – Städte für den Frieden« beginnt

Die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche e. V. initiiert im Jahr 2018 eine Reihe, in der deutsche, europäische und außereuropäische Städte vorgestellt werden, die eines eint: Gezeichnet vom Krieg entwickelte deren Bürgerschaft eine eigene Erinnerungskultur, die sich den Idealen von Frieden und Versöhnung verpflichtet weiß.

von Frank Richter

»Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.« Dieser Grundsatz zieht sich durch die zwei Jahrtausende der Geschichte der Christenheit. Oft wurde er vergessen, verleugnet oder bis zur Unkenntlichkeit uminterpretiert. Amtlich bestallte Würdenträger und Vertreter der Kirchen – gleich welcher Konfession – ließen sich dazu hinreißen, Waffen zu segnen und nicht einzuschreiten gegen das »Gott mit uns« auf den Koppelschlössern der Soldaten.

Man muss kein in der Wolle gefärbter und bedingungsloser Pazifist sein, um darin einen Verrat an der Bergpredigt Jesu Christi zu erkennen. Die Botschaft des Evangeliums ist eine Botschaft der Gewaltlosigkeit. »Da sprach Jesus: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen.« (Matthäus 26,52; nach der 1912 erschienenen Lutherbibel)

Kriegszeugen und Friedensbotschafter

Wenn es in früheren Jahrhunderten Kriege gab, die von Städten ausgingen und sich gegen andere Städte richteten, so sind seit Beginn der Neuzeit die Städte vor allem die ersten Betroffenen von Kriegen, die höheren Orts geplant und ausgerufen wurden. Die Städte oder besser gesagt die Bewohner der Städte waren in jedem Fall die ersten, die es mit den zum Teil grausamen, zerstörerischen und vor allem sinnlosen Folgen des Krieges zu tun hatten. In ihnen entwickelte sich eine Erinnerungs- und Mahnungskultur. Aus der Mitte ihrer Bewohnerschaft traten Friedens- und Versöhnungsinitiativen ans Licht einer größeren Öffentlichkeit, Initiativen, die dem Grundsatz verpflichtet waren: »Krieg soll nicht sein. – Oder: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.«

Erste Termine

Die Veranstaltungsreihe beginnt im Januar und wird monatlich in der Unterkirche stattfinden.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Der Eintritt ist frei.

Di, 23.01., 19:30 Uhr | Mostar – Bosnien-Herzegowina

Auftaktveranstaltung

»Die Brücke über dem Neretva: Krieg und Frieden in Mostar«
PD Dr. Norbert Spannenberger

Die „Alte Brücke“ (Stari most) in Mostar gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 1556-1566 im Auftrag von Sultan Süleyman I., dem Prächtigen erbaut. 1993 wurde sie im Bosnienkrieg wegen ihrer Symbolkraft zerstört: Die Steinbrücke galt als Verbindung zwischen der christlichen und der islamischen Welt. 2004 konnte sie mit internationaler Hilfe wiederhergestellt werden. Wegen ihrer architektonischen Einzigartigkeit und Symbolkraft wurde sie am 15. Juli 2005 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die UNESCO würdigte die Brücke als „Symbol der Versöhnung und internationalen Zusammenarbeit (…) und (…) Symbol für das Zusammenleben von verschiedenen religiösen, kulturellen und ethnischen Gemeinden“. Seit 2004 wird der jährliche Friedenspreis von Mostar vom Zentrum für Frieden und multiethnische Kooperation vergeben.

PD Dr. Norbert Spannenberger wurde 1969 in Fünfkirchen/Pécs (Ungarn) geboren. Studium der Geschichte Ost- und Südosteuropas, Neuere und Neueste Geschichte und Politische Wissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. 1999 Promotion über den "Volksbund der Deutschen in Ungarn 1938-1944". Von 1999-2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am interdisziplinär und international ausgerichteten Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) an der Universität Leipzig. 2004-2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bern, bis 2010 am GWZO und danach am Lehrstuhl für Ost- und Südosteuropäische Geschichte in Leipzig. 2011 Habilitation an der Universität Leipzig. Lehraufträge in Leipzig, Bern und Fünfkirchen/Pécs.

Di, 20.02., 19:30 Uhr | Tokio – Japan

»Tokio. Das Inferno am 10. März 1945 und heute«

Eiichi Kido, japanischer Politikwissenschaftler

Eiichi Kido studierte Germanistik an der T?ky? Gaikokugo Daigaku. 1988 promovierte er an der Hitotsubashi-Universität, wo er bis 1990 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Danach war er Assistant Professor und ab 1994 Associate Professor im Fachbereich Internationale Politik an der Universität Osaka mit einem Schwerpunkt für Deutsche Politik. Mehrere Gastaufenthalte führten Eiichi Kido nach Deutschland, darunter 2000 eine einjährige Tätigkeit als Lektor für den Deutschen Akademischen Austauschdienst an der Universität Leipzig und 2008 ein Forschungsaufenthalt an der Freien Universität Berlin. Kido engagiert sich aktiv gegen die wachsende Militarisierung und nukleare Aufrüstung Japans und für den Erhalt des Verfassungsartikels, der einen Verzicht auf Krieg und militärische Gewalt beinhaltet. 

Di, 13.03., 19:30 Uhr | Ronchamp – Frankreich

»Les larmes se ressemblent – Tränen schmecken immer nach Tränen«
Kriegserfahrung, Kunst und eine Kapelle für den Frieden: Ronchamp im Zweiten Weltkrieg

Dr. Bérénice Zunino, Université de Franche-Comté, Besançon

Bérénice Zunino ist Germanistin, Historikerin und Maître de conférences an der Université de Franche-Comté Besançon. Sie studierte Germanistik und deutsche Geschichte an der Pariser Sorbonne. Sie war u.a. Dozentin am Alliierten Museum Berlin und Stipendiatin am Institut Français d’Histoire en Allemagne. 2014 wurde sie mit einer Arbeit zur deutschen Kinderkriegskultur promoviert. 

Die Reihe wird veranstaltet durch die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e.V. in Kooperation mit dem Dresdner Geschichtsverein e. V.