Weihgottesdienst

Bereits um 9 Uhr stimmten Bläser auf dem Neumarkt auf das große Ereignis an jenem 30. Oktober 2005 ein. Um 10 Uhr eröffnete dann das Festgeläut mit allen acht Glocken der Frauenkirche den Weihegottesdienst. In einer Prozession wurden u.a. die Heilige Schrift, die Vasa sacra und das Nagelkreuz in die Kirche getragen. Landesbischof Bohl und seine Amtsvorgänger Johannes Hempel und Volker Kreß weihten dann Kanzel, Taufstein, Altar, Orgel und Kirchraum. Die Weihegebete wurden dabei von Menschen gesprochen, die einst in der Frauenkirche getauft, konfirmiert oder getraut worden waren. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, Frauenkirchenorganist Samuel Kummer, den Kammerchor der Frauenkirche, den Dresdner Kreuzchor und das Blechbläserensemble Ludwig Güttlers gestaltet.

In seiner Predigt bezeichnete der sächsische Landesbischof Jochen Bohl den Wiederaufbau als sichtbares „Werk der Versöhnung und Mahnung zum Frieden.“ Er verwies darauf, dass auch eine tiefe, lange Zeit blutende Wunde geheilt werden könne. „Aus Feindschaft kann eine versöhnte Gemeinschaft erwachsen, die Frieden möglich macht.“

Im seiner Ansprache im anschließenden Festakt würdigte Bundespräsident Köhler den Wiederaufbau als gesamtdeutsche Leistung. „Was hier in Dresden erreicht wurde, sollte Deutschland insgesamt Mut machen”, sagte er in seiner Festrede. Köhler erinnerte an den Schriftsteller Gerhart Hauptmann, der angesichts der Zerstörung Dresdens gesagt hatte: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ 60 Jahre später könne man nun jedoch freudig hinzuzufügen: „Wer die Zuversicht verloren hat, der gewinnt sie wieder beim Anblick der wiedererstandenen Frauenkirche.“

Am Festgottesdienst in der Kirche nahmen 1.800 geladene Gäste teil. Darunter waren 600 Ehrengäste wie Bundespräsident Horst Köhler, der damals scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder und die designierte Nachfolgerin Angela Merkel. Zugegen waren auch die Botschafter der vier Siegermächte und das englische Königshaus, welches vom Herzog von Kent vertreten wurde. Für die Stifter waren u.a. Landesbischof Bohl, der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt und Oberbürgermeister Ingolf Roßberg Teil der Festgemeinde. 1.200 Plätze waren unter den Spendern, den Mitgliedern der Fördergesellschaft und der Freundeskreise verlost worden. Für dieses ungewöhnliche Verfahren hatte sich die Stiftung Frauenkirche entschieden, weil es unmöglich war, all den vielen engagierten Förderern gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen.