Alles begann mit dem "Ruf aus Dresden"

Dies ist der Wortlaut des Appells, der am 13. Februar 1990 von der Bürgerinitiative zum Wiederaufbau der Frauenkirche veröffentlicht wurde:

"Am 13. Februar 1945 - wenige Wochen vor Ende des bereits entschiedenen Krieges - legten Luftangriffe auch die Dresdner Frauenkirche in Trümmer. Jahrzehntelang war diese Ruine Anklage und Mahnmal für alle friedliebenden Menschen. In der schweren Zeit politischer Bedrückung und weltweiter Hochrüstung haben junge Menschen immer wieder brennende Kerzen auf die Ruine gestellt. In gewaltlosem Protest wollten sie Hoffnungszeichen setzen für eine Zeit des Friedens, der Gerechtigkeit und der Bewahrung des Lebens. Doch der weitere Verfall der Ruine ist nicht aufzuhalten. Ihre Sicherung und Erhaltung würde umfangreiche bauliche und finanzielle Anstrengungen erfordern.Wir wissen, daß unsere sächsische Landeskirche keine Mittel für einen Wiederaufbau der Frauenkirche zur Verfügung hat.

Wir wissen, daß weder unsere Stadt noch unser Land diesen Aufbau finanzieren können. Wir wissen, daß Kirchen der Bundesrepublik Deutschland den Aufbau vieler Gotteshäuser in unserem Lande ermöglicht haben. Wir wissen auch, daß Neubauten und Erhaltung von Altbauten angesichts des Zerfalls vieler Gebäude notwendiger sind, als der Aufbau der Frauenkirche.

Dennoch: Wir wollen uns nicht damit abfinden, daß dieses einmalige und großartige Bauwerk Ruine bleiben soll oder gar abgetragen wird. Wir rufen auf zu einer weltweiten Aktion des Wiederaufbaues der Dresdner Frauenkirche zu einem christlichen Weltfriedenszentrum im neuen Europa. In diesem Gotteshaus soll in Wort und Ton das Evangelium des Friedens verkündet, sollen Bilder des Friedens gezeigt, Friedensforschung und Friedenserziehung ermöglicht werden. Damit würde der Weltkultur ein architektonisches Kunstwerk von einzigartiger Bedeutung wiedergeschenkt, das mit dem Namen des genialen Erbauers, George Bähr, aber auch mit dem Namen Gottfried Silbermann, Johann Sebastian Bach, Heinrich Schütz und Richard Wagner verbunden ist. Damit würde ein steinernes Zeugnis des christlichen Glaubens wieder erstehen; ein Gotteshaus, das sich die evangelische Bürgerschaft auf den Fundamenten der ältesten Kirche Dresdens errichtete. Damit würde eines der schönsten Städtebilder im Herzen Europas wieder seine beherrschende Krönung, die „Steinerne Glocke“, erhalten, ohne die der Wiederaufbau Dresdens Stückwerk bliebe.

Wir rufen auf zur Bildung einer internationalen Stiftung für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, die in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen werden soll. Wir wenden uns besonders an die Staaten, die den zweiten Weltkrieg geführt haben. Es ist uns dabei schmerzlich bewußt, daß Deutschland diesen Krieg entfesselt hat.

Dennoch: Wir wenden uns auch an die Siegermächte und die vielen Menschen guten Willens in den USA, in Großbritannien und in aller Welt: ermöglicht dieses europäische „Haus des Friedens“! Wir wenden uns an die Dresdner in der Ferne: Dankt Eurer Heimatstadt durch ein Opfer zur Wiedererrichtung der Frauenkirche. 45 Jahre nach ihrer Zerstörung ist auch für uns die Zeit herangereift, die Frauenkirche als einen verpflichtenden Besitz der europäischen Kultur wiedererstehen zu lassen.

Darum rufen wir aus Dresden um Hilfe."

Initiatoren

Als Mitglieder der Bürgerinitiative für den Aufbau der Frauenkirche unterzeichneten den "Ruf aus Dresden":

Prof. Ludwig Güttler,
Musiker (Sprecher)
Prof. Dr. h. c. mult.
Manfred v. Ardenne
, Physiker
Dr. Otto Baer,
Architekt, Oberkirchenrat i. R.
Hans-Helmut Bickhardt,
Pfarrer
Dr. Karlheinz Blaschke,
Kirchenhistoriker
Steffen Gebhardt,
Architekt
Dr. Karl-Ludwig Hoch,
Pfarrer
Hans-Christian Hoch,
Zahnarzt
Dr. Hans-Joachim Jäger,
Bauingenieur
Friedrich-Wilhelm Junge,
Schauspieler
Dr. Walter Köckeritz,
Architekt
Prof. Dr. Heinrich Magirius,
Denkmalpfleger
Dr. Joachim Menzhausen,
Kunsthistoriker
Heinz Miech,
Kunsthändler
Prof. Dr. Hans Nadler,
Architekt, Denkmalpfleger
Dr. Hans-Joachim Neidhardt,
Kunsthistoriker
Wolfgang Preiß,
Bauingenieur
Prof. Dr. Hermann Rühle,
Bauingenieur
Dieter Schölzel,
Architekt
Dr. Rudolf Stephan,
Mikrobiologe
Dr. Günter Voigt,
Zahnarzt
Dr. Roland Zepnik,
Bauingenieur