Ausgewählte Predigten

Hier finden Sie ausgewählte Predigten und Geistliche Impulse, die im Rahmen von Gottesdiensten und Andachten in der Dresdner Frauenkirche gehalten worden sind. (Bitte beachten Sie, dass dies verschriftlichte Fassungen sind; es gilt stets das gesprochene Wort.) 

2019

03. März 2019 | Estomihi | Predigt zu Lk 10, 38-42

gehalten von Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt


Liebe Gemeinde,

ein altes Sprichwort lautet: Wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte.
Nicht immer:

Jesus kam in ein Dort. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf.
Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria;
die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.
Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen.
Und sie trat hinzu und sprach:
Herr, fragst du nicht danach, dass  mich meine Schwester allein dienen lässt?
Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!
Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr:
Marta, Marta, du hast viele Sorge und Mühe.
Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt;
das soll nicht von ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,
wenn zwei sich streiten...,
wenn zwei Menschen in den wesentlichen Dingen des Lebens so überhaupt nicht übereinkommen, wie Marta und Maria, dann...?
Dann sollten sie nicht zusammen leben, würde es heute heißen. Sollen sie sich doch trennen.

Marta und Maria können sich nicht trennen. Sie sind kein Paar, das sich gesucht hat. Sie sind Schwestern. Sie sind Geschwister. Eine Bindung, die sie nicht selbst bestimmt haben und auf deren Zustandekommen sie keinen Einfluss nehmen konnten. Aneinander gewiesen, gemeinsam für vieles verantwortlich -  so finden sich Geschwister vor. Leibliche Geschwister ebenso wie Menschen, die Geschwister im übertragenen Sinn sind. Sie, wir alle.

Wir finden uns ständig in Beziehungen und Bindungen vor, die uns vorgegeben sind.
Niemand von uns konnte sich die Familie wählen, deren Teil wir durch unsere Geburt sind.
Niemand von uns konnte sich aussuchen, in welchem Staat, mit welcher Muttersprache und Kultur er oder sie hineingeboren wurde. Fast überall auf der Welt ist die religiöse Verankerung, ist der Glauben mir gegeben.

Unser Leben vollzieht sich in einem Geflecht von vorgegebenen Bindungen, die wir uns nicht aussuchen können, die vorgegeben sind, die uns nötigen, uns damit auseinander zu setzen. Das ist so. Das, was wir vorfinden, zwingt mich, mich dazu zu verhalten. Es gibt kein Entweichen.

So, wie in der biblischen Geschichte Marta ihre Schwester Maria nicht einfach wegschicken kann, so wenig können wir uns heute die Menschen auswählen. Wir können uns ihr Wesen, ihr Verhalten nicht aussuchen. Die, mit denen wir in einer Gemeinschaft zusammen leben, sind so, wie sie sind. Sie leben so, wie sie es für sich entschieden haben.
Zurückgezogen in der Stille, oder mitten im Kiez.
Alternativ oder sehr modern.
Sie wählen so, wie sie es für richtig halten.
Sie lieben, wie sie es empfinden.
Sie arbeiten, wie es ihnen behagt. Viel, wenig, gar nicht.
Sie leben, wie sie wollen, geschäftig oder genügsam.
Sie glauben – oder glauben nicht.

Allein diese wenigen Beispiele zeigen, wie spannend und spannungsvoll unser Leben ist. Maria und Martha sind dafür ein gutes Beispiel.
Die eine Schwester ist bei der händischen Arbeit, die andere gibt sich Geistigem hin, hört zu.
Diese Verschiedenheit zwischen zwei Schwestern hat es wohl immer gegeben und wird es auch zukünftig geben. Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen und sollten sie auch leben können.

Aber: Ist mit diesem Hinweis auf die unterschiedlichen Typen und Charaktere der beiden schon erfasst, was das Lukasevangelium wirklich aufzeigen will?

Marta, das ist die Frau die alles tut. Deren Hände nicht ruhen.
Die alles gut und richtig machen will. Allen alles sein will.
Für alle da sein soll. Die den Gast gut versorgen will.
Marta, das ist die herkömmliche, konservative Frau.
Aber sie ist auch die Frau, an die alle Erwartungen haben, an der von allen Seiten gezerrt wird. So beschreibt es Lukas.
Hin und hergerissen, nicht konzentriert, sondern zerstreut ist sie.
Besorgt, immer alles richtig zu machen.
Keinen Anstoß zu geben. Den Regeln zu folgen.

Maria weiß, was sie tut.
Dass sie sich Jesus zu Füßen setzt, dass sie seiner Rede zuhört -  das ist nicht einfach eine Absage an die Hausarbeit, das ist kein kleiner Affront gegenüber ihrer Schwester Marta, nein:
das ist eine Revolution.
Maria stellt alles auf den Kopf. Sie tut etwas völlig Neues.
Sie steigt aus den bisherigen Normen und Konventionen völlig aus.

Denn: Zu Füßen des Meisters, des Rabbiners, saßen seine Schüler. Allein ihnen war es gestattet, die Auslegung der Schrift zu vernehmen, den Worten des Herrn zu folgen.
Jetzt sitzt dort mit einem mal eine Frau. Unvorstellbar. Unglaublich. So etwas gab es noch nicht.

Aber gerade das – das Unmögliche, das Undenkbare – eben das berichtet uns die Bibel.
Eben das steht in der Heiligen Schrift. Nicht in irgendeinem historischen Bericht.
Nicht in einer Liste der Skandale der damaligen Zeit. Es steht in der Heiligen Schrift.
Es steht dort, weil es einen Bezug zu dem Heiligen, zu Gott hat.

Maria durchbricht die Normen und Konventionen nicht, um ihre Schwester vorzuführen, um sie zu kompromittieren, auch nicht um sich selbst herauszustellen. Maria durchbricht die Normen und Verhältnisse, weil sie eine Sehnsucht in sich trägt. Eine Sehnsucht, die die Grenzen ihres bisherigen Lebens übersteigt. Jesus zu Füßen zu sitzen, seiner Rede zuzuhören, den Worten des Herrn Gehör zu schenken – das ist die Suche nach einer völlig neuen Dimension in ihrem Leben.

Maria ist auf der Suche nach neuen Antworten auf die vielen Fragen in ihrem Leben; Antworten, die nicht mehr auf die herkömmliche Art und Weise gegeben werden, die sich nicht mehr aus den gewohnten Mustern und Regeln des Alltags ergeben, sondern aus dem Hören auf Gott, auf sein Wort.
Antworten dieser Art erwartet Maria von Jesus. Deshalb wagt sie den Ausstieg. Noch ohne zu wissen, was sie hören wird, noch ohne zu wissen, was sie für ihr Leben bekommen wird, nimmt sie den Krach mit der Schwester in Kauf und setzt sich Jesus zu Füßen – findet für die Bewältigung ihres Lebens einen neuen Ort. Maria weiß, wonach sie sucht. Sie weiß, was ihr in ihrem Leben fehlt und was sie braucht.
Sie durchbricht deshalb alle konventionellen Schranken und nimmt es sich, entnimmt es den Worten des Herrn.

Marta, die Schwester, reagiert auf diese außergewöhnliche Situation in erstaunlicher Weise. Naheliegend wäre es, dass sie das Verhalten der Schwester, dieses Sich-gleich-setzen mit den Schülern der Rabbinen -  offen kritisieren würde.
Aber das geschieht nicht. Eine solche Brüskierung und damit auch Demütigung der Schwester liegt ihr fern. Marta reagiert, indem sie ebenfalls Jesus für sich in Anspruch nimmt. Ihn spricht sie an, nicht Maria und stellt mit ihrer Frage sich selbst in Frage. Marta erwartet von Jesus Auskunft darüber, wie ihr Leben, wie ihr Verhalten zu bewerten ist.
Angesichts dessen, was Maria so grundsätzlich neu tut, kann Marta gar nicht anders, als sich dazu zu verhalten: indem sie ihr eigenes Verhalten, indem sie ihr eigenes Leben im Licht des Verhaltens ihrer Schwester hinterfragt. Vor Jesus hinterfragt.

Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein dienen lässt? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!
Was schwingt nicht alles in dieser Frage der Marta mit? Wie viele können sich, ihr bisheriges Leben, den begrenzten Erfolg eines Einsatzes, den ausbleibenden Erfolg trotz großen Engagements und vielem mehr in dieser Frage wiederfinden?
Warum muss ich allein dienen? Warum bin ich mit dem, was ich tue, so auf mich gestellt. Interessiert sich niemand für das, was ich tue?

Hören wir den an Gott gerichteten Hilferuf der Dienenden! Sprechen wir ihnen die Berechtigung zu diesem Ruf nicht ab. Marta – und mit ihr alle, für die sie beispielhaft steht – haben ihren Platz und sie haben ihre Berechtigung. Sie verdienen Anerkennung und gerechte Würdigung ihres Dienstes.

Aber es ist noch mehr zu sagen.
In dieser Lebenshaltung liegt eine Gefahr. Sorge dieser Art, ist nach biblischen Texten immer auch ein Beleg für fehlendes Vertrauen in Gott. Das Kreisen um sich selbst. Das Unzufriedensein mit dem, was man gerade hat. Diese innere Unruhe, nicht genügend Anerkennung zu erfahren, hinten runter zu fallen.

Im Wettstreit zweier Lebensentscheidungen, in dieser unterschiedlichen Herangehensweise der beiden Frauen an das Leben und seine Herausforderungen, gibt es da Kompromisse?

Jesus ist nicht darauf aus, den Streit der Schwestern zu schlichten. Im Gegenteil. Er verschärft ihn noch:
Jesus stellt sich eindeutig auf die Seite der Maria. Maria hat das gute Teil erwählt – heißt es. Das Verhalten der Maria, ihre Suche nach Gott, nach den Antworten Gottes auf die Fragen des Lebens, diese Suche bewertet Jesus als gut. Denn was sie dabei gewinnt, kann ihr nicht genommen werden. Sie gewinnt etwas Bleibendes. Sie gewinnt etwas, das sie im Leben trägt und weiterbringt. Maria gewinnt etwas Gutes.

Eine Gesellschaft, Menschen, die durch ihre Sprache, ihre Kultur, ihre religiösen Bindungen und ihre bisherigen Absprachen aneinander gewiesen sind, braucht mehr, als nur das Kreisen um sich selbst und das Ringen um größeres Wachstum. Überspitzt gesagt:
Einer Dienstleistungsgesellschaft, wie wir sie heute erleben, wird ein Achtungszeichen gesetzt.

Eins tut not: Es braucht in dieser Gesellschaft immer Menschen, die erst hören und dann reden und entscheiden. Die erst Kraft schöpfen, und dann loslegen. Für die sich die Orientierung auf Gewinn nicht allein in barer Münze auszahlen kann. Eine Gemeinschaft, in der die Zahl dieser zu Füßen des Herrn sitzenden immer kleiner wird, gerät in die Gefahr, nur noch für sich selbst zu sorgen: „Ich mache mir so Sorge um mich!“

Es braucht den Sonntag am Anfang der Woche. Stärken wir die geistigen und geistlichen Oasen und Zentren mitten im Zentrum unserer Gesellschaft. In der Universität, in der Klinik, am Marktplatz.
Gott sei Dank, ist diese Kirche wieder aufgebaut worden. Wozu brauchen wir eine Kirche, haben vor 30 Jahren viele gefragt. Wir brauchen…
Es war die einzig richtige Entscheidung.


Vielleicht haben Sie Lust, die Geschichte von Marta und Maria weiter zu denken.
Wie wird ein Gespräch der beiden Schwestern aussehen, nachdem Jesus das Haus verlassen hat?
Wie wird sich Marta verhalten, wenn Jesus das nächste Mal in ihrem Haus zu Gast ist? Wird sie sich dazu setzen?
Wird es dann – wenn beide dem Wort Gottes Gehör geschenkt haben, vielleicht darüber Streit oder eine geistige Auseinandersetzung  geben?
Das wäre eine lebendige Beschäftigung mit Gott, mit seinem Wort. Das wäre die lebendige Auseinandersetzung mit dem Reich Gottes.

Darüber würde sich Jesus freuen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

17. März 2019 | Reminiszere | Predigt »Gott hat die Welt so geliebt«

gehalten von Bishop Jonathan Gibbs - Bishop of Huddersfield, UK

»Gott hat die Welt so geliebt«

Liebe Brüder und Schwestern, 

es ist eine große Freude und Ehre für mich, hier in der Frauenkirche zu sein und diese Predigt zu halten.

Bevor ich beginne, denke ich, es wäre hilfreich, ein wenig über mich und die Perspektive, aus der ich sprechen werde, zu erzählen. Ich bin in Manchester geboren, im Norden Englands, wohin mein Vater und meine Mutter nach der Heirat umsiedelten. Sie kamen aus Süd-Wales, von Familien, die in Eisen und Stahl und in der Kohleindustrie arbeiteten. Sie zogen weg von ihrer Heimat, wie so viele, um Arbeit zu suchen und ein neues Leben zu beginnen. Man könnte sagen, dass es sich um Wirtschaftsmigranten handelte. Sie sahen immer ihre Identität als walisisch statt englisch an, und natürlich auch als britisch – und zum großen Teil sehe ich mich ebenso.

In der Schule  habe ich mich besonders für Politik und Philosophie interessiert, und ich habe Französisch und vor allem die Schriften von Albert Camus studiert. Später studierte ich Philosophie und Politik an der Universität Oxford. Ich arbeitete dann in Paris an einer anglikanischen Kirche für zwei Jahre, unter Jugendlichen von vielen Nationalitäten. Ich habe meine Frau in Paris kennengelernt und nach unserer Hochzeit lebten wir dann in einer anderen, sehr internationalen Stadt, als ich im Seminar in Cambridge ausgebildet wurde.  Dort habe ich meine Doktorarbeit über Helmut Richard Niebuhr geschrieben, einem deutschen amerikanischen Theologen

Schließlich war ich für drei Jahre Pfarrer in Manchester, bevor wir in die Schweiz zogen, wo ich Priester der anglikanischen Kirche in Basel war, sowie Priester der anglikanischen Kirche in Freiburg im Breisgau. Wie Sie vielleicht hören, war es in Basel, dass ich zuerst Deutsch gelernt habe! Nach sechs Jahren kehrten wir nach England zurück und lebten für siebzehn Jahre in einer Pfarrei in der Nähe von Liverpool, bevor ich im Jahr 2014 Bischof von Huddersfield in der Diözese Leeds wurde.

So sehen Sie, dass ich zu dieser Predigt als jemand mit einer ganzen Menge internationaler Erfahrung komme - ich habe auch einige Zeit in den Vereinigten Staaten gelebt und studiert - und das prägt die Art und Weise, wie ich die Welt betrachte und auch die Art und Weise, in der ich die Bibel lese und interpretiere. Ich empfinde mich als britisch, und nicht ganz englisch, aber ich sehe mich auch als Europäer, zu Hause in gewissem Maße in jeder der drei anderen Nationen, in denen ich gelebt und gearbeitet habe. Ich habe außerhalb meiner eigenen Kultur gelebt, ich musste neue Sprachen lernen, und wenn man in diesen Ländern lebt, gab es Zeiten, in denen ich mich als Außenseiter in kultureller und politischer Sprache fühlte. Diese Dinge sind wichtig dafür, wie wir die Bibel lesen und interpretieren, vor allem im Kontext von Europa heute und im Kontext von Brexit, von dem ich ein wenig später sprechen werde.

Und nun zum Text, den wir heute aus dem Evangelium von Johannes gelesen haben. Johannes Kapitel 3 Vers 16 ist vielleicht der bekannteste Text aus der gesamten Bibel, sicherlich im englischsprachigen Raum. Es bringt uns mit diesen Worten zum Kern der Botschaft des Evangeliums: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab.“ Dies ist die Grundlage unseres christlichen Verständnisses von Gott, des Gottes, der das Universum geschaffen hat. Er teilte unser menschliches Leben und gab sich für uns in den Tod eines grausamen Todes am Kreuz für uns. Dies ist die zentrale Realität dessen, was wir als Christen unter Gott verstehen: Er ist derjenige, der sich für uns hingegeben hat. Dies sollte doch bestimmt eine wunderbare gute Nachricht für jeden Menschen sein.

Und doch ist die Wahrnehmung vieler Menschen heute, insbesondere auf dem gesamten europäischen Kontinent, entweder, dass diese Rede von Gott für ihr Leben irrelevant ist, oder noch schlimmer, dass sie Gott und die Kirchen, die ihn vertreten, als Quelle der Probleme der Welt wahrnehmen statt als Teil der Antwort auf unsere tiefsten menschlichen Bedürfnisse.

Ein Grund dafür war natürlich der Verlust des Vertrauens in die Botschaft des Evangeliums und in die Institution der Kirche in den letzten über hundert Jahren. Der Erste Weltkrieg und die Schrecken der Schützengräben waren für den Glauben vieler Menschen ein Hammerschlag, dem der Holocaust und die Übel des Zweiten Weltkriegs folgten. Seitdem haben wir die Ära des Kalten Krieges durchlebt, anschließend wuchs der Materialismus in weiten Teilen der Welt, zumindest bis zur Finanzkrise von 2008, und mehr und mehr Menschen kamen zu der Überzeugung, dass sie Gott doch nicht brauchten.

Noch schlimmer waren die Enthüllungen über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in fast allen europäischen Ländern durch Priester und Pastoren in vielen unserer Kirchen. Und auch dies hat das Vertrauen vieler Menschen in die Kirche und ihre Botschaft erschüttert.

Wie können wir als Christen all dies verstehen und wie sollten wir in der heutigen Welt darauf reagieren? Nun, die Worte Jesu bleiben für uns sehr relevant. Die Menschen lieben weiterhin die Dunkelheit und nicht das Licht. Dies ist die Realität des menschlichen Herzens, über die die Bibel so ehrlich spricht. Menschen sind zu großem Übel fähig (wie wir am Freitag in Neuseeland gesehen haben), es sei denn, ihre Taten werden in das Licht gebracht, damit sie als das entlarvt werden können, was sie sind, und verurteilt, wie sie es verdienen.

Dies ist Teil dessen, was heute auf unserem Kontinent und in unserer Welt geschieht. Menschen werden durch die Lügen, die ihnen erzählt werden, in die Dunkelheit des Bösen gezogen, Lügen, die durch die Anonymität des Internets und insbesondere durch die Geheimhaltung privater Gruppen und des Dark Web weitergegeben werden. Jemand kann in der Privatsphäre seines Hauses sitzen und schnell in ein Netz von Lügen und Hass geraten. Sie können auch in Gruppen und Gespräche hineingezogen werden, die diese Lügen verstärken und ihren Hass auf andere erhöhen. Die Lichter können eingeschaltet sein, aber dies kann tatsächlich ein dunkler Ort in der heutigen Welt sein. Das Ergebnis sind Vorurteile, Hass und Gewalt, vor allem gegenüber jedem, der sich von uns und unserer Gruppe unterscheidet. Wie Jesus hier sagt: „Wer Böses tut, der haßt das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.“

Irgendwie müssen wir als Christen unseren Teil dazu beitragen, das Licht Christi in diese dunklen Orte zu bringen.  Wir müssen Jesus Christus ins Zentrum unseres Lebens stellen, damit Menschen wieder zu ihm hingezogen werden und zu dem Licht, das er in unsere Welt bringt. Aber wie können wir das tun, wenn so wenige Leute bereit sind, innezuhalten und zu hören, was wir sagen? Sie denken entweder, dass unsere Botschaft für ihr Leben irrelevant ist oder dass wir und die Kirche Teil des Problems sind, nicht Teil der Lösung.

Der Wiederaufbau des Vertrauens wird ein langer und mühseliger Prozess sein, für den wir geduldig und unermüdlich arbeiten müssen. Es beginnt in unseren Beziehungen zu unseren Freunden und Nachbarn, zu unseren Arbeitskollegen und zu anderen Mitgliedern unserer Familien. Ein Leben voller Integrität, das Licht in die dunklen Orte bringt, sei es auf den Straßen unserer Städte und in unserer Sorge um die Armen und Schwachen, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Es wird auch notwendig sein, dass unsere Kirchen Licht in Orte werfen, die dunkel gehalten wurden, und dass sie sich weigern, Missbrauch zu verbergen. Wir müssen Wege suchen, um Heilung und Gerechtigkeit denen zu bringen, die sowohl Mißbrauch als auch Verschleierung dieses Mißbrauchs erlitten haben. Wie Jesus sagte: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“

Und die Motivation dafür ist die gleiche wie in Johannes Kapitel 3, Vers 16: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab…“ Dies ist das Herz der christlichen Botschaft und die Grundlage all dessen was wir tun Wir glauben, dass Gott die Welt - und jeden einzelnen Menschen in ihr - bis unendlich liebt. Und deshalb sind wir als Nachfolger Jesu aufgerufen, andere auf dieselbe Art zu lieben, aus Selbsthingabe, frei und ohne jegliche Diskriminierung. Das bringt mich zu meinem Ausgangspunkt zurück und zu der Geschichte, die ich über meinen Hintergrund und über die Perspektiven erzählt habe, die mein Leben und meine Sicht des Pfarrdienstes geprägt haben. Denn die Herausforderung, vor der wir derzeit in Europa stehen, auch beim Brexit, betrifft zum Teil die Spannung zwischen unseren Wurzeln in unserer jeweiligen Heimat ,die ein entscheidender Teil unserer Identität sind, und unserer Zusammengehörigkeit in einer viel größeren Einheit, die wir Europa nennen.

Viele Briten möchten die Europäische Union verlassen, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Identität und ihr Lebensraum gefährdet sei durch die rasche Ansiedlung  zu vieler Menschen aus anderen Teilen der Welt oder von Europa selbst. Ähnliche  Empfindungen werden von Menschen in verschiedenen Nationen unseres Kontinents auf unterschiedliche Weise ausgedrückt und führen an vielen Orten zu hässlichen Szenen.

Auch wir als Christen sind an bestimmten Orten verwurzelt. Wir finden unsere Identität in den Geschichten unserer Herkunft und wo wir Zuhause sind. Daran ist nichts Falsches - und ein Teil des Problems besteht darin, dass viele Menschen das Gefühl haben, dass ihre Identität nicht geschätzt wird und dass ihr Lebensraum nicht respektiert wird.

Auf der anderen Seite wissen wir als Christen, dass wir noch eine andere Identität haben, als Nachfolger von Jesus Christus. Wir wissen, dass wir eine andere Loyalität haben, nämlich zu Jesus Christus als Herrn. Und wir wissen, dass wir die Verantwortung haben, so zu leben und andere auf die gleiche Weise zu lieben, wie Gott uns in Jesus Christus geliebt hat.

Es reicht jedoch nicht aus, einfach zu verkünden, dass „Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn gab“. Es reicht nicht für uns, den Menschen zu sagen: „Gott liebt dich“ - obwohl beide dieser Dinge sicherlich wahr sind. Nein, wir haben die Verantwortung, sowohl die Taten der Finsternis herauszufordern, sie ans Licht zu bringen und den Menschen unserer Generation die Liebe Jesu Christi zu zeigen. Und diese Liebe ist eine Liebe für die ganze Welt, nicht nur für die Menschen, die wie wir aussehen und wie wir klingen und die ihre Herkunft auf den gleichen „Heimatort“ zurückführen wie wir.

Als wir uns dem 29. März, dem Datum des Brexit, nähern, müssen wir als Christen für eine bessere Lebensweise eintreten, die die Liebe Gottes für jeden einzelnen Menschen demonstriert, sowohl in Europa als auch auf der ganzen Welt.  Wir müssen Jesus Christus ins Zentrum unseres Lebens stellen, nicht als Stammeszeichen einer christlichen Unterkultur, sondern als den Herrn und Erlöser der gesamten Menschheit. Wir müssen die Menschen unserer Generation und insbesondere unsere Politiker herausfordern, ins Licht zu treten, die Lügen und Taten der Finsternis hinter sich zu lassen und im Licht der großen Wahrheit zu leben, die im Herzen des Evangeliums liegt : „Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab…“

So liebt uns Gott und so lieben wir uns gegenseitig. Wir müssen herausfinden, was dies bedeutet, und zusammenarbeiten, um dies zu erreichen, nicht nur über den Brexit, sondern auch in Bezug auf alle anderen Spannungen und Belastungen, denen wir in Europa und in der heutigen Welt ausgesetzt sind. Ich bin Brite (aber kein Engländer), ich bin Europäer, aber viel mehR bin ich ein Mensch und ich bin ein Nachfolger von Jesus Christus - und weil Gott die Welt geliebt hat, wer auch immer wir Christen sind und wo auch immer wir auf Erden mit unserer Identität lokalisiert sind müssen wir lieben lernen, wie er uns geliebt hat. Was auch immer die Zukunft nach dem Brexit in politischer Hinsicht bringen mag, wir als Christen müssen dafür sorgen, dass Gottes Liebe zur Welt sich in allen unseren Beziehungen und vor allem in der Vertiefung der Beziehungen zwischen unseren Kirchen widerspiegelt.

Vielen Dank für Ihre Gemeinschaft im Evangelium und in der Kirche Jesu Christi. Vielen Dank, dass Sie mich heute eingeladen haben, an diesem Gottesdienst teilzunehmen. Mehr denn je müssen wir uns als Christen der Versöhnung zwischen unseren Kirchen und unseren Nationen widmen. Wo immer Dunkelheit herrscht, müssen wir das Licht Christi bringen, weil Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn für uns alle gesandt hat - wer auch immer wir sind und woher wir kommen - und die Welt braucht dieses Licht heute mehr denn je. 

Amen.

 

01. Januar 2019 | Neujahrsgottesdienst | Predigt zu Psalm 34,15

gehalten von Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke

Jahreslosung 2019: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Psalm 34,15


Liebe Gemeinde,

heute schon gefrühstückt? Oder sind Sie zuhause gerade dabei, den ersten dampfenden Kaffee in diesem neuen Jahr zu genießen? »Frieden fängt beim Frühstück an.« Hanns-Dieter Hüsch, der fromme Kabarettist vom Niederrhein, hat das gedichtet: 

Frieden fängt beim Frühstück an | Fliegt dann durch die Straßen | Setzt sich auf die Dächer dann | Großer Sehnsuchtsvogel | Breitet seine Flügel aus | Dass Friede sei in jedem Haus | Frieden
Der große Sehnsuchtsvogel. Wie sehr wünschen wir uns, dass er uns wegtrage von den Konflikten dieser Welt. Von den Nachrichtensendungen im Fernsehen, die viele von uns nur noch kopfschüttelnd anschauen können. Dass der Luftzug seiner Schwingen uns sanft und erinnernd berühre: Da gibt es noch eine andere Wirklichkeit. Suche sie und jage ihr nach!

Frieden – ein Paradiesvogel? Wunderschön, aber sehr selten? Bezaubernd, aber niemals zu fangen, geschweige denn zu zähmen? Hanns Dieter Hüsch dichtet unverdrossen weiter:

Opa wiegt das Enkelkind
Auf den alten Knien
Zeigt dem Kind den Vogelflug
Wie der Knecht den Herrn ertrug

Vertraute und geliebte Menschen lehrten mich den Flug des Sehnsuchtsvogels erkennen.
Sie prägten mir Bilder vom Frieden ein.

Wenn es um Frieden geht, dann denke ich an so ein Bild aus meiner Kindheit. Neben unserem Haus – der alte Nussbaum. Sein dichtes Blätterdach spendet kühlenden Schatten an heißen Sommertagen. Darunter auf einer Bank mein Opa und unser Nachbar, der alte Malermeister. Der eine hat seine Arme vor der Brust verschränkt, der andere nimmt ab und zu einen tiefen Zug aus der dicken Zigarre, die er raucht. Die beiden reden über Gott und die Welt. Und manchmal schweigen sie auch einfach nur gemeinsam. Für mich ist dieses schlichte Bild zum Inbegriff von Frieden geworden. 

Ja, ich weiß: Das Leben spielt sich nicht unter einem Walnussbaum auf einer Gartenbank ab. Aber ich spüre, wie Frieden sich anfühlt und wonach ich überhaupt suchen muss. Dieses Bild hat mir die Sehnsucht ins Herz gesenkt. Ich will nicht irre werden an den Gewalttaten in der Geschichte und in gegenwärtigen Konflikten mit menschenverachtenden Praktiken. Ich möchte meinen Blick und mein Herz an solche Bilder heften, damit mein Tun und mein Denken ein Ziel bekommen. Ich will nicht resignieren. 

»Komm, wir ziehen in den Frieden« – diesen Song hat Udo Lindenberg vor wenigen Monaten geschrieben. Eben jener Künstler, dem sein Arzt am Tiefpunkt seiner Alkoholsucht prophezeite: Drei Tage bis zum Tod! Ein Mensch, der sich selbst zum größten Feind geworden war. Er erlebte am und im eigenen Leib einen Krieg – und drohte zu verlieren. Ärzte und Pfleger gaben ihn nicht auf; sie unterbrachen den selbstzerstörerischen Kreislauf.

Zwei Jahrtausende früher hatte ein anderer von sich selbst prophezeit: Drei Tage bis zum Leben! Drei Tage, und ich, Jesus, Sohn Gottes, werde vom Tode auferstehen zum ewigen Leben! Solche Worte, Bilder, Träume, Lieder schüren von alters her Unruhe bei den Mächtigen. So trachtete man schon dem kleinen Jesus nach dem Leben.

Man geht in Diktaturen gewaltsam gegen Menschen vor, die einen Traum haben von einer gerechteren Zukunft, in der alle gleich geachtet sind. Oder man verdreht auch einfach nur die Tatsachen: Als etwa Nicole in den 80er Jahren sang: »Ein bisschen Frieden«, erklärte eine Lehrerin das offizielle Verbot des Songs damit, dass wir in der DDR ja nicht für »ein bisschen Frieden« singen müssten – wir hätten ihn ja bereits voll verwirklicht! Gesprochen inmitten einer Diktatur, da auf Menschen geschossen wurde, die das Auseinanderklaffen ihrer Bilder vom Frieden und der Realität nicht länger ertrugen und die das Land verlassen wollten. Gesagt in einem Land, in dem Jugendlichen der Aufnäher mit der biblischen Zukunftsvision »Schwerter zu Pflugscharen« von der Jacke gerissen wurde!

Aber auch im Westen Deutschlands sorgte der Grand Prix-Gewinner für Streit. Friedensaktivisten fühlten sich mit dieser »kleinen Portion Frieden« nicht ernst genommen. Eine Gerichtsverhandlung folgte. Bilder und Lieder vom Frieden, die für Unfrieden sorgen? Wo ist das Kriterium für wahren Frieden? Man möchte mit Luther sagen: Gott selbst muss helfen, denn »mit unsrer Macht ist nichts getan«! Gott selbst muss uns wachrütteln und uns ermuntern: Kommt, wir ziehen in den Frieden! Kommt, sucht ihn und jagt ihm nach!

Vor einer Woche haben wir Weihnachten gefeiert, die Geburt Jesu. Jesus – Jehoshua, übersetzt: »Gott hilft«. Er bricht nicht mit Gewalt ein in die friedlose Welt, er kommt als Kind zur Welt in einem Stall, wo Unrecht und Armut bitter auf der Zunge schmecken, wo Zorn und Trauer um verloren geglaubte Hoffnung zum Himmel schreien. Doch der Himmel antwortet. Engel verheißen »Friede auf Erden«. Dieser Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg und persönlichen Kämpfen.

Diesen Frieden beschreibt die Bibel mit Schalom, ein Dasein, in dem wir uns geborgen und sicher fühlen können, ein Leben in Würde und Freiheit. Der Anfang eines Weges scheint auf, der von der Futterkrippe in Bethlehem zu Kreuz und Auferstehen Jesu Christi in Jerusalem führt. Ostern tritt der Auferstandene mitten unter die ängstlichen Jünger. Und mit den Worten »Friede sei mit euch!« nimmt er ihnen die Angst.

Wahrscheinlich muss erst die Angst genommen werden, bevor Frieden werden kann. Angst sät Unfrieden, denn sie setzt da ein, wo ich meine, zu kurz zu kommen. Ich klammere mich an einen Scheinfrieden, den mir Konsum oder meine selbstgebaute heile Welt versprechen und merke gar nicht, wie sehr mich dieser Scheinfriede gefangen hält, wie zerbrechlich er ist und wie ich beginne, ihn mit Krallen und Zähnen zu verteidigen. In die Angst der Jünger hinein, in meine Angst hinein sagt Jesus »Friede sei mit euch!« und überrascht dann in einer dieser Ostergeschichten mit einer scheinbar banalen Frage: »Habt ihr ’was zu essen?«

Frieden fängt beim Frühstück an, jedenfalls beim gemeinsamen Essen. Jesus bricht das Brot und unterbricht damit heilsam unser Kreisen um uns selbst und die eigene Furcht. Der Blick wandert weg von der tödlichen Angst hin zum Essen, das dem Leben dient. Jesus trägt ja die tödlichen Wunden und Verletzungen noch am Leibe, die ihm durch Hass und Angst zugefügt wurden. Und doch gibt er uns Menschen nicht auf und sucht sofort wieder die Gemeinschaft mit uns. Weil er aus Liebe Schuld vergibt und wir durch ihn mit uns selbst Frieden schließen können. »Friede sei mit euch!«

Mit seinem Friedensgruß tritt Jesus unter die Lebenden und lenkt die gesenkten Blicke nach oben in den Morgenhimmel. Frühstück, Kinder! Der neue Tag liegt vor euch, die Chance, neu anzufangen. Schaut auf das, was ich euch vorgelebt habe. Selig seid ihr, die ihr Frieden stiftet; ihr heißt Gottes Kinder!

Frieden stiften im Geiste Jesu heißt übrigens nicht, dass wir jedem Streit aus dem Wege gehen. So erzählte mir jemand von einem Plakat auf der Berliner #unteilbar-Demo für Menschenrechte im Oktober 2018: »Können die Klügeren bitte einmal nicht nachgeben?« Gewaltfreie Beharrlichkeit werden wir auch 2019 brauchen. In den großen Zusammenhängen genauso wie im begrenzten persönlichen Umfeld.

Frieden fängt beim Frühstück an – bei mir zuhause am Küchentisch, da, wo ich Pläne für den Tag schmiede. Dort, wo ich zuerst meinen Liebsten begegne und mit ihnen gemeinsam überlege: Was soll am Abend erreicht sein? Welche Vision habe ich, haben wir von einem gelungenen Tag? In einem Roman las ich, wie das Familienoberhaupt den Angehörigen immer mal wieder die Frage stellt: »Und? Hast du heute schon etwas für die Ewigkeit getan?«

Es sind meist nicht die Dinge, die es in die Zeitungen schaffen. Aber oft ist es wichtiger, wenn es mein Bild in den morgendlichen Spiegel schafft. Kann ich mir selbst ins Gesicht schauen, wenn die Familie zerstritten ist? Kann ich mich anschauen, wenn ich doch gleich wieder in der Schule meinen Mitschüler mobbe? Kann es angehen, dass ich mein wertvolles Leben an Süchte verschleudere? Dass ich nachfolgenden Generationen gedankenlos die Ressourcen raube? Es sind die kleinen Schritte, die zählen.

Ja, es stimmt: Es bedrückt mich, wenn noch immer so wenig von Gottes Frieden unter uns erlebbar ist. Mich tröstet da eine Begegnung, von der die große Theologin Dorothee Sölle erzählte: »Als ich einmal sehr deprimiert war, hat mir ein Freund [...] etwas sehr Schönes gesagt: ,Die Leute im Mittelalter, welche die Kathedralen gebaut haben, haben sie ja nie fertig gesehen. Zweihundert oder mehr Jahre wurde daran gebaut. Da hat irgendein Steinmetz eine wunderschöne Rose gemacht, nur die hat er gesehen, das war sein Lebenswerk. Aber in die fertige Kathedrale konnte er nie hineingehen. Doch eines Tages gab es sie wirklich. So ähnlich musst du dir das mit dem Frieden vorstellen.’ Das hat mir damals sehr geholfen. Es ist gut zu wissen: Ich baue an einer Kathedrale, und ich wusste auch, dass sie irgendwann fertig werden würde. So wie die Sklaverei abgeschafft worden ist, so würde auch der Krieg abgeschafft werden; aber das geht über meine Lebenszeit hinaus.«

Liebe Gemeinde, leben wir im neuen Jahr ganz bewusst als Friedensstifter:
friedfertig, aber nie mit dem Frieden fertig.

AMEN


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Quellen:
Hanns Dieter Hüsch: »Das Schwere leicht gesagt« Herder Verlag Freiburg, 2007, S. 21
Udo Lindenberg: »Wir ziehen in den Frieden« Musixmatch.com