Erinnern, Versöhnen, Zukunft gestalten

Coventry und Breslau sind zwei Städte, an die die Frauenkirche Dresden im Rahmen des diesjährigen Gedenkens an das Kriegsleid des Zweiten Weltkrieges besonders erinnert. Mit Gottesdiensten, Konzerten und Zeiten der Besinnung ruft das Gotteshaus auf, ein Miteinander in Frieden zu suchen.

„Wir erinnern, um für die Zukunft zu lernen”, so Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke. „Die Gegenwart zeigt, dass ein friedvolles und versöhntes Miteinander nur dann dauerhaft gelingen kann, wenn wir uns aktiv darum bemühen.” Über eine ganze Woche hinweg – vom 9. bis zum 17.2. – ist die Frauenkirche daher ein Ort vielfältigen Nachdenkens. Die Zerstörung Dresdens ist der thematische Ausgangspunkt, von dem aus der Blick geweitet wird. 

Coventry – Dresden – Breslau

Zwei Städte mit eigenen Erfahrungen von Zerstörung und Wiederaufbau stehen 2019 besonders im Fokus. Einerseits erfährt die enge Partnerschaft Dresdens mit Coventry bzw. der Frauenkirche mit der St. Michael's Cathedral der mittelenglischen Stadt eine Würdigung. Vom 11.-16.2. findet die Versöhnungslitanei von Coventry Eingang in alle Mittags- und Abendandachten; zudem ist sie Thema der aktuellen Predigtreihe der sonntäglichen Abendgottesdienste. Im Hauptgottesdienst am 17.2. wird dem 60. Jubiläum der Städtepartnerschaft besonders gedacht. 

Ebenfalls seit sechs Jahrzehnten besteht die Partnerschaft Dresdens zu Breslau. Aus diesem Anlass sind am 16.2. musikalische Gäste aus Polen zugegen. Unter der Leitung von Michael Schønwandt und gemeinsam mit dem Solisten Daniel Hope präsentiert das NFM Wroclaw Philharmonic unter der Überschrift »Wandlung« Werke von Penderecki, Schostakowitsch und Rimski-Korsakow.

Frauenkirche am 13.2. Ort der Einkehr

Natürlich bringt sich die Frauenkirche in das stadtweite Gedenken des 13. Februars 1945 ein. Bereits am 12.2. findet dazu 18 Uhr eine Andacht statt, in die Zeitzeugenerinnerungen an die Angriffe auf Dresden eingeflochten sind. Am Gedenktag selbst ist die Frauenkirche von morgens bis in die Nacht Ort des mahnenden Gedenkens. Ab 10 Uhr steht die Kirche den Besuchern offen, 12 Uhr und im Anschluss an die Menschenkette sind die Besucher zu Wort & Orgelklang eingeladen.

Die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e. V. ermöglicht von 15 bis 22 Uhr ein stilles Gedenken vor der Frauenkirche. Es wird Raum sein für Gespräche und Begegnungen, aber auch für schweigendes Erinnern. Kerzen können sowohl um die Frauenkirche als auch auf einer vorbereiteten Fläche in Form einer Kerze abgestellt werden. Um 18.15 Uhr beginnt zudem der durch die Fördergesellschaft organisierte „Dresdner Gedenkweg“. Er beginnt im Innenhof der Dresdner Synagoge und führt mit Textlesungen über mehrere Stationen an ausgewählte Stätten, die in Dresden an die Schuld und das Leid der Deutschen im Zweiten Weltkrieg erinnern.

Am späten Abend im Anschluss an das gemeinsame Geläut aller Dresdner Kirchenglocken öffnet die Kirche ab 22 Uhr traditionell zur »Nacht der Stille«. Unter dem biblischen Leitmotiv »Suche Frieden« (Psalm 34,15) wechseln sich thematische Impulse, Chor- und Orgelklänge sowie Momente der Ruhe ab. Die Besucher können Kerzen und Gebetslichter vor der Chorbalustrade abstellen. Gestaltet wird der Abend von Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke, dem Chor der Frauenkirche unter der Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, dem Cellisten Ulrich Thiem, dem Saxophonisten Bertram Quosdorf und Frauenkirchenorganisten Samuel Kummer. 

Musikalisches Gedenken

Bereits am 9.2. gestaltet Frauenkirchenkantor Matthias Grünert ein Gedenkkonzert, das auf eigene Weise wider dem Vergessen wirken soll. Er präsentiert Werke des italienischen Komponisten Luigi Cherubini, die lange unbekannt waren und erst kürzlich in Paris wieder aufgefunden wurden. Das erstmals zu hörende Programm wird vom Klassik-Label Rondeau mitgeschnitten und als Weltersteinspielung erscheinen. 

Ein weiteres Gedenkkonzert veranstaltet die Sächsische Staatskapelle am 15.2., dem Jahrestag des Einsturzes der Frauenkirche. Zu hören sind dann mit Antonín Dvoráks »Stabat mater« Klänge der Überwindung. Mit Venera Gimadieva, Elisabeth Kulman Pavol Breslik und René Pape sind herausragende Solisten zu erleben. 

Ausgewählte Angebote in den Tagen des Erinnerns und der Versöhnung 2019

Gedenkkonzerte

Sa 09.2. | 20 Uhr Gedenkkonzert
Wiederentdeckte Werke Cherubinis

Fr 15.2. | 20 Uhr Klänge der Überwindung
Sächsische Staatskapelle zu Gast

Sa 16.2. | 20 Uhr Wandlung I
Daniel Hope & NFM Wroclaw Philharmonic

Gedenktag 13.2.

12 | 18.20 Uhr Wort & Orgelklang
15-22 Uhr Stilles Gedenken
18.15 Uhr Dresdner Gedenkweg

21.45 Uhr Gemeinsames Geläut
aller Dresdner Kirchenglocken

ab 22 Uhr Nacht der Stille
»Suche Frieden« | Einladung
zum Wachen und Beten

Geistliche Angebote

So 10.2. | 18 Uhr Gottesdienst
Predigtreihe »Versöhnung leben«

Die 12.2. | 18 Uhr Andacht mit
Zeitzeugen der Zerstörung 

So 17.2. | 11 Uhr Gottesdienst
mit Erinnerung an das Jubiläum der
Städtepartnerschaft Coventry – Dresden