»Man kann aus jeder Note etwas machen«

Für das Gedenkkonzert im Umfeld des 13. Februars hat Frauenkirchenkantor Matthias Grünert ein Programm mit Werken des italienischen Komponisten Luigi Cherubini zusammengestellt. Im Interview beschreibt er, was das Publikum an diesem Abend entdecken kann.

Wieso ist uns der Name Cherubini nicht so geläufig wie der seiner Zeitgenossen Beethoven und Haydn?

Matthias Grünert: Cherubini ist eigenartigerweise völlig im Schatten der Musikgeschichte geblieben. Zu Lebzeiten war er weltberühmt, einer der ganz großen Komponisten. Er sollte sogar Nachfolger von Haydn als persönlicher Kapellmeister der einflussreichen Familie Esterházy werden. Auch Beethoven kannte und verehrte ihn. Vermutlich geriet Cherubini in Vergessenheit, weil er zwischen Epochen steht. Man kann ihn weder so richtig im Barock, der Klassik oder der Romantik verorten.

Wie kann man Cherubinis Musik beschreiben?

Matthias Grünert: Es ist eine sehr empfindsame Musik, besonders die barocken italienischen Werke. Die späteren französischen Stücke zeigen überdies noch einen besonderen Sinn für die Orchesterinstrumentation. Cherubini ist einer der Frühen, die dieses Gestaltungsmittel nutzten.

Was fasziniert Sie besonders?

Matthias Grünert: Es ist sehr affektbezogene Musik. In der Anlage geht man das sehr nuanciert an. Man muss wirklich mit jeder Note überlegen, wie man gestaltet, wie man betont, welche Dynamik man verwendet, in welche Richtung es gehen soll. Das ist bei Cherubini ganz extrem. Man kann aus jeder Note etwas machen.

Die Werkliste Cherubinis ist lang. Was leitete Sie bei der Auswahl für das Gedenkkonzert?

Matthias Grünert: Der Musikwissenschaftler Michael Pauser und ich wollten ein Programm zusammenstellen, das hörenswert und abwechslungsreich ist und ermöglicht, Cherubini konzentriert zu entdecken. Das gab es so noch nicht und kommt so schnell nicht wieder! Wir präsentieren ein Lebenswerk, einen Querschnitt aus einer 45-jährigen Schaffensspanne.

Wie fügt sich das Programm ein in eine Zeit der Erinnerung an Krieg und Zerstörung?

Matthias Grünert: Der thematische Rahmen wird durch die Psalmvertonungen gesetzt, weil sie sich mit Buße, Not, der Bitte um Beistand, aber auch mit Gotteslob befassen. Daneben fand ich es spannend, einen biografischen Bogen zu schlagen. Die ersten vier Werke stammen aus der italienischen Zeit Cherubinis. Sie stehen noch in der barocken Musiksprache. Hinzu treten drei Werke aus seiner frühromantischen Pariser Zeit. Die Stilistiken sind so unterschiedlich, das man meinen könnte, zwei unterschiedliche Komponisten im Programm zu haben.

Das birgt sicher Herausforderungen für die Musiker?

Matthias Grünert: Der Programmwechsel fordert alle Ausführenden. Die Instrumentalisten stehen vor der Aufgabe, in zwei Stilen spielen zu müssen. Die Solisten und der Chor müssen beim lateinischen Text zwischen der italienischen und der französischen Aussprache wechseln. Deshalb haben wir in der Chorprobe auch zuerst den Text und dessen Aussprache geübt, bevor gesungen wurde.

Gibt es neben der eher aufführungspraktischen auch eine emotionale Ebene, auf der das Publikum die Unterschiedlichkeit im Werk Cherubinis erlebt?

Matthias Grünert: Auf jeden Fall. Das eröffnende „Exulta e lauda“ („Jauchzt und jubelt“) ist ein Lobgesang, festlich und mitreißend. Die drei folgenden Psalmvertonungen orientieren auf die innere Einkehr und Gebet. Sie sind klanglich viel introvertierter. Da aber jeder Psalm mit einem „Gloria Patri“ („Ehre dem Vater“) schließt, wird es am Ende immer festlich und groß. Traurigkeit kommt dabei nicht auf. Die drei französischen Werke beginnen einer eher ungewöhnlichen Konstellation: einem „Kyrie et pater noster“ als Messe. Nach einem andächtigen Hymnus aus dem 12. Jahrhundert beschließen wir das Programm mit einer facettenreichen Psalmvertonung, aus der Lob und Ehrerbietung dringt. Diese emotionale Ausdrucksstärke und Vielseitigkeit lässt keinen unberührt.


Es fragte Grit Jandura.

Sa, 9. Februar 2019, 20:00 Uhr | Gedenkkonzert

Neu entdeckte Werke von Luigi Cherubini

Kyrie et Pater noster | O salutaris hostia | Inclina Domine | Vier Psalmen

Sopran Sibylla Rubens | Alt Britta Schwarz | Tenor Tobias Hunger | Bass Tobias Berndt
Kammerchor der Frauenkirche
ensemble frauenkirche dresden
Leitung Frauenkirchenkantor Matthias Grünert

KARTEN: 44 € | 34 € | 24 € | 12 €