Brückenbauer und Versöhner Dr. Alan Russell gestorben

Mit Herz und Verständnis setzte er sich für den Wiederaufbau der Frauenkirche ein

Die Stiftung Frauenkirche Dresden und die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden trauern um ihren Ehrenkurator und ihr Ehrenmitglied Dr. Alan Russell. Er war dem Gotteshaus viele Jahre aufs Engste verbunden und ist am 6. Februar 2019 im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in der englischen Kleinstadt Chichester gestorben.

Versöhner, Brückenbauer, Europäer

„Alan Russell war ein herausragender Versöhner und Brückenbauer. Sein fester Ruf nach einem respektvollen Miteinander, nach Versöhnung der Völker und nach dauerhaftem Frieden begleitet uns weiter – als Mahnung, als Ermutigung und als Verpflichtung“, so der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Frauenkirche Dresden Landesbischof Dr. Carsten Rentzing.

Alan Russell hatte die deutschen Angriffe auf seine Geburtsstadt London miterlebt. Aus Erschütterung über die verheerende Wirkung von Luftangriffen, auch auf Städte wie Coventry und Dresden, warb er zeitlebens eindringlich für Versöhnung, die durch das gegenseitige Verständ-nis für Kultur und Geschichte erreicht werden kann.

Prof. Ludwig Güttler, Ehrenvorsitzender der Fördergesellschaft, erinnert sich: „Die Gründung des englischen Dresden Trust war Dr. Russells Antwort auf unseren Ruf aus Dresden zur Wiederrichtung der Frauenkirche. Er trug die Verbundenheit zur Frauenkirche und zu Dresden tief in seinem Herzen und war zugleich ein überzeugter Europäer. Wir werden sein Andenken in tiefer Dankbarkeit stets in Ehren halten.“

Dresden Trust war sein Herzensprojekt

Dr. Alan Russell rief 1993 den Dresden Trust zur Unterstützung des Wiederaufbaus der Frauenkirche ins Leben. Er gewann den Herzog von Kent als royalen Schirmherren und warb mit unermüdlichem Einsatz in Großbritannien und weltweit über 1 Mio. EUR Spenden ein, die u. a. für die Fertigung des neuen Turmkreuzes der Frauenkirche verwendet wurden. Bis 2013 stand Alan Russell dem Dresden Trust als Präsident vor und war seitdem dessen Ehrenpräsident.

Bis heute setzt sich der Dresden Trust für Versöhnung und Frieden ein und fördert vielfältige britisch-deutsche Beziehungen wie den Schüleraustausch. Dank des umtriebigen Präsidenten entstanden Gedenkorte für die Opfer des Krieges, z. B. ein Rosengarten gegenüber der Neuen Synagoge in Dresden. Aktuell unterstützt der Dresden Trust das Projekt „Grünes Gewandhaus“ am Neumarkt, über dessen Fortgang sich Alan Russell mit Freude informieren ließ. Die Platanen und Bänke laden mit Blick auf die Frauenkirche zum Verweilen ein und erinnern an das alte Gewandhaus, das bis 1791 an dieser Stelle stand. Die feierliche Einweihung der grünen Oase am 12. April 2019 kann Alan Russell nun leider nicht mehr miterleben.

Der promovierte Historiker und Volkswirt war 12 Jahre als Diplomat in Malawi und danach an den Beitrittsverhandlungen Großbritanniens zur EWG beteiligt. Anschließend bekleidete er leitende administrative Positionen in der EWG-Kommission, ehe er sich im Umweltschutz und der Denkmalpflege engagierte. 1997 wurde Alan Russell mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz am Bande) und 2006 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und der Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Dresden ausgezeichnet.