Sprechende Stille in Stein

Der Bildhauer Michael Schoenholtz ist mit 82 Jahren gestorben. Mit seiner künstlerischen Handschrift und seiner Lehrtätigkeit an der Berliner Hochschule der Künste prägte er eine ganze Generation. Seine Werke, darunter die Gestaltung der Unterkirche der Frauenkirche, bezeugen dies über seinen Tod hinaus.

Die Nachricht vom Tod des Bildhauers Michael Schoenholtz hat die Stiftung Frauenkirche Dresden mit Trauer aufgenommen. Der Berliner Künstler hatte den zentralen Raum der Unterkirche durch thematisch-künstlerische Akzentsetzungen gefasst und ausdrucksstark die früheren Grablegen zu Kapellen umgestaltet.

Raum der Stille

Es ist das große Verdienst Michael Schoenholtz', in der Unterkirche behutsam und stimmig die existentiellen Themen Tod und Leben, Verwundung und Heilung, Trauer und Hoffnung zu berühren, ohne den Besuchern eine Deutung vorzugeben. Das einst von George Bähr konzipierte Raumgefüge wahrend, schuf er durch Freiraum und Konzentration einen Ort der Andacht und Reflexion.

Besonders markant ist das Kreuz über dem zentralen Altar von Anish Kapoor. Das schlichte, doppelseitige, fast zu schweben scheinende Steinkreuz nimmt die Grundform des Raumes harmonisch auf und ermöglicht eine Kontextualisierung, ohne in das eigenständige Werk seines britischen Künstlerkollegen einzugreifen.

Durch die einfühlsame Kapellengestaltung gibt der »Raum der Zerstörung« der Erinnerung Platz, die »Kapelle der zehn Gebote« der Selbstvergewisserung und die »Nische der Hoffnung« der Zuversicht. Auf diese Weise schlägt die Gestaltung einen Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft.

Michael Schoenholtz war der Frauenkirche Dresden bis an sein Lebensende eng verbunden. Er gab seiner Freude Ausdruck, dass sein Werk auch nach mehr als anderthalb Dekaden weiterhin Menschen aus aller Welt erreicht und ganz individuelle Berührungspunkte mit der Botschaft von Frieden und Versöhnung schaffen hilft.