Wie aus Kriegsschrott eine Glocke für den Frieden wurde

Anlässlich der 40. FriedensDekade vom 8. bis 18. November hängt die Frauenkirche das Thema Frieden wortwörtlich an die große Glocke – mit der Ausstellung von Michael Patrick Kellys #PeaceBell. Für einen Peace Talk mit dem Künstler können ab dem Weltfriedenstag Tickets reserviert werden.

Im Frühjahr 2017 liest ein junger Künstler einen Bericht darüber, wie die deutsche Rüstungsindustrie in beiden Weltkriegen durch das Einschmelzen von Glocken am Laufen gehalten wurde. Er ist Christ; der Gedanke, dass Glocken in den Krieg zogen, anstatt zum Frieden aufzurufen, trifft ihn. Doch weil sein Glaube und seine eigene Biografie zeigen, dass auch zuvor undenkbare Wandlungen möglich sind, wächst in ihm eine Idee: Was, wenn man den Weg umkehrt? Wenn aus Munition wieder eine Glocke entsteht? Eine Glocke für den Frieden?

Umkehr zum Frieden

Dieser Künstler ist Michael Patrick Kelly. Einst Mitglied einer erfolgreichen Familienband, dann zurückgezogener Mönch in einem Kloster im französischen Burgund, heute Solo-Musiker, bildender Künstler und Friedensaktivist. Er liest, skizziert, plant. Er fährt nach Verdun, Schauplatz einer der längsten und verlustreichsten Schlachten im Ersten Weltkrieg. Dort sammelt er Munitionsreste und lässt daraus in einer traditionsreichen Gießerei eine Friedensglocke herstellen: eine #PeaceBell.

Für den Klöppel nutzt er ein Gewehr. Es soll nicht mehr den Tod bringen, sondern Friedensrufe senden. Auf der Glocke sind das Gebot »Du sollst nicht töten« und der biblische Schriftzug »Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden« zu lesen. Anlässlich des 100. Jahrestages des Endes des Ersten Weltkrieges am 11. November 2018 erklingt die #PeaceBell das erste Mal. Seither hat sie tausende Menschen zum Nachdenken über ein friedvolles Miteinander gebracht.

Auch die Frauenkirche hat eine Friedensglocke

Das Bibelwort, das Michael Patrick Kelly ausgewählt hat, ist in der Fassung des Propheten Jesaja auch auf der Friedensglocke der Frauenkirche zu lesen. Der Ruf dieser größten Glocke im achtstimmigen Geläut lässt bereits seit 15 Jahren den Wunsch nach Friedfertigkeit und Verständigung in uns nachhallen. Im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade tritt nun der Klang der #PeaceBell hinzu. Vom 08. bis 18. November ist sie im Hauptraum der Frauenkirche zu sehen.

»In einer Welt voller Aufruhr und Krieg soll die Friedensglocke davor warnen, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen«, erklärt Michael Patrick Kelly. »Die #PeaceBell soll bewusstmachen, wie wichtig eine Abkehr von Radikalismus und Gewalt ist. Ihr Klang erinnert uns, was es zu bewahren gilt: gegenseitigen Respekt und Zusammenhalt.« 

Michael Patrick Kelly liegt das Thema Frieden sehr am Herzen.Seine Glocke nimmt er mit auf Konzerte und stellt sie auch aus.Die Zier zeigt u. a. das Gebot "Du sollst nicht töten".Dafür verwendete er Munitionsreste.Für den Klöppel der Glocke wurde ein G3-Gewehr integriert.Der Künstler hat die Glocke und ihre Zier selbst entworfen.Auch die Frauenkirche hat eine Friedensglocke. Sie heißt Jesaja und ist die größte im Geläut.Die Glockezier verbildlicht das Bibelwort "Schwerter zu Pflugscharen".Auch die fallenden WTC-Türme von 9/11 sind zu sehen, da die Zier damals entstand.
Michael Patrick Kelly liegt das Thema Frieden sehr am Herzen.
Seine Glocke nimmt er mit auf Konzerte und stellt sie auch aus.
Die Zier zeigt u. a. das Gebot "Du sollst nicht töten".
Dafür verwendete er Munitionsreste.
Für den Klöppel der Glocke wurde ein G3-Gewehr integriert.
Der Künstler hat die Glocke und ihre Zier selbst entworfen.
Auch die Frauenkirche hat eine Friedensglocke. Sie heißt Jesaja und ist die größte im Geläut.
Die Glockezier verbildlicht das Bibelwort "Schwerter zu Pflugscharen".
Auch die fallenden WTC-Türme von 9/11 sind zu sehen, da die Zier damals entstand.

Friedensglocken weltweit

Auf der ganzen Welt finden sich heute Glocken, die in Erinnerung an Kriegsleid zum Frieden mahnen. Wir haben einige der bekanntesten zusammengestellt.

1950 | Peace bell | Uwajima
Der Japaner Chiyoji Nakagawa lässt aus seinem Militärschwert und Münzen aus 26 Ländern als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzene Tempelglocke seiner Heimatstadt eine erste Friedensglocke gießen.

1954 | Weltfriedensglocke | New York
Als Geschenk Japans steht die Glocke im UN-Hauptquartier als Zeichen für Hoffnung und Frieden. 65 Mitgliedsnationen und der Vatikan gaben Münzen, Japaner übergaben auch Stichblätter und Projektile. Die Glocke wird am Weltfriedenstag (21.9.) und zum Frühlingsbeginn geläutet.

1964 | Peace bell | Hiroshima
Die Glocke hängt im Friedenspark der Stadt. Ihre Zier zeigt eine Welt ohne Grenzen, an der Schlagstelle befindet sich ein Atomsymbol. Jedes Jahr am 6. August läutet sie 8:15 Uhr, dem Zeitpunkt der Atombombendetonation, eine Schweigeminute ein.

1977 | Peace bell | Nagasaki
Die Reverenz an eine Angelus-Glocke, die den Atombombenangriff überstanden hatte, befindet sich im Friedenspark der Stadt. Auch sie wird am Jahrestag der Bombardierung zur Erinnerung und Mahnung geläutet.

1989 | Weltfriedensglocke | Berlin
Eine weitere Kopie der ersten japanischen Glocke, diesmal aus Münzen der damaligen 104 UN-Mitgliedsstaaten einschließlich zwei Kilo DDR-20-Pfennig-Stücke, steht in Berlin-Friedrichshain.

1999 | Kambana e Paqes | Tirana
Die Glocke erinnert an den blutigen Bürgerkrieg 1997 und mahnt zu Aussöhnung und Verständigung. Auf Initiative eines Geistlichen sammelten Kinder für die Herstellung Patronenhülsen.

2003 | Friedensglocke Jesaja | Dresden
Die Glocke wurde als eine von sieben neuen in Bad Friedrichshall hergestellt. Ihr Ruf erinnert werktags nach dem 12 Uhr Stundenschlag an die »flackernde Sehnsucht nach Frieden« (Christian Lehnert). Ihre Zier zeigt u. a. die Angriffe auf das World Trade Center 2001.

2018 | #PeaceBell | ortsungebunden
Als Zeichen für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung lässt Michael Patrick Kelly aus Kriegsschrott seine Friedensglocke gießen. In seinen Konzerten läutet sie eine Schweigeminute ein.

Michael Patrick Kelly spricht über sein Projekt

Als Auftakt der Präsentation der Glocke ist der Künstler in der Frauenkirche zu Gast. Am Sonntag, dem 8. November, berichtet er in einem Peace Talk über seine Motivation, die Botschaft der Glocke und die Bedeutung eines friedfertigen Miteinanders.

Aufgrund der geltenden Gesundheitsschutzmaßnahmen wird es kostenfreie personengebundene Einlasstickets geben. Diese sind ab dem Weltfriedenstag, dem 21. September 2020, 10 Uhr ausschließlich per E-Mail beim Ticketservice der Stiftung Frauenkirche reservierbar. (WEITERE INFORMATIONEN HIER

Die #PeaceBell ist danach bis zum 18. November im Rahmen der Offenen Kirche bei freiem Eintritt zu besichtigen. Um eine Spende zur Unterstützung der Friedensarbeit der Frauenkirche Dresden wird gebeten. Im Rahmen der Gottesdienste und Andachten während der FriedensDekade wird das Thema »Umkehr zum Frieden« überdies verschiedentlich aufgegriffen und Raum bieten, über unser aller Beitrag zum (Un-)Frieden nachzudenken.

Die #PeaceBell in der Frauenkirche

Die #PeaceBell von Michael Patrick Kelly ist vom 08. bis 18. November im Hauptraum der Frauenkirche Dresden aufgestellt. Der Zutritt ist frei. Um eine Spende am Ausgang wird gebeten.

Vorstellung der Glocke im Rahmen eines Peace Talks »Umkehr zum Frieden«
Sonntag, 08.11. 13 Uhr | Eintritt frei, personengebundene Einlasstickets erforderlich | MEHR ERFAHREN

Zeiten der Offenen Kirche nach aktuellem Stand
Sonntag 08.11. 14.30-16.30 Uhr | Dienstag 10.11. bis Freitag 13.11. 13.00-18.00 Uhr | Samstag 14.11. 13.00-14.00 Uhr | Sonntag 15.11. 12.30-16.30 Uhr | Montag 16.11. bis Dienstag 17.11. 13.00-18.00 Uhr
(Änderungen möglich; bitte prüfen Sie die aktuellen Zeiten im VERANSTALTUNGSKALENDER.)

Die gemeinsame Botschaft der FriedensDekade und der #PeaceBell wird überdies Eingang in den täglichen Andachten »Wort und Orgelklang«, in Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungsformaten im genannten Zeitraum aufgegriffen.