Eine Glocke für den Frieden

Vom 26. April bis zum 8. Mai ist Michael Patrick Kellys #PeaceBell in der Frauenkirche zu sehen. In einem Peace Talk schildert der Künstler die Motivation zu seinem Projekt.   

Schon vor anderthalb Jahren wollte die Frauenkirche das Thema Frieden mit der Ausstellung von Michael Patrick Kellys #PeaceBell wortwörtlich an die große Glocke hängen. Corona macht dies unmöglich, doch die Idee des Projektes blieb. Wenn nun die aus Kriegsschrott hergestellte Glocke für knapp zwei Wochen im Hauptraum zu sehen sein wird, erlangt die Ausstellung durch den Angriff Russlands auf die Ukraine eine unerwartet traurige Aktualität.

»In einer Welt voller Aufruhr und Krieg soll die Friedensglocke davor warnen, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen«, erklärt Michael Patrick Kelly. »Die #PeaceBell soll bewusstmachen, wie wichtig eine Abkehr von Radikalismus und Gewalt ist. Ihr Klang erinnert uns, was es zu bewahren gilt: gegenseitigen Respekt und Zusammenhalt.«

Im Frühjahr 2017 liest ein junger Künstler einen Bericht darüber, wie die deutsche Rüstungsindustrie in beiden Weltkriegen durch das Einschmelzen von Glocken am Laufen gehalten wurde. Er ist Christ; der Gedanke, dass Glocken in den Krieg zogen, anstatt zum Frieden aufzurufen, trifft ihn. Doch weil sein Glaube und seine eigene Biografie zeigen, dass auch zuvor undenkbare Wandlungen möglich sind, wächst in ihm eine Idee: Was, wenn man den Weg umkehrt? Wenn aus Munition wieder eine Glocke entsteht? Eine Glocke für den Frieden?

Dieser Künstler ist Michael Patrick Kelly. Einst Mitglied einer erfolgreichen Familienband, dann zurückgezogener Mönch in einem Kloster im französischen Burgund, heute Solo-Musiker, bildender Künstler und Friedensaktivist. Er liest, skizziert, plant. Er fährt nach Verdun, Schauplatz einer der längsten und verlustreichsten Schlachten im Ersten Weltkrieg. Dort sammelt er Munitionsreste und lässt daraus in einer traditionsreichen Gießerei eine Friedensglocke herstellen: eine #PeaceBell.

Für den Klöppel nutzt er ein Gewehr. Es soll nicht mehr den Tod bringen, sondern Friedensrufe senden. Auf der Glocke sind das Gebot »Du sollst nicht töten« und der biblische Schriftzug »Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden« zu lesen. Anlässlich des 100. Jahrestages des Endes des Ersten Weltkrieges am 11. November 2018 erklingt die #PeaceBell das erste Mal. Seither hat sie tausende Menschen zum Nachdenken über ein friedvolles Miteinander gebracht.


Weitere Informationen

artstar #Peacebell | Künstler Michael Patrick Kelly

Acht Glocken hat das Geläut der Frauenkirche. Die größte Glocke ist die Friedensglocke Jesaja. Der tiefe Ruf der 1.750 kg schweren Glocke, der werktäglich 12 Uhr zu hören ist, lässt bereits seit über 15 Jahren den Wunsch nach Friedfertigkeit und Verständigung in uns nachhallen. Übrigens: Das Bibelwort, das Michael Patrick Kelly für seine #PeaceBell ausgewählt hat, ist in der Fassung des Propheten Jesaja auch auf der Friedensglocke der Frauenkirche zu lesen.  

Das Projekt #PeaceBell soll in all seinen Dimensionen darauf aufmerksam machen, wie wichtig eine Abkehr von Radikalismus und polarisierenden Tendenzen in der Gesellschaft ist und warum Frieden mehr bedeutet, als die bloße Abwesenheit von Waffen.

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Die #PeaceBell in der Frauenkirche

Von Dienstag 26. April bis zum Sonntag 8. Mai ist die #PeaceBell in der Frauenkirche zu sehen. Sie ist im Hauptraum ausgestellt und im Rahmen der Offenen Kirche zugänglich. Der Eintritt ist frei, um Spenden am Ausgang wird gebeten. Der Zeitraum der Ausstellung verbindet zwei historische Daten: Am 26. April 1937 zerstörte die deutsche Luftwaffe die baskische Kleinstadt Guernica – ein Angriff, der als Geburtsstunde des modernen Luftkrieges gilt. Der 8. Mai markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa.

Außerdem wird die Botschaft der Glocke in die täglichen Andachten sowie in die sonntäglichen Gottesdienste einfließen.

Am 8. Mai ist Michael Patrick Kelly für einen Peace Talk zu Gast. Im Gespräch mit Friedensreferent Andreas Dieterich wird er die Idee hinter dem Projekt und die Botschaft vermitteln, die durch den Ukraine-Krieg aktueller denn je ist. Gäste benötigen ein kostenfreies Einlassticket, das ab dem 12. April ausschließlich online buchbar ist.

Die #PeaceBell Idee

In beiden Weltkriegen wurden über 150.000 Kirchenglocken eingeschmolzen, um Metall für die Waffenproduktion zu gewinnen. Das #PeaceBell-Projekt kehrt den Gedanken um.

Die Botschaft

Auf der Glocke sind das Gebot »Du sollst nicht töten« und der biblische Schriftzug »Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden« zu lesen.

Umkehr zum Frieden

Aus originalen Waffen und Kriegsschrott wird wieder eine Glocke. Sie soll für den Frieden läuten. Michael Patrick Kelly versteht es als ein Symbol des Wandels.

Klang des Friedens

„Die PeaceBell ist ein universelles Instrument des Friedens, das Menschen mit verschiedenstem politischen, religiösen und kulturellen Background zusammenhalten soll.“

Friedensglocke der Frauenkirche

Auch die Frauenkirche hat eine Friedensglocke. Ihre Glockenzier zeigt das Gleichnis eines als Pflugschar genutzten Schwertes ebenso wie die einstürzenden New Yorker Twin Towers.