Auf das Bauwerk hören

Thomas Gottschlich

Auch 2020 bleibt die Frauenkirche zu Jahresbeginn eine knappe Woche für Wartungsarbeiten geschlossen. Wir haben mit Stiftungsarchitekt Thomas Gottschlich über die anstehenden Maßnahmen und seine Herangehensweise an die Planungen gesprochen.

Warum liegt die Schließzeit eigentlich immer im Januar?

Thomas Gottschlich: Wir haben damit gute Erfahrungen gesammelt. Im dreizehnten Jahr in Folge nutzen wir die veranstaltungs- und besucherarme Zeit, um wichtige Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten in der Frauenkirche durchzuführen. Üblicherweise nutzen wir dafür immer die erste vollständige Woche nach dem Dreikönigstag. Weil dieser 2020 an einem Montag ist, beginnen die Arbeiten also am 13. Januar und dauern voraussichtlich sechs Tage. Die brauchen wir für die Vielzahl an Aufgaben, die nacheinander abgearbeitet werden sollen.

Aber das ist nicht die einzige Zeit, in der Maßnahmen zum Gebäudeerhalt durchgeführt werden?

Thomas Gottschlich: Nein. Inspektionsarbeiten im Außenraum finden vom Frühling bis zum Herbst statt. Dazu zählen hauptsächlich die aufgrund des momentanen Bauzustandes alle fünf Jahre notwendigen Befahrungen der gesamten Außenhaut der Frauenkirche, aber auch die Begehungen von bauphysikalisch komplexen Raumeinheiten wie den Treppentürmen, dem Wendelgang, der Laterne, der Innenkuppel und den Glockenstuben, die in kürzeren Zeitabschnitten erfolgen. Auch das Nachverfugen des Kirchensandsteinsockels, der Sandsteinplatten und der Treppeneingänge wird im Laufe des Jahres als laufende Bauunterhaltung erledigt.

Wer kann mit diesen teils außergewöhnlichen Arbeiten betraut werden?

Thomas Gottschlich: Die Kirchbauverwaltung der Stiftung Frauenkirche Dresden führt diese Arbeiten seit 2006 mit zuverlässigen Partnern durch. Nach Möglichkeit sind es noch Handwerker aus der Wiederaufbauzeit. Ihr konkretes Wissen ist und bleibt enorm wichtig. Dank ihres langjährigen Erfahrungsschatzes können die vielen Arbeiten parallel und in kürzest möglicher Zeit ausgeführt werden.

Doch sicherlich macht sich auch hier ein Generationswechsel bemerkbar?

Thomas Gottschlich: Natürlich erleben auch wir, dass es im Handwerk Veränderungen gibt. Manche Firma wurde aufgegeben oder es sind ältere Mitarbeiter ausgeschieden, die die Frauenkirche noch aus Bauzeiten kannten. Deshalb achten wir darauf, das viel dokumentiert wird und dass immer auch jüngere Handwerker einbezogen werden. So können sie ganz praktisch von den langjährig Verbundenen lernen. Auf diese Weise hoffen wir, beständig Wissen aus der Erbauungszeit in die Gegenwart weiterzutragen.

Was steht im Januar 2020 auf dem Aufgabenzettel?

Thomas Gottschlich: Es ist die gewohnte Vielfalt: Elektrowartungsarbeiten, Instandhaltungsmaßnahmen am Gestühl, an den Türen und Wänden sowie diverse Reinigungsarbeiten sind Dinge, die immer anstehen. Die Holzfußbodennachbearbeitung auf der 1. Empore geht weiter. Erstmalig werden wir die Trafostation für einige Nächte und eventuell sogar über den Tag hinweg für Wartungsmaßnahmen abschalten.

Blicken Sie schon über die nächste Schließzeit hinaus?

Thomas Gottschlich: Der Bauwerkserhalt ist eine dauerhafte Aufgabe, die langfristige und übergreifende Planungen erfordert. Meine Prämisse dabei ist, dass das Bauwerk die Anforderungen an die Ausführenden stellt. Wir sind jeweils aufgerufen, adäquate Antworten zu suchen, zu finden und zu realisieren. Diese Herausforderung nehmen wir ebenso an wie die, die finanzielle Unterstützung dafür einzuwerben. Nur wenn Menschen weiterhin bereit sind, den Bauwerkserhalt mit Spenden zu unterstützen, werden wir das hohe Niveau halten können.

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Dipl.-Ing. Thomas Gottschlich ist der Leitende Architekt der Stiftung Frauenkirche Dresden. Während des Wiederaufbaus war er von 1997 bis 2005 als Architekt der Baudirektion und als Vertreter des Baudirektors auf der Baustelle tätig. Seit 1999 ist er Mitglied der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister e. V. Seit 2009 verantwortet er den Bauwerkserhalt der Frauenkirche Dresden.

Frauenkirche schon bald wieder Offene Kirche

Schließtage 2020:
Montag 13.01. bis Samstag 18.01.


In dieser Zeit finden keine Veranstaltungen statt und es sind weder der Besuch des Kirchraumes, der Unterkirche oder des Kuppelaufstiegs möglich. Wir bitten um Verständnis.

Die nächsten Besuchsmöglichkeiten sind:
ab Freitag, 17. Januar: 
Kuppelaufstieg (10-16 Uhr, So ab 12:30 Uhr)
Sonntag, 19. Januar:
11 Uhr Gottesdienst | 13:00–16:30 Uhr Offene Kirche | 18 Uhr Gottesdienst 
(siehe auch: Veranstaltungskalender)

Helfen Sie mit!

Da die Erhaltung des Frauenkirche ausschließlich über Spenden finanziert wird, sind wir auf die Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender angewiesen. Bitte helfen Sie mit Ihrem Engagement, die Frauenkirche zu bewahren! Vielen Dank!

Spendenkonto Stiftung Frauenkirche Dresden
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