»Städte im Krieg – Städte für den Frieden«

Vortragsreihe über Städte in Deutschland, Europa und der Welt mit historischen, politischen und ethischen Bezügen zu Krieg und Frieden

Seit dem Aufkommen der Nationalstaaten sind Städte nicht mehr die Verursacher und Auslöser von Kriegen. Sie sind die ersten Betroffenen. Gleichwohl können sich Städte ihrerseits engagieren für die Erinnerung an den Krieg, dessen Ursachen und Folgen sowie für eine Friedenspolitik, die Kriege zu vermeiden sucht.

In der Veranstaltungsreihe »Städte im Krieg - Städte für den Frieden« kommen monatlich Vertreter und Gäste aus verschiedenen Städten Deutschlands, Europas und der Welt zu Wort. Sie berichten mit historischen, politischen und ethischen Bezügen über das, was Krieg und Frieden für sie und „ihre“ Stadt bedeutet, über die Art und Weise des Erinnerns und Mahnens. Sie stellen sich dem Austausch mit Experten und dem Gespräch mit dem Publikum.

Die Veranstaltungen finden i.d.R. in der Unterkirche der Frauenkirche statt. 
Sie stehen allen Interessierten bei freiem Eintritt offen.

Termine 2018

An dieser Stelle geben wir alle Termine der Veranstaltungsreihe bekannt.
Die Liste wird fortgeschrieben. 

Di, 23.01., 19:30 Uhr | Mostar – Bosnien-Herzegowina

Auftaktveranstaltung

»Die Brücke über der Neretva: Krieg und Frieden in Mostar«
PD Dr. Norbert Spannenberger

Die „Alte Brücke“ (Stari most) in Mostar gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 1556-1566 im Auftrag von Sultan Süleyman I., dem Prächtigen erbaut. 1993 wurde sie im Bosnienkrieg wegen ihrer Symbolkraft zerstört: Die Steinbrücke galt als Verbindung zwischen der christlichen und der islamischen Welt. 2004 konnte sie mit internationaler Hilfe wiederhergestellt werden. Wegen ihrer architektonischen Einzigartigkeit und Symbolkraft wurde sie am 15. Juli 2005 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die UNESCO würdigte die Brücke als „Symbol der Versöhnung und internationalen Zusammenarbeit (…) und (…) Symbol für das Zusammenleben von verschiedenen religiösen, kulturellen und ethnischen Gemeinden“. Seit 2004 wird der jährliche Friedenspreis von Mostar vom Zentrum für Frieden und multiethnische Kooperation vergeben.

PD Dr. Norbert Spannenberger wurde 1969 in Fünfkirchen/Pécs (Ungarn) geboren. Studium der Geschichte Ost- und Südosteuropas, Neuere und Neueste Geschichte und Politische Wissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München. 1999 Promotion über den "Volksbund der Deutschen in Ungarn 1938-1944". Von 1999-2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am interdisziplinär und international ausgerichteten Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) an der Universität Leipzig. 2004-2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bern, bis 2010 am GWZO und danach am Lehrstuhl für Ost- und Südosteuropäische Geschichte in Leipzig. 2011 Habilitation an der Universität Leipzig. Lehraufträge in Leipzig, Bern und Fünfkirchen/Pécs.

Di, 20.02., 19:30 Uhr | Tokio – Japan

»Tokio. Das Inferno am 10. März 1945 und heute«

Eiichi Kido, japanischer Politikwissenschaftler

Eiichi Kido studierte Germanistik an der T?ky? Gaikokugo Daigaku. 1988 promovierte er an der Hitotsubashi-Universität, wo er bis 1990 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Danach war er Assistant Professor und ab 1994 Associate Professor im Fachbereich Internationale Politik an der Universität Osaka mit einem Schwerpunkt für Deutsche Politik. Mehrere Gastaufenthalte führten Eiichi Kido nach Deutschland, darunter 2000 eine einjährige Tätigkeit als Lektor für den Deutschen Akademischen Austauschdienst an der Universität Leipzig und 2008 ein Forschungsaufenthalt an der Freien Universität Berlin. Kido engagiert sich aktiv gegen die wachsende Militarisierung und nukleare Aufrüstung Japans und für den Erhalt des Verfassungsartikels, der einen Verzicht auf Krieg und militärische Gewalt beinhaltet. 

Di, 13.03., 19:30 Uhr | Ronchamp – Frankreich

»Les larmes se ressemblent – Tränen schmecken immer nach Tränen«
Kriegserfahrung, Kunst und eine Kapelle für den Frieden: Ronchamp im Zweiten Weltkrieg

Dr. Bérénice Zunino, Université de Franche-Comté, Besançon

Bérénice Zunino ist Germanistin, Historikerin und Maître de conférences an der Université de Franche-Comté Besançon. Sie studierte Germanistik und deutsche Geschichte an der Pariser Sorbonne. Sie war u.a. Dozentin am Alliierten Museum Berlin und Stipendiatin am Institut Français d’Histoire en Allemagne. 2014 wurde sie mit einer Arbeit zur deutschen Kinderkriegskultur promoviert. 

Di, 24.04., 19:30 Uhr | Moskau – Russland

»Moskau und die Moskauer in den Jahren des Zweiten Weltkriegs«
Vortrag und anschließendes Gespräch (mit Simultanübersetzung)'
Sergej Žuravlëv, stellvertretender Direktor des Instituts für russische Geschichte der Akademie der Wissenschaften Russlands (IRI RAS)

Sergej Žuravlëv studierte am Staatlichen Archiv für Historische Archive (MGIAI) in Moskau und an der Staatlichen Russischen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU). 2001 wurde er mit einer Arbeit zu Ausländern in der Sowjetunion in 1920er bis 1930er Jahren zum Doktor der Geschichtswissenschaften promoviert. Zu seinen Forschungsfeldern gehören die Geschichte Russlands im 20. und 21. Jahrhundert, die Geschichte von Unternehmen und Arbeitskollektiven und des postsozialistischen Russlands. Er ist Mitglied in Redaktionsvorständen mehrerer Fachpublikationen und im Promotionsrat Irans und RAGS. Seit Februar 2011 ist Sergej Žuravlëv Stellvertretender Direktor für wissenschaftliche Arbeit der IRI RAS.

Di, 29.05., 19:30 Uhr | Mühlhausen – Deutschland

»Thomas Müntzer - Bauernführer, Erzteufel oder Protokommunist? Vom Umgang der Stadt Mühlhausen mit einem unbequemen Reformator«

Dr. Thomas T. Müller
, Direktor der Mühlhäuser Museen und 
Vorsitzender der Thomas-Müntzer-Gesellschaft

Wer war Thomas Müntzer (1489-1525), den das Henkersschwert traf, weil er das von ihm am Ende mit aller Konsequenz vertretene Recht auf Widerständigkeit und der Forderung nach Umkehr, die sein Leben als kategorisches Prinzip durchzogen hat, nicht aufgeben wollte? War Müntzer nun ein bedeutender Reformator, gar der Erzteufel, wie ihn Luther nannte, oder am Ende vielleicht doch jener Protokommunist, für den ihn die Ideologen gehalten haben? Dr. Thomas T. Müller wird in seinem Vortrag Auskunft geben über Leben und Werk des unbequemen Predigers, aber auch über den im Laufe der Jahrhunderte durchaus heterogenen Umgang der Stadt Mühlhausen mit jenem „ungeliebten Bruder“ Martin Luthers. Im Nachgang der Lutherdekade kann damit der Blick auch ein wenig geweitet werden auf einen Theologen, der abseits des Wittenberger Weges Martin Luthers eigene reformatorische Gedanken entworfen hat.

Dr. Thomas T. Müller, Jg. 1974, studierte in Göttingen, Erfurt und Potsdam Mittlere und Neuere Geschichte, Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Archivwissenschaften. Seine Magisterprüfung legte er im Jahr 2001 bei Prof. Dr. Ernst Schubert in Göttingen ab. Von 1999 bis 2005 leitete Müller das Stadtarchiv Heilbad Heiligenstadt. Seit 2006 ist er Direktor der Mühlhäuser Museen. 2016 wurde Müller in Hannover bei Prof. Dr. Michael Rothmann mit einer Arbeit zu Frühreformation und Bauernkrieg im Umfeld der Reichsstadt Mühlhausen promoviert. Seit 2016 ist Thomas T. Müller Vorsitzender der internationalen Thomas-Müntzer-Gesellschaft, 2017 wurde er in die Historische Kommission für Thüringen berufen. Müller ist Autor bzw. Herausgeber mehrerer Monografien, zahlreicher Sammelbände und von mehr als 70 Aufsätzen zur Reformationsgeschichte, zur Wallfahrtsgeschichte, zum Bauernkrieg sowie zur Thüringer und Eichsfelder Landesgeschichte. Gastvorträge führten ihn unter anderem nach Großbritannien, Korea, Belgien, Luxemburg, Österreich, Russland, Rumänien, Ungarn, Tschechien und Polen. (Weitere Angaben HIER.)

Di, 26.06., 19:30 Uhr | Magdeburg – Deutschland

Die "Magdeburger Bluthochzeit" am 10. Mai 1631 - Das Ereignis und seine europäischen Wirkungen

Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Matthias Puhle
(Historiker und Kulturbeigeordneter der Landeshauptstadt Magdeburg)
Musik: Thomas Friedlaender (historische Blas- und Perkussionstrumente)

Die Magdeburger Hochzeit (auch Magdeburgs Opfergang oder danach ganz allgemein Magdeburgisieren) bezeichnet die Verwüstung der Stadt Magdeburg am 10. Maijul. / 20. Mai 1631greg. durch kaiserliche Truppen unter Tilly und Pappenheim im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges. In drei Tagen hatte eine Soldateska im Blutrausch 20.000 Menschen ermordet und dabei solche Gräuel begangen, dass Ausschreitungen dieser Art künftig einen Namen hatten: »Magdeburgisierung«. Der Begriff soll die erzwungene Vermählung zwischen dem Kaiser und der Jungfrau Magdeburg beschreiben, die auf dem Wappenschild der Stadt abgebildet ist und sich über 100 Jahre gegen Zahlungen an den Kaiser gewehrt hatte. Professor Matthias Puhle hat sich mit diesem Thema befasst und dazu publiziert. Von 1991 bis 2012 war er Leitender Museumsdirektor der Magdeburger Museen und Direktor des Magdeburger Kulturhistorischen Museums.

Di, 28.08., 19:30 Uhr | Oranienburg – Deutschland

»Bomben auf Oranienburg. Das schwere Erbe einer märkischen Kleinstadt«

Diplom-Historikerin Manuela Vehma, Leiterin des Kreismuseums Oberhavel

Wer Luftaufnahmen von Oranienburg im März 1945 sieht, kann das Ausmaß der Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges ermessen. 20.000 Bomben fielen während des von Deutschland in die Welt getragenen Krieges auf die Kleinstadt im Norden Berlins. Auch sieben Jahrzehnte später sind sie noch im kollektiven Bewusstsein, weil Hinterbliebene erinnern und weil bis heute immer wieder Blindgänger gefunden werden. Der amerikanische Filmemacher Rick Minnich, der sich mit diesem Thema beschäftigte, beschrieb es als "eine groteske Spätrache" seiner Landsleute, "als ob die Deutschen nie aus ihrer grässlichen Vergangenheit entlassen werden dürften." In ihrem Vortrag wird Manuela Vehma sowohl die Hintergründe und Folgen der Bombardierung beleuchten als auch zeigen, wie eine Stadt heute mit seinem historischen Erbe umgeht.

Di, 18.09., 19:30 Uhr | Bethlehem - Palästinensische Autonomiegebiete

Vortrag und Gespräch

"Bethlehem"

Anton Salman, Bürgermeister von BethlehemDr. Hiyam Marzouqa, Chefärztin des Caritas Baby Hospital Bethlehem

Di, 16.10., 19:30 Uhr | N.N.

Di, 06.11., 19:30 Uhr | Coventry - Großbritannien

»Coventry – Vom Trauma zum Vertrauen? Friedens- und Vertrauensstiftung vor dem Hintergrund traumatischer Geschichte«

Dr. Frens Kroeger
Centre for Trust, Peace and Social Relations der Universität Coventry (Großbritannien)

Veranstaltung der Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e. V. in Kooperation mit dem Dresdner Geschichtsverein e.V. und der Sächsischen Staatskanzlei

gefördert im Rahmen des Landesprogramms »Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz«

mit Unterstützung von MEMORARE PACEM Gesellschaft für Friedenskultur e.V.

Die Reihe wird veranstaltet durch die Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e.V. in Kooperation mit dem Dresdner Geschichtsverein e. V.

Gefördert im Rahmen des Landesprogramms »Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz«