Ihr seid gefragt!

Im Herbst 2018 kommt eine besondere Friedensstifterin nach Dresden: Ellen Johnson Sirleaf. Sie wurde 2011 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. In der Frauenkirche stellt sie ihre Friedensvisionen vor – und ist gespannt auf eure! Deshalb rufen die Stiftung Frauenkirche Dresden und Ellen Johnson Sirleaf euch zum Schülerwettbewerb »pax AN« auf.

Anhand einer konkreten Aufgabenstellung seid ihr eingeladen, eure Ideen für eine friedvollere Welt mitzuteilen. Nach 2014, 2016 und 2017 ist es bereits das vierte Mal, dass Schülerinnen und Schüler auf diese Weise eigene Lösungsansätze entwickeln und ganz prominent präsentieren können.

»pax AN«: Darum geht's 2018

Mehr als 65 Millionen Menschen sind aktuell weltweit auf der Flucht. Die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Viele von ihnen verlassen ihre Heimat aufgrund von Krieg, Hunger und Perspektivlosigkeit. Die wenigsten überschreiten dabei Ländergrenzen oder gar Kontinente: 40 Millionen Menschen suchen innerhalb ihrer eigenen Länder einen neuen Ort zum Leben. Besonders betroffen sowohl von Binnenmigration als auch von Zuwanderung sind Entwicklungsländer.

Für Ellen Johnson Sirleaf zählt Migration zu den »entscheidenden Themen unserer Zeit«. Als eine Frau, die einen Großteil ihres Lebens nicht in ihrer Heimat verbrachte – sei es, weil sie nach besserer Bildung strebte und freiwillig ins Ausland ging oder weil sie später aufgrund politischer Verfolgung ins Exil gezwungen wurde – fordert und fördert sie einen neuen Umgang mit Migration und Integration. Auch deshalb kommt sie nach Dresden und hat die folgende Wettbewerbsaufgabe eigens für euch formuliert:

»Home is where the future is – Outline key elements qualifying a region as worth living in and to care for«

»Zuhause ist, wo Zukunft ist – Skizziert Schlüsselfaktoren für eine Region, in der man gern heimisch bleibt und sich für sie einsetzt«

Natürlich müssen es nicht Krieg und Konflikte sein, die gerade junge Menschen dazu veranlassen, die Heimat zu verlassen. Sicher habt ihr noch viele weitere Beispiele im Kopf. Wie steht ihr dazu? Sagt uns, Mrs Johnson Sirleaf und der Welt, was ihr denkt: Wie bleibt man da heimisch, wo man geboren wurde und wie macht man sich den Ort, an den man geht zur neuen Heimat? Wir sind gespannt! Und ohne zu viel vorweg zu nehmen: Es lohnt, eure Ideen mitzuteilen. Denn einige der Wettbewerbsteilnehmer werden über ihre Gedanken und Ziele mit der Friedensnobelpreisträgerin persönlich ins Gespräch kommen können!

Wer kann mitmachen?

Aufgerufen sind Schülerinnen und Schüler aus ganz Sachsen ab der Klassenstufe 9. Um das gemeinsame Arbeiten zu stärken und weil man Frieden nicht im Alleingang erreichen kann, richtet sich der Wettbewerb ausdrücklich an Gruppen. Bildet Teams von fünf bis acht Mitgliedern, um miteinander das Wettbewerbsthema zu bearbeiten. 

Seid dabei!

Wenn das auf euch passt, macht mit:

  • neugierig & engagiert
  • kreativ & weltverbesserisch
  • eine Gruppe mit 5-8 Mitgliedern
  • Schülerinnen & Schüler aus Sachsen
  • mindestens in Klasse 9

Was könnt ihr einreichen?

Wie ihr euren Wettbewerbsbeitrag gestaltet, könnt ihr selbst entscheiden. Vielleicht wollt ihr ein Plakat oder eine Wandzeitung entwerfen? Oder eine Webseite? Ihr könnt ein Essay verfassen oder ein Zukunftsszenario skizzieren. Ihr könnt einen Radiobeitrag aufnehmen, ein Hörspiel einsprechen, einen Kurzfilm drehen. Ihr könnt einen Argumentationswettstreit dokumentieren, eine Schülerzeitung zusammenstellen oder einen Blog einrichten. Ihr könnt euch ein Brettspiel ausdenken, einen Comic zeichnen oder musikalisch an das Thema herangehen. Oder es noch ganz anders bearbeiten.

Wichtig ist, dass euer Beitrag

  • dem Betrachter klar vermittelt, was eure Antwort auf die Fragestellung ist. Bei künstlerischen Einreichungen kann ein begleitender erläuternder Text sinnvoll sein.
  • digital in gängigen Dateiformaten (z.B. PDF, MP3, MP4) einreichbar bzw. im Falle einer Webseite bereits online abrufbar ist.
  • eine angemessene Länge (max. 12 Seiten), Dauer (max. 8 min) bzw. Größe (bei Plakaten A0) hat.
  • Quellen ausweist und ihr auf Rechte achtet, so ihr Informationen und Materialien anderer einbindet.

Die Beiträge können gleichberechtigt auf Deutsch oder auf Englisch eingereicht werden.

Was gibt es zu gewinnen?

Gleich drei Preisträgergruppen des Schülerwettbewerbs »pax AN« 2018 dürfen sich auf eine besondere Ehrung freuen: Sie erhalten die Gelegenheit zu einer persönlichen Begegnung mit der Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf.

Wenn deine Gruppe zu den Gewinnern zählt, verbringt ihr einen ereignisreichen Tag in Dresden. Neben einer ausführlichen thematischen Erkundung der Frauenkirche und dem Austausch mit den anderen Gewinnergruppen bekommt ihr in einer Feierstunde eure Gewinnerurkunde aus den Händen von Ellen Johnson Sirleaf überreicht. Im Anschluss könnt ihr während einer 45-minütigen Unterredung Ideen austauschen und Fragen stellen. Am Abend zählt ihr zu den Ehrengästen bei ihrer Rede. Wenn ihr durch Lehrer oder Betreuer unterstützt wurdet, gibt es für sie einen besonderen Programmpunkt im Anschluss an die Rede. Damit ihr auf all das vorbereitet seid, findet ein Vorabtreffen in eurer Schule statt.

Und auch an jene, die nicht zu den Gewinnern zählen, wird gedacht: Allen Gruppen wird angeboten, bei der Friedensnobelpreisträgerrede in der Frauenkirche dabei zu sein. 

Die Preise

für drei Gewinnergruppen:

  • Thementag in der Frauenkirche
  • Treffen mit der Friedensnobelpreisträgerin
  • Ehrengast-Status bei der Rede
  • von der Nobelpreisträgerin, dem Landesbischof und dem Ministerpräsidenten unterzeichnete Urkunde

Wer bewertete die Beiträge?

Eine fachkundige Jury bestehend aus Experten für Friedens- und Sicherheitsfragen einerseits, Studierenden andererseits sowie Schülern, die beim letzten Schülerwettbewerb als Preisträger hervorgegangen sind, bewerten eure Wettbewerbsbeiträge. Die Jurymitglieder schauen u.a. auf die Tiefe und/oder Breite der Auseinandersetzung mit dem Wettbewerbsthema, auf die inhaltliche und gestalterische Qualität der Einreichungen und auf die Kreativität bei der Umsetzung. Die Einreichungen werden unter Berücksichtigung der Schulform bewertet, die Sprache (deutsch oder englisch) ist hingegen unerheblich.

So seid ihr dabei

Anmeldung

Zunächst zeigt ihr nur euren Teilnahmewunsch an.
Die Deadline hierfür ist Dienstag, der 24. April 2018.

Bitte füllt dafür das unten verlinkte Online-Formular aus. Ihr selbst, ein Lehrer oder Betreuer können das tun. Dort gebt ihr an, wer ihr seid, was ihr plant und wer voraussichtlich zu eurem Team gehört. Die Anmeldungen selbst sehen wir als verbindlich an; die Angaben zum Beitrag sind vorläufig können sich im Laufe der Bearbeitung noch ändern.
Kein Problem. 


Einreichung

Euren Wettbewerbsbeitrag erwarten wir dann bis
Dienstag, den 26. Juni 2018.

Alle Beiträge müssen in einer digitalen / digitalisierten Form in gängigen Dateiformaten (z.B. .pdf, .doc, .ppt, .mp3, .wmv, .mpg, .avi, .mov) in einer Cloud gespeichert werden, deren URL im Formular anzugeben ist. Zusätzlich kann bei Einreichungen wie Essays, Wandzeitungen oder Zeitschriften eine gedruckte Version zugeschickt werden. Webseiten, Weblogs o.ä. müssen online gestellt sein; übermittelt wird nur die URL.

Und hier noch einige Hintergrundinfos

Wer ist Ellen Johnson Sirleaf?

Ellen Johnson Sirleaf ist eine afrikanische Friedensaktivistin, Wirtschaftsexpertin und Politikerin. Als erste Frau ihres Kontinents wurde sie demokratisch in das Amt eines Staatsoberhauptes gewählt. Bis vor wenigen Wochen war sie Präsidentin ihres Heimatlandes Liberia.

Nach ihrer Schulausbildung in Monrovia studierte sie an verschiedenen amerikanischen Universitäten, darunter in Harvard. Zurück in Afrika, ging sie in die Politik und stieg bis zur Finanzministerin auf. Da sie sich aber mit den Führern des Militärregimes ihres Landes überwarf, wurde sie mehrfach eingesperrt und ging schließlich ins Exil. In dieser Zeit arbeitete sie u.a. für die Weltbank und die Vereinten Nationen. 2003 kehrte sie zurück und versprach, als Präsidentin den Bürgerkrieg zu beenden und die Korruption zu bekämpfen. Aus den Wahlen 2005 ging sie siegreich hervor und wurde 2006 als Präsidentin vereidigt. Doch die Herausforderungen waren riesig: Das Land war höchst verschuldet und innerlich zerrissen. 15.000 UN-Blauhelme sicherten den fragilen Frieden. Johnson Sirleaf handelte einen internationalen Schuldenerlass aus, richtete eine Antikorruptionskommission ein und ebnete den Weg für einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Immer wieder betonte Ellen Johnson Sirleaf, dass sie Frauen in Liberia und ganz Afrika durch ihr Vorbild ermutigen wolle, gesellschaftlich und politisch aktiv zu werden. Für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und deren Recht auf uneingeschränkte Teilhabe sprach die Nobelpreisjury ihr (gemeinsam mit Leymah Gbowee und Tawakkul Karman) 2011 den Friedensnobelpreis zu. Sie nahm die Ehrung »im Namen aller Frauen Liberias, Afrikas und überall auf der Welt, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit einsetzen« entgegen.

Seit ihrem freiwilligen Ausscheiden aus dem Präsidentinnenamt widmet sich Ellen Johnson Sirleaf verstärkt dem Thema Migration. Sie steht dem neu gegründeten High Level Panel on International Migration (HLPM) der Vereinten Nationen vor, dessen Ziel es ist, das Wissen über Migration zu verbessern und Strategien zum Umgang mit diesem weltweit wachsenden Phänomen zu entwickeln.

Tipps zur Herangehensweise an die Wettbewerbsfrage

Diskutiert miteinander

  • Was ist für euch das, was ihr »Zuhause« oder »Fremde« nennt? Was macht es für euch besonders? Was ist euer Anteil daran?
  • Was wisst ihr über Migration in unterschiedlichen Teilen der Welt? Wer ist alles betroffen und warum? Was sind Ursachen, Begleiterscheinungen und Folgen?
  • Welche Herausforderungen, welche Chancen seht ihr? Was sind eure Ideen Träume und Hoffnungen diesbezüglich? Wer ist gefragt: die Politik, die Jugend, die anderen, wir selbst?
  • Was lehrt uns die Geschichte, was zeigt uns die gegenwärtige Situation, was macht neugierig auf die Zukunft?

Drei Schritte

  • Recherchiert: Sucht nach Informationen, Perspektiven und Meinungen. Sichtet und strukturiert, was ihr gefunden habt. Dokumentiert und bewertet eure Quellen. Verlasst euch nicht auf das Internet, sucht auch das Gespräch.
  • Argumentiert: Formuliert eure Antwort(en) auf die Wettbewerbsfrage. Überzeugt mit Wissen und Enthusiasmus. Beleuchtet verschiedene Aspekte. Hinterfragt eure Sichtweisen. 
  • Präsentiert: Entscheidet euch für eine Darstellungsform. Berücksichtigt dabei eure Interessen, Fertigkeiten und Ressourcen. Gestaltet anschaulich, ansprechend und kreativ. Denkt an die Wettbewerbsvorgaben.

Wer organisiert den Schülerwettbewerb »pax AN«?

Die Stiftung Frauenkirche Dresden, die für die Organisation all dessen, was in der Frauenkirche geschieht, verantwortlich ist, veranstaltet des Schülerwettbewerbs »pax AN«. Das tut sie, weil ihr die Themen Frieden und Versöhnung besonders wichtig sind. Zum einen, weil sie eine Kirche ist, die die Narben von Krieg und Zerstörung an und in sich trägt: Zerstört am Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden beim Wiederaufbau alte und neue Steine verwendet, um an Kriegsleid zu erinnern und zugleich Hoffnung auszustrahlen. Zum anderen natürlich, weil Menschen aus aller Welt mit Spenden halfen, sie wieder zu errichten. Mit dem Schülerwettbewerb möchte die Stiftung Frauenkirche Dresden jungen Leuten ein Forum für ihre Friedensideen geben. Nach 2014, 2016 und 2017 findet er zum dritten Mal statt und ist Teil einer Veranstaltungsreihe, für die Friedensnobelpreisträger nach Dresden eingeladen werden.

Zwei frühere Teilnehmer berichten

Eva Kratzsch und Frederik Mallon gehören zu den Preisträgern des Schülerwettbewerbs 2017. Gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen gestalteten sie ihren Wettbewerbsbeitrag. Im Interview berichten die beiden, wie sie auf die Idee gekommen sind, was sie vom Friedensnobelpreis halten und was Frieden für sie ganz persönlich bedeutet.

Warum habt ihr beim Schülerwettbewerb der Stiftung Frauenkirche Dresden mitgemacht

Frederik Mallon: Im vergangenen Jahr waren wir in Israel zu einem Schüleraustausch. Dort waren wir damit konfrontiert, dass es eben nicht selbstverständlich ist, im Frieden zu leben. Es war schon beeindruckend, wie viele Soldaten da sind und welche Rolle das Thema Krieg vor Ort spielt. Wieder zuhause wirkte das noch lange nach.

Eva Kratzsch: Unsere Lehrerin sprach uns an, dass wir doch unsere Erfahrungen aus dem Austausch einbringen könnten. Zunächst waren wir skeptisch, weil wir schulisch gerade sehr eingespannt waren. Dann überwog aber doch der Wunsch zu zeigen, wie man Frieden erreichen kann. Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, kann es ein kleiner Beitrag sein und das fanden wir wichtig.

Beim Schülerwettbewerb 2017 ging es um Wege zu einem friedlichen Miteinander innerhalb multikultureller Gesellschaften. Woher kommen die Vorbehalte gegenüber den anderen?

Frederik Mallon: Ich denke manchmal, dass es fast schon ein Schutzmechanismus des Menschen ist. Wenn er etwas Fremdes sieht, ist er erst einmal skeptisch. Das war früher vielleicht nützlich, heute kann es aber auch ziemlich hinderlich sein.

Eva Kratzsch: In unserem Beitrag haben wir das Thema Toleranz herausgestellt. Um auf andere Menschen zuzugehen und sie zu verstehen, muss man sich in sie hineinversetzen. Das ist richtig schwer. Das muss man lernen. Die Bereitschaft aber, sich darauf einzulassen, fehlt vielen Menschen.

Wie seid ihr auf die Idee für euren Beitrag bekommen, wie muss man sich den Arbeits-prozess vorstellen?

Eva Kratzsch: Eigentlich wollten wir in den Winterferien die Hauptarbeit leisten: in der ersten Woche das Konzept, in der zweiten die Umsetzung. Das hat nicht ganz geklappt und die Ferien waren schneller vorüber als gedacht. Doch das hat uns nicht entmutigt und wir haben fortan unter dem Motto gearbeitet: Unter Druck reifen Diamanten. Wir haben uns also zusammengesetzt und später auch über WhatsApp Ideen ausgetauscht, um eine Grundidee zu entwickeln. Uns war die Symbolik ganz wichtig, sodass man einen roten Faden erkennt. Wir kamen auf Kartons, die man sowohl als Mauer als auch als Brücke stapeln kann. Danach haben wir noch die Plakatidee dazu gesponnen.

Eure Einreichung wurde ja nicht im Klassenverband erstellt. Wie setzte sich euer Team zusammen?

Frederik Mallon: Wir waren zunächst 13 Leute, die alle an dem deutsch-israelischen Schüleraustausch teilgenommen hatten. Da die 12. Klassen aber mitten in den Abi-Vorbereitungen steckten, haben sich die acht verbleibenden Schüler der 10. und 11. Klassen zusammengetan.

Warum habt ihr euch für die Präsentationsform Video entschieden?

Eva Kratzsch: Dass es ein Film wird, war uns von Anfang an klar. Durch vorherige schulische Projekte hatten wir schon einige Erfahrungen gesammelt. Die Voraussetzungen waren auch gut, weil wir das Equipment hatten und Unterstützung von einem Freund erhielten, der sich mit Schnitt und Vertonung gut auskennt.

Neben der Symbolik der Mauer bzw. der Brücke nutzt ihr im Video Statements zu Toleranz und Frieden. Was war die Motivation?

Eva Kratzsch: Wir haben nach einem Weg gesucht, wie wir Schüler und Lehrer am besten zum Nachdenken anregen können. Wenn man so durch das Schulhaus geht, denkt man über diese Themen ja nicht nach. Aber wenn etwas Neues da ist und das dann vielleicht auch noch wo hängt, wo es eigentlich nicht hängen darf, ändert sich das. Deshalb haben  wir mit der Schulleitung gesprochen, sodass wir z.B. auch Plakate an Fenster hängen durften.

Und ist der Plan aufgegangen?

Eva Kratzsch: Es erregte schon Aufmerksamkeit, dass an den Mensafenstern Sprüche hingen. Da haben viele draufgeschaut und wir wurden auch deswegen angesprochen. Das hat uns sehr gefallen, weil sich die Leute Gedanken gemacht haben.

Woher wussten die anderen, wer hinter der Aktion steckt?

Frederik Mallon: Wir hatten unter den Statements jeweils stehen „Denk mal darüber nach; die AG Geschichte“. Wir sind in der Schule schon bekannt. Manche haben sich an die AG-Leiterin Frau Bönisch gewandt und manche an uns, weil sie wussten, dass wir da mitmachen.

Euch anzusprechen war aber sicher was anderes, als vor der Kamera zu stehen. Welche Erfahrungen habt ihr da gemacht?

Eva Kratzsch: Der erste Filmtag lief nicht so gut. Wir sind mit der Kamera umhergezogen und haben Mitschüler angesprochen. Die waren aber recht schüchtern, weil es ja Themen sind, über die man sich gründlich Gedanken machen muss. Deshalb haben wir unser Vorgehen geändert. Wir haben Schüler und Lehrer gebeten, sich zu den Statements etwas zu überlegen und uns für den nächsten Tag verabredet, um die Gespräche aufzunehmen. Das haben alle dann auch richtig gern gemacht.

Die Wettbewerbsaufgabe wurde vom Friedensnobelpreisträger Frederik de Klerk gestellt. Hattet ihr zuvor von ihm schon einmal gehört?

Eva Kratzsch: Eine Freundin von mir hatte im Spanischunterricht einen Vortrag über ihn gehalten. Daher kannte ich den Namen – mehr aber nicht.

Das hat sich durch den Friedenswettbewerb sicher geändert. Was ist euch von dem, was ihr in der Zwischenzeit in Erfahrung gebracht habt, am meisten in Erinnerung geblieben?

Frederik Mallon: Mich beeindruckt, dass Frederik de Klerk uneigennützig gehandelt hat. Er hat sich mit Nelson Mandela dafür eingesetzt, die Rassentrennung abzuschaffen, obwohl er als Weißer davon ja keinen Vorteil hatte. Er hätte ja die Situation auch so belassen können, wie sie war. Das hat er aber nicht getan. Das finde ich stark und deshalb hat er den Friedensnobelpreis so verdient.

Ist denn ein solcher Preis heutzutage noch wichtig?

Frederik Mallon: Ich würde fast sagen, wir brauchen diese Ehrungen mehr denn je. Frieden ist immer wichtig, aber das ist uns und anderen oft gar nicht bewusst. So viele Menschen ignorieren außerdem die Situation in anderen Ländern und meinen, es gehe sie nichts an, wenn z.B. in Syrien Krieg herrscht. Deshalb ist es richtig, Menschen zu ehren, die sich für Frieden engagieren.

Friedensnobelpreisträger haben große Ziele, die von manchen als Visionen, von anderen als Träumereien bezeichnet werden. Wie seht ihr das?

Eva Kratzsch: Egal wie man es nennt, ich finde es eine wichtige Leistung, dass Friedensno-belpreisträger sich ihren Themen tiefgründig annehmen und damit auch andere Menschen zum Nachdenken anregen. Sicher mag manches erst in Zukunft realisierbar sein und Energie und Kraft erfordern. Aber wenn z.B. eine völlig multikulturelle Gesellschaft erreicht werden könnte, wäre das doch perfekt!

Was bedeutet Frieden für euch?

Frederik Mallon: In Gesellschaftskunde haben wir uns gerade mit der klassischen Definition beschäftigt. Aber für mich geht Frieden weit darüber hinaus. Ob Menschen wirklich in Frieden miteinander leben, kann man daran nicht messen. Jeder sollte für sich selbst prüfen, ob er im Frieden ist. wenn dem so ist, kann er doch die Augen aufmachen und schauen, wie es seinem Nachbarn und anderen Menschen auf der Welt geht: Haben sie auch das Privileg, im Frieden zu leben oder befinden sie sich im Krieg und was kann ich selbst tun? Für mich ist das die Quintessenz, dass man aus dem eigenen Frieden heraus anderen die Möglichkeit gibt, das zu übernehmen.

Eva Kratzsch: Frieden bedeutet, dass man sicher leben kann und das ist ein riesiges Geschenk. Deshalb ist Frieden für mich ein Synonym für Glück. 

Gewusst?

  • Jede Minute verlassen 20 Menschen ihre Heimat.
  • Binnen zwei Jahrzehnten stieg die Zahl von Menschen auf der Flucht von 34 auf über 65 Millionen. Die Zahl wuchs allein 2016 um 10 Millionen an.
  • In 123 Ländern auf sechs Kontinenten halten sich Flüchtende auf.
  • Zwei Drittel können auch nach Jahren oder Jahrzehnten den Flüchtlingsstatus nicht ablegen.
  • Gerade einmal 3 Prozent beantragten 2016 Asyl, davon 745.000 in Deutschland.
  • Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge kamen 2016 aus nur drei Ländern.
  • Rückkehrer machten 2016 weniger als 5 Prozent der Gesamtflüchtlingszahl aus.
  • Schätzungsweise sind 10 Millionen, nachweislich 3 Millionen Menschen staatenlos.

Wo könnt ihr Fragen loswerden?

Eure Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um den Wettbewerb ist Dr. Anja Häse. Schreibt am besten eine Mail an pax-an@remove-this.frauenkirche-dresden.de oder ruft an unter (0351) 656 06 540. Postalisch sind wir so zu erreichen: 
Stiftung Frauenkirche Dresden | Schülerwettbewerb »pax AN« | Georg-Treu-Platz 3 | 01067 Dresden.

Es gelten die Wettbewerbsbedingungen, die HIER NACHZULESEN sind.