Das FORUM FRAUENKIRCHE

Die Reihe FORUM FRAUENKIRCHE nimmt aktuelle gesellschaftliche Veränderungsprozesse genauer in den Blick. Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft kommen ebenso zu Wort wie Bürger*innen verschiedener Altersgruppen. Gemeinsam tragen sie ihre Sicht zu den generationenübergreifenden Fragen ein, inwiefern sich Veränderungsprozesse konkret auswirken, wie wir damit umgehen wollen und wo wir Verantwortung übernehmen müssen. Darauf zielt auch die rhetorische Leitfrage ab, die das Jahr 2021 thematisch überschreibt: 

Jahresthema 2021: »Welt im Wandel – Alles in Ordnung?«

Weltweite Wandlungsprozesse gab es schon immer, doch zeigen sie sich in den letzten Jahren umfänglicher, vielfältiger und auch einschneidender. Die Globalisierung mit ihren wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen, zunehmende nationalistische und rassistische Tendenzen, gesellschaftliche Polarisierungen: die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, Klimawandel und Migrationsbewegung lassen sich nicht solitär oder regional begrenzt betrachten. Die Corona-Pandemie wirkt hier zudem wie ein Brennglas. Situationen und Prozesse scheinen sich zu beschleunigen. Konturen und Folgen treten schärfer hervor.  

Mi 17.11. 14:30 Uhr | Müssen wir die Nation wiedererfinden?

Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann

Bei vielen Intellektuellen steht der Begriff der Nation unter Generalversacht. Aleida Assmann setzt sich dagegen für die Wiedererfindung einer Form von Nation an, die sich als demokratisch, zivil und divers versteht. Selbstaufklärung tut deshalb not. Nur wer die Nation neu denkt kann sie gegen ihre Verächter verteidigen. Die Philosophin und Historikerin Aleida Assmann versucht, den Begriff der Nation neu zu entdecken. Sie hat es geschafft, dem Konzept der nationalen Identität eine zukunftsweisende, Mut machende und zugleich kritische Perspektive zu geben, über die es sich zu diskutieren lohnt.

In Kooperation mit dem Johann-Amos-Comenius-Club Sachsen e. V.

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Do 02.12. 19:00 Uhr | 20 Jahre »Krieg gegen den Terror« ...

20 Jahre »Krieg gegen den Terror« – Lehren aus dem Afghanistan-Einsatz

Podiumsdiskussion mit
Emran Feroz österreichisch-afghanischer Journalist und Buchautor
Andrea Jeska Journalistin und Buchautorin
Peter R. Neumann
 Terrorismus-Forscher, King’s College London
Thomas Kleine-Brockhoff Vizepräsident des German Marshall Fund of the United States
Moderation Alexandra Gerlach

in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur und Sächsischer Zeitung

20 Jahre sind die Anschläge vom 11. September 2001 her, und das bedeutet auch 20 Jahre „Krieg gegen den Terror“. Doch just zum Jahrestag endete der internationale Einsatz in Afghanistan unrühmlich: Die Taliban sind wieder an der Macht am Hindukusch, ob das Land damit erneut eine Brutstätte des Terrorismus wird, ist offen. Welche Lehren sind daraus zu ziehen? Hat der Westen sich übernommen beim Versuch, Afghanistan zu stabilisieren und dort Demokratie sowie Wahrung der Menschenrechte zu etablieren? Waren die Methoden falsch – zu viel Militär, zu wenig Entwicklung? Oder war der Versuch, westliche Werte in eine von jahrzehntelanger Gewalt geschundene Stammesgesellschaft einzupflanzen, ohnehin vermessen? Woher nimmt der Westen überhaupt das Recht, seine Werte für universell maßgeblich zu erachten und in andere Kulturräume zu exportieren? Ist das schon Imperialismus?

War der Bundeswehreinsatz in Afghanistan, bei dem 59 deutsche Soldaten ihr Leben ließen, vergeblich? Oder wurde tatsächlich am Hindukusch die Freiheit der Bundesrepublik Deutschland verteidigt, wie der einstige Bundesverteidigungsminister Peter Struck sagte? Was folgt aus den Erfahrungen in Afghanistan – und ähnlichen im Irak? Ist die Politik der Intervention westlicher Staaten in regionale Konflikte gescheitert? Sollte der „Weltpolizist“ künftig besser zuhause bleiben? Steckt der Westen zurück im Wettstreit der Systeme mit China? Und ist nun eine Wiederkehr des internationalen Terrorismus zu befürchten? Was bedeutet der Sieg der Taliban für die Zukunft des politischen Islam – und für das Verhältnis zwischen westlicher und muslimischer Welt?

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Die Veranstaltung wird aufgezeichnet. Der Mitschnitt wird am 03.12.2021 um 18.05 Uhr im Deutschlandfunk Kultur gesendet und ist danach in der Dlf-Audiothek abrufbar.

Jahresthema 2022: » ... ausgenommen alle anderen« – Reden! Zur Verteidigung der Demokratie

Wir leben in einer bewegten Zeit. Immer mehr gesellschaftliche Minderheiten kämpfen um Gleichberechtigung, der öffentliche Diskurs wird zunehmend diverser. Man spricht von einer „Gesellschaft der Singularitäten“ (Andreas Reckwitz). Zugleich fühlen sich Menschen von dieser immer sichtbarer werdenden Vielfalt verunsichert. Infolge einer – nicht zuletzt durch die Pandemie verschärften – Dynamisierung vielfältiger Wandlungsprozesse sind weltweit Radikalisierungstendenzen in Politik und Gesellschaft zu verzeichnen. Nationalistische und rassistische Strömungen nehmen zu; ein ethischen Grundsätzen verpflichteter Verhaltenskonsens verliert auch in demokratischen Staaten an Selbstverständnis und Geltung bis hin zu einer Unterwanderung der Demokratie, die sich offensichtlich in einer Krise befindet.

In der Frauenkirche als geschützten Debattenraum wollen wir den Fragen nachgehen, was es braucht, um Bürger*innen zu bewegen, sich aktiv verantwortlich in den demokratischen Gestaltungsprozess einzubringen, Pluralität auszuhalten und auszuloten, bis zu welchen Grenzen Toleranz geübt werden sollte und wann die offene demokratische Gesellschaft offensiv gegen ihre Feinde verteidigt werden muss. Von Winston Churchill stammt der Ausspruch: »Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen«. Auch wenn es mühsam sein mag, lohnt sich gemeinschaftliches Handeln zur Stärkung der freiheitlichen Demokratie für uns alle.

Sa 22.01. 16:00 Uhr | Bundespräsident a. D. Joachim Gauck

»Welche Zukunft hat die liberale Demokratie?«

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck

Die Strahlkraft der Demokratie hat in den vergangenen Jahren nach Innen und Außen erkennbar abgenommen; Populisten, Autokraten, ja sogar religiöse Fundamentalisten haben mit ihren Angriffen auf die liberalen Demokratien zunehmend Erfolg – so scheint es jedenfalls. Gehört also angesichts der enormen Herausforderungen, die sich aus Klimawandel, Globalisierung und Digitalisierung ergeben, anderen Modellen die Zukunft? Ist die liberale Demokratie in Gefahr – quasi ein historisches Auslaufmodell? Oder gehört sie wieder einmal auf den Prüfstand, um aus den aktuellen Entwicklungen gestärkt hervorzugehen?

Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., macht in seinem Vortrag deutlich, dass sowohl die selbstkritische Befragung als auch ihre Lernfähigkeit der liberalen Demokratie eine Zukunft eröffnet, die Bürgern ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Sicherheit ermöglicht.

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Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskanzlei statt.

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Auswahl bisheriger Referenten und Podiumsgäste

Es sprachen u.a. Martti Ahtisaari | Peter Altmeier | Stefan Aust | Dora Bakoyannis | Mohamed ElBaradei | Kurt Biedenkopf | Jochen Bohl | Christopher Cocksworth | Daniel Cohn-Bendit | Fatoumata Siré Diakité | Thea Dorn | Udo di Fabio | Cornelia Füllkrug-Weitzel | Joachim Gauck | Friedrich Wilhelm Graf | Durs Grünbein | Klaus-Peter Hertzsch | Otfried Höffe | Wolfgang Huber | Jean-Claude Juncker | Otto Kallscheuer | Wolfgang Kaschuba | Paul Kirchhof | Charlotte Knobloch | Gudrun Krämer | Christine Lieberknecht | Jutta Limbach | Wolf von Lojewski | Lothar de Maizière | Thomas de Maizière | Ralf Meister | Clemens Meyer | Hans Joachim Meyer | Bascha Mika | Georg Milbradt| Ralf Minge | Herfried Münkler | Winfried Nachtweih | Ehrhart Neubert | Vural Öger | Ruprecht Polenz | Avi Primor | Harald Range | Matthias Rößler | Gerhard Roth | Wolfgang Schäuble | Christian Schwarke | Jan Sokol | Dean Spielmann | Jürgen Stark | Uwe Tellkamp | Gerd Theißen | Klaus Tolksdorf | Klaus Töpfer | Fritz Vahrenholt | Günter Verheugen | Hans Vorländer | Andreas Voßkuhle | Hans-Ulrich Wehler | Götz Werner

(Auswahl; in alphabetischer Reihenfolge)