Scheitern
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Elektro-Akustik
Das Thema Elektroakustik ist stets in aller Munde. Jeder hat eine Meinung dazu und zugleich steigen die Ansprüche permanent an.
Leider nur selten wird in die erste Äußerung bzw. Überlegung einbezogen, dass jede Stimme mit ihrer Tonlage, ihrer Tragfähigkeit und auch ihrer Sprechgeschwindigkeit unterschiedlichste elektroakustische Ergebnisse hervorruft.
Mit anderen Worten, so wie es in die Elektroakustikanlage hineinruft, so schallt es auch zurück. Aber natürlich wirkt der jeweilige Ort mit seinen bau- und raumakustischen Faktoren entscheidend mit, die man kennen muss.
Da außer beim Neubau nur selten noch auf die Bauakustik eingewirkt werden kann, besteht eine Chance auf Verbesserung nur darin, eine aktuelle raumakustische Analyse mit dem heutigen Stand des Wissens durchzuführen, um gegebenenfalls aus der Bestandsanlage noch mehr herauszuholen oder durch Neuanschaffungen eine neue Klangsituation zu erzeugen.
Diese Grundsatzanalysen sind sowohl für die Unterkirche als auch für die Hauptkirche 1995 bzw. 2003/2004 durchgeführt und in den Jahren 2019 und 2025 aktualisiert worden. Die Unterkirche hat in Kombination mit einer Hörschleife eine inzwischen aktualisierte Einstellung erfahren.
Nach erneuten elektroakustischen Untersuchungen wurden die Einstellungen in den Lautsprecherzeilen optimiert. Da jedoch der Schallaustritt nicht vertikal verstellt werden kann, sondern nur horizontal im Öffnungswinkel, sind dieser Anlage Grenzen gesetzt.
Das bedeutet, dass die Position des Sprechenden nach langen Versuchsreihen im Übergang von Vierung zur Tonne H festgelegt ist und dass eine gleichbleibende Sprechgeschwindigkeit und Präzision beim Sprechen in das Mikrofon erforderlich sind.
Da die einzelnen Tonnen separat zugeschaltet werden können, kann die elektroakustische Versorgung dort, wo viele Menschen sitzen, angepasst werden und dort, wo keiner sitzt, entsprechend entfallen, um keine Schallbeeinträchtigungen zu erzeugen.
Für die Nutzung der Unterkirche mit mehreren Sprechern im Rahmen eines Gesprächsforums wurde im vergangenen Jahr eine Zusatzanlage angeschafft, die im Vierungsbereich aufgestellt wird. Hierzu liegen einige Erfahrungen bereits vor. Eine Auswertung erfolgt permanent.
In der Hauptkirche sieht die Situation so aus. Die Lautsprechzeilen sind auf dem technischen Stand von 2004, die Herstellerfirma wurde mehrfach verkauft und ein Reparaturservice besteht offiziell nicht.
Die angesprochene Aktualisierung von 2025 erfolgte zunächst in der Überarbeitung des elektroakustischen Modells von 2004, das mit neusten Baustoffparametern bestückt ein etwas wirklichkeitsnäheres digitales Abbild der Frauenkirche zeigt.
Der Zentralraum Frauenkirche ist allerdings grundsätzlich und unabhängig von den schallharten Oberflächen des Sandsteins und der bemalten Putzflächen ein akustisch ungünstiger Raum, da durch den Raum hinweg sich alle Signalwege kreuzen und eine erhöhte Reflexion erzeugen.
Die Nachmessung der Sprachverständlichkeit im Raum mit Kugelkopfmikrofonen ergab einen Sachverhalt, der so eindeutig vor über 20 Jahren noch nicht festgestellt werden konnte.
Ist die Sprachverständlichkeit im Kirchenschiff bei eingeschalteter Elektroakustikanlage im Rahmen der für Versammlungsstätten geltenden Normwerte als sehr gut zu bezeichnen, vermindert sich dieser Wert mit jeder hinzugeschalteter Lautsprecherebene, also mit jeder Empore, soweit, dass beim Einschalten der Gesamt-ELA-Anlage die Sprachverständlichkeit auf den unteren Normwert sinkt.
Mit anderen Worten bedeutet dies, dass raumakustische Maßnahmen zur Schalldämpfung erfolgen müssten, damit eine Beschallungsanlage gut wirken kann. Da derartige Maßnahmen aber nicht umgesetzt werden können, muss die Sprachverständlichkeit durch die neuere Lautsprechertechnologie den Mangel der zu hohen Nachhallzeit bzw. des zu starken Direktschallanteils ausgleichen.
Da mittlerweile die Fehleranfälligkeit der Bestandslautsprecher auf den Emporen zugenommen hat und der Gesamtaufwand für einen Kompletttausch zu hoch sind, soll mit dem Austausch der Lautsprecher auf der ersten Empore in diesem Jahr begonnen werden.
Dazu gab es mehrere Beprobungen und abschließende Bewertungen. Neuere Erkenntnisse zum Thema Wärmeeinfluss auf die Aufstellung der Lautsprecher werden derzeit noch untersucht.
Spendenaufruf zur Erneuerung der Elektroakustikanlage in der Frauenkirche Dresden
Damit die Frauenkirche auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem jedes Wort, jede Predigt und jede musikalische Darbietung klar zu hören sind, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Helfen Sie mit Ihrer Spende, die Verständlichkeit und die besondere Atmosphäre der Frauenkirche zu bewahren.
Insgesamt werden für die Erneuerung der Elektroakustikanlage über 700.000 Euro benötigt. Noch in diesem Jahr soll mit dem Austausch der Lautsprecher auf der ersten Empore begonnen werden. Umfangreiche Tests und Bewertungen haben bereits stattgefunden, weitere technische Details werden derzeit geprüft.
Jeder Beitrag – groß oder klein – hilft uns bei der Umsetzung dieses großen Vorhabens.
SPENDENKONTO
Commerzbank AG · IBAN: DE60 8508 0000 0459 4885 00
BIC: DRES DE FF 850 · Verwendungszweck: AKUSTIK
THOMAS GOTTSCHLICH
Leitender Architekt