Die Welt der Orgelmusik

Die Orgel der Frauenkirche beeindruckt durch ihre Vielseitigkeit. Ihren Klang kann man in mehreren Konzertreihen und natürlich bei Gottesdienst und Andacht vernehmen. 2005 von der Orgelbaufirma Kern aus Strasbourg erbaut, vereinigen sich in ihr in einer besonderen Verbindung aus Tradition und Moderne die Bauweisen der großen Orgelbauerbrüder Gottfried und Andreas Silbermann bereichert durch die typischen Stimmen eines französisch-romantisches Orgelwerkes.

Highlights im Musikjahr 2022

Mehr als 40 Mal steht die Kern-Orgel klanglichen Mittelpunkt. Frauenkirchenorganist Samuel Kummer legt einen Schwerpunkt thematischen auf das Œuvre César Francks, dessen 200. Geburtstag insbesondere im Rahmen des Dresdner Orgelzyklus gewürdigt wird. 14 Konzerte präsentieren das Gesamtwerk des Wegbereiters der französischen Orgelsinfonie und stellen es in eigens ausgewählte Kontexte oder Kontraste. Gleich mehrfach sind besondere Kombinationen zu erleben. Mit Wolfram und Mathias Rehfeld ist ein Vater-Sohn-Gespann zu Gast. Das energievolle Duo Esprit musiziert vierhändig. Gemeinsam mit Frauenkirchkollegen Matthias Grünert präsentiert Samuel Kummer selten zu hörende Bearbeitungen für Orgel mit Harmonium bzw. im Programm mit Kreuzorganisten Holger Gehring das spannungsvolle Miteinander aus Literaturspiel und Improvisation. Programme, die die Königin der Instrumente mit dem Instrument der Könige, der Trompete, zusammenbringt, komplettieren das Spektrum.

Die Orgelreihen im Portrait

Im Rahmen dieser Reihe erklingen im wöchentlichen Wechsel die Orgeln der drei großen Dresdner Innenstadtkirchen – das Instrument Gottfried Silbermanns (1755) in der Kathedrale, die Orgel der Gebrüder Jemlich (1963) in der Kreuzkirche und die Kern-Orgel der Frauenkirche (2005) – sowie die Eule-Orgel (2017) im Dresdner Kulturpalast jeweils mittwochs, 20 Uhr. Somit wird es möglich, die Orgeln vergleichend zu hören und die verschiedenen Charaktere der Instrumente in den so konträren Räumen zu erleben. Die Organisten der Kathedrale, der Kreuzkirche und der Frauenkirche stellen dafür Jahr für Jahr ein umfangreiches Konzertprogramm zusammen. Höhepunkt sind in jedem Jahr die Internationalen Dresdner Orgelwochen mit Gastorganisten aus der ganzen Welt.

 

Termine: mittwochs 20 Uhr | in der Frauenkirche 1x monatlich

»Wenn ich nicht Theologe wäre, so würde ich am liebsten Musiker geworden sein«, schrieb Luther einst. Das Miteinander von Wort und Klang war dem Reformator wichtig. In der Bauweise der Frauenkirche fand dieser Gedanke seine architektonische Übersetzung: Von der Kanzel bis zur Orgel sind alle wesentlichen Elemente in einer Achse angeordnet. Nicht zuletzt deshalb bietet sie sich für genreverbindende Formate geradezu an. Im Format »Kirchenführung und Orgelklang« vermittelt ein*e Kirchenführer*in kundig und kurzweilig von der Kanzel aus die einzigartige Geschichte, Ikonografie und Botschaft der Frauenkirche, während die Kirchenmusiker der Frauenkirche bzw. Gastorganist*innen die Kern-Orgel zum Klingen bringen.

 

Termine: an ausgewählten Freitagen von April bis Oktober

In den Literarischen Orgelnächten bei Kerzenschein erwartet das Publikum ein sommerliches Kleinod der Poesie, eine harmonische Kombination aus Orgelklang und Wort. Die Veranstaltungsreihe lebt von der besonderen Atmosphäre im stimmungsvoll durch Kerzenlicht erhellten Kirchenschiff, vom Blick auf den angestrahlten Altar der Frauenkirche und seine Botschaften. Ensemblemitglieder des Staatsschauspiel Dresden interpretieren sorgfältig zusammengestellte Texte, die zu Herzen sprechen, ins Gewissen reden oder – im Dialog mit herausragenden Orgelimprovisationen – neue Blicke auf Vertrautes eröffnen.

Termine: an drei Freitagen im Juni

Der Advent ist die Zeit der Besinnung und der Vorfreude. Weil diese Wochen allerdings immer auch von Geschäftigkeit geprägt sind, setzt die Frauenkirche Dresden seit vielen Jahren bewusst einen kleinen musikalischen Gegenakzent. Sie lädt an jedem der vier Adventssonntage ein, stimmungsvoll innezuhalten: Mit dem Anbruch der Nacht öffnen sich die Türen zum kerzenlichterleuchteten Kirchenraum, um für eine Stunde bei vorweihnachtlicher Orgelmusik, Lesung, Gebet und Segen den Gästen Ruhe und Freude zu schenken.

Termine: an den vier Adventssonntagen

Die Frauenkirche ist geradezu prädestiniert für eine intensive Pflege der Kirchen- und insbesondere auch der Orgelmusik. Daher ist sie wesentlicher Bestandteil aller Gottesdiensten und Andachten. Hier wird ureigenste protestantische Kirchenmusik zur Aufführung gebracht: Neben der Musik Johann Sebastian Bachs bereichern insbesondere auch die Werke des früheren Kreuzkantors und Frauenkirchenorganisten Gottfried August Homilius und anderer barocker Meister die geistlichen Angebote.

Termine: sonntags 11 & 18 Uhr | werktags bei Wort & Orgelklang (12 / tw. 18 Uhr)

Die Orgeln der Frauenkirche

Das kirchenmusikalische Renommee der Frauenkirche Dresden begründet sich neben dem Wirken begabter Kantoren und Organisten auch durch die besonderen Instrumente dieses Gotteshauses.

Der berühmte Vorgänger: Die Silbermann-Orgel

Die Bähr'sche Frauenkirche schmückte einst eine Orgel des berühmten Baumeisters Gottfried Silbermann. Das 1736 fertiggestellte Instrument galt als eines seiner größten Werke und bereits kurz nach der Fertigstellung gab Johann Sebastian Bach höchstselbst auf dem Instrument ein Konzert.

1769 wurde die Orgel erstmals und 1819 erneut umgestimmt, da die im barocken Kammerton gehaltene Orgel »im Verhältnis jetziger Instrumental-Stimmung recht gut einen halben Ton zu tief« stand. Dies sollten nicht die letzten Veränderungen bleiben: Auch in der Folgezeit wurde die Orgel mehrfach erweitert und umgestaltet, sodass ihre ursprüngliche Klanggestalt nicht überliefert ist. 1945 wurde sie mitsamt dem Orgelprospekt vollständig zerstört.

Die heutige Kern-Orgel

Während des Wiederaufbaus entschied man sich, ein Instrument bauen zu lassen, das die Silbermann-Tradition fortschreibt, aber auch den Ansprüchen der modernen Orgelliteratur genügt. Der angesehene Orgelbauer Daniel Kern aus dem Elsass, genauer gesagt aus Dresdens Partnerstadt Strasbourg, erhielt den Auftrag. Er schuf ein Instrument mit 4.876 Pfeifen und 68 klingenden Registern, die auf vier Manuale und Pedal verteilt sind. Seine Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit werden weithin gelobt: Hier können die Orgelwerke Bachs ebenso authentisch gespielt werden wie orgelsymphonische Werke bspw. von César Franck oder Louise Vierne.

Die Orgel der Frauenkirche ist wie folgt disponiert:

Hauptwerk I C-a’’’ Oberwerk II C-a’’’
Principal 16’ Quintade 16’
Bordun 16’ Principal 8’
Octave 8’ Quintade 8’
Viola di Gamba 8’ Salicional 8’
Rohrflöte 8’ Gedackt 8’
Octave 4’ Octave 4’
Spitzflöte 4’ Rohrflöte 4’
Quinte 2 2/3’ Nasat 2 2/3’
Octave 2’ Octave 2’
Terz 1 3/5’ Sesquialtera 1f.
Cornet ab c1 5f. Mixtur 3f.
Mixtur 4f. Trompete 8’
Zimbel 3f. Chalumeau 8’
Fagott 16’ Tremulant  
Trompete 8’    
Clarine 4’    
       
Récit Expressiv III C-a’’’ Brustwerk IV C-a’’’
Bourdon 16’ Gedackt 8’
Flûte harmonique 8’ Principal 4’
Viole de Gambe 8’ Rohrflöte 4’
Voix Celeste 8’ Nasat 2 2/3’
Bourdon 8’ Gemshorn 2’
Principal 4’ Octave 2’
Flûte octaviante 4’ Terz 1 3/5’
Octavin 2’ Quinte 1 1/3’
Piccolo 1’ Sifflet 1’
Plein Jeu 3-6f. Mixtur 3f.
Cornet ab g 5f. Vox humana 8’
Basson 16’ Tremulant  
Trompette harmonique 8’  
Basson-Hautbois 8’  
Voix Humaine 8’  
Clairon harmonique 4’  
Tremolo    
 
Pedal C-g’  
Untersatz 32’  
Principalbass 16’  
Subbass 16’  
Octavbass 8’  
Bassflöte 8’  
Octavbass 4’  
Mixturbass 6f.  
Fagott 32’  
Posaune 16’  
Trompetenbass 8’  
Clarinenbass 4’  

Koppeln II-I, III-I, IV-I, II-I 16’, III-I 16’, III-II, IV-II,
I-P, II-P, II-P, IV-P, III-P 4’
Sperrventil I
Transpositeur IV  (415 Hz)
Setzerkombinationen (8192 Speicherplätze)
Appels des anches I,II,III, P
Registercrescendo variabel
Crescendo Récit