Glauben und Zweifeln

Kirche näher bringen

Kirchen sind Zeugnisse des Glaubens. Man betet in ihnen, freut sich über Gottes Nähe. Und macht sich darüber hinaus gar nicht so viele Gedanken über sie. Was man dabei verpasst, erschließt sich erst bei näherer Betrachtung. Kirchen sind Stein gewordene Glaubensinhalte, architektonische Wunderwerke und oftmals schützende Orte für kunstgeschichtliche Preziosen.

Was dies konkret bedeutet und welche Dimensionen darin verborgen sind, ist mir erst bei der Ausbildung zum Kirchenführer so richtig klar geworden. Die Ausbildung ist eine Kooperation der Stiftung Frauenkirche, der Volkshochschule Dresden und der Evangelischen Landeskirche Sachsen. Um es vorwegzunehmen: Was für ein gelungener Kurs! Dies liegt nicht daran, dass man am Ende der Ausbildung alles weiß, was es zu wissen gibt.

Dies ist unmöglich. Es gibt immer mehr zu wissen, je tiefer man einsteigt. Aber die Ausbildung legt eine solide Wissensbasis, von der aus man vertiefende Exkursionen in die Theologie, Kirchengeschichte, Architektur, Kunstgeschichte, Kirchenmusik und auch Kirchenpädagogik wagen kann – ohne die Gefahr, sich zu verlieren.

Apropos Exkursionen – zur großen Freude der Teilnehmenden gibt es sie tatsächlich auch bereits während der Ausbildung. Sie verknüpfen besondere Orte mit thematischen Schwerpunkten: das wunderbare Kloster Wechselburg mit der Romanik, den eindrucksvollen Domberg in Meißen mit der Gotik, das historische Krakau mit der Renaissance oder das traditionsreiche Breslau mit dem Barock – um nur eine Auswahl zu geben.

Und sie bringen ganz beiläufig die Teilnehmenden des Kurses ins Gespräch und einander näher. Natürlich stehen Menschen hinter dem Kurs, den es ohne sie nicht gäbe. So Dr. Anja Häse, Bildungsleiterin der Stiftung Frauenkirche und Jürgen Küfner, Direktor der Volkshochschule Dresden. Sie vereinen Herz und Expertise! Jürgen Küfner führt exemplarisch und oftmals auch mit einem Augenzwinkern durch Theologie- und Kirchengeschichte.

Dr. Anja Häse eröffnet vor allem die Welt der Kirchenpädagogik mit all den vielen praktischen Möglichkeiten der Vermittlung oftmals komplexer Sachverhalte. Und beide sorgen für versierte externe Experten, die in Architekturstile und kunstgeschichtliche Epochen, in Stimmbildung und Kirchenmusik einführen.

Ja, was für ein gelungener Kurs! Zum einen für mich persönlich. Eine große Bereicherung an neuem Wissen, wunderbaren Kirchen und inspirierenden menschliche Begegnungen! Zum anderen aber eine eigentlich unverzichtbare Ausbildung, wenn es darum geht, oftmals kirchenfernen Menschen Kirche fundiert und ansprechend näher zu bringen – in all den Dimensionen, die mit ihr verbunden sind.

Michael Leonhart
Frauenkirchführer