Glauben und Zweifeln
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Sonntagskonzerte
Der Zyklus der Sonntagskonzerte schlägt im dritten Tertial des Jahres einen vielfältigen Bogen von sächsischer Renaissancemusik über bedeutende Werke Bachs und Mozarts bis hin zu französischer Spätromantik.
Die Besucher:innen dürfen sich auf eine spannende Mischung verschiedenster Musikstile in ganz unterschiedlicher Besetzung freuen.
Den Auftakt bildet das Sonntagskonzert am 13. September unter dem Titel »Atem der Seele«: Hier präsentiert der Chor der Frauenkirche sein anspruchsvolles A-Cappella-Programm romantischer Chormusik, mit welchem er zwei Wochen später auf einer Konzertreise u. a. in Dresdens Partnerstadt Breslau unterwegs ist.
Für musikalische Neuentdecker wie erfahrene Kenner gleichermaßen wird dieses Konzert berührende Eindrücke schaffen, denn die Chormusik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Josef Gabriel Rheinberger und Max Reger steht für emotionale Ausdruckstiefe und empfindsame Melodik.
Mittlerweile schon zur Tradition geworden und ein fester Bestandteil der Sonntagskonzerte am Erntedanksonntag: Der Projektchor zum Mitsingen. Am 4. Oktober steht Mozarts Große Messe c-Moll KV 427 auf dem Programm. Fragmentarisch erhalten, da nie vollendet, erklingen das Kyrie und Gloria dieser Messe; die beiden einzigen – umso gewichtigeren – Sätze, die Mozart uns hinterließ.
Eine herausfordernde Aufgabe für die mittlerweile 50 teilnehmenden Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Ländern, die dieses leidenschaftlich-emotionale Werk in zwei Probeneinheiten einstudierten. Gemeinsam mit dem ensemble frauenkirche dresden und Solist:innen, die mit Mozarts Musik bestens vertraut sind, kommt dieses berühmte Werk der Wiener Klassik erstmals in dieser Besetzung hier zur Aufführung.
Die Musik Bachs prägt auch die Sonntagskonzerte im Jahr 2026 – bereits vor der Sommerpause erklang im Sonntagskonzert dessen Missa in G. Nun steht zum Kirchweihsonntag des Schwesterwerk auf dem Programm: Die Missa in g BWV 235.
Der Kammerchor der Frauenkirche pflegt die Musik Bachs in intensiver Weise; nicht nur die großen Oratorien des Meisters bringt der Kammerchor jährlich zur Aufführung, sondern er widmet sich auch schwerpunktmäßig den Motetten und Kantaten. Und so widmet sich nun folgerichtig das Ensemble der zu Unrecht sehr selten aufgeführten Missa in g. Ein Werk, welches eine komplexe, kontrapunktische Faktur aufweist, dennoch mit seiner innig empfundenen Melodik anrührt.
Bach in kleiner Besetzung gibt es am Ewigkeitssonntag: Die renommierte Altistin Britta Schwarz wird gemeinsam mit Instrumentalisten wunderschöne Arien interpretieren. Die Arien aus Bachs Feder fassen so Vieles, was Worte nicht auszudrücken vermögen. So auch an diesem Sonntagnachmittag: Musik zum Innehalten, Zurückblicken, Erinnern. Ein Sonntagskonzert, welche atmosphärisch das Kirchenjahresende bedenkt.
Die Adventszeit ist die Zeit der Lieder, und viele Weisen stammen aus der Renaissance wie beispielsweise »Es ist ein Ros entsprungen« des Dresdner Hofkapellmeisters Michael Praetorius. Gleich zweimal, am 1. und am 3. Adventssonntag, gibt es in wechselnder Besetzung mit dem Chor und dem Kammerchor der Frauenkirche im Dialog mit dem Ensemble Instrumenta Musica Motetten und Choräle sächsischer Meister des Frühbarock zu hören.
Die Dresdener Heinrich Schütz und Michael Praetorius, Samuel Scheidt und Johann Hermann Schein – ihre Werke prägten die frühbarocke Klangwelt, in der mit sanften Tönen, rhetorischer Klarheit, klanglicher Finesse und theologischem Ernst die Weihnachtszeit illustriert wurde. Mit stilistischer Kenntnis und feinem Gespür für Ausdruck und Raum, welche nicht auf Pathos abzielt, sondern auf ein feines, goldenes Leuchten setzt.
Den Schluss der diesjährigen Sonntagskonzerte bildet wie in einem jeden Jahr das Oratorio de Noël des Pariser Romantikers Camille Saint Saëns: 1858 uraufgeführt, trägt dieses Werke eine durchweg pastoral-lyrische Stimmung, die sich gleich zu Beginn mit einem Prélude im Stile Bachs – so ist dieser Satz auch untertitelt – bemerkbar macht. Danach breitet sich der Klang meditativer, weihnachtlicher Atmosphäre aus.
Fünf Solist:innen, der Chor der Frauenkirche und das ensemble frauenkirche dresden wollen am 26. Dezember das Publikum mit dieser wundervollen Musik zu Weihnachten beschenken und gemeinsam ein musikalisch reich gefülltes Jahresprogramm beschließen.
Matthias Grünert
Frauenkirchenkantor