Aufruf zur Beteiligung

Kundgebung »Alle zusammen für Glaubensfreiheit und gegen Islamfeindlichkeit«

Freitag, 25. August 2023 | 19 Uhr
Neumarkt, Höhe Verkehrsmuseum

Am Freitag, dem 25.8., werden die »Freien Sachsen« mit angemeldeten 300 Menschen durch die Stadt ziehen, um Menschen muslimischen Glaubens in Dresden als Terroristen und Terroristinnen zu verunglimpfen. Damit wollen Sie den Bau einer Moschee verhindern. Wir von der Frauenkirche haben einen sehr besonderen Bezug zu religiösen Gebäuden in der Stadt und werden deswegen am selben Tag eine Kundgebung für Glaubensfreiheit ausrichten.

Sehr gern wollen wir das gemeinsam mit Ihnen tun!
Kommen Sie am Freitag 19 Uhr auf den Neumarkt vor das Verkehrsmuseum.
Stehen Sie mit uns gemeinsam für das Recht auf Glaubensfreiheit ein!

GG Art. 4 Absatz 1, 1-2

Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Am 25.8. werden die »Freien Sachsen« mit angemeldeten 300 Menschen durch die Stadt ziehen, um Menschen muslimischen Glaubens in Dresden als Terroristen und Terroristinnen zu verunglimpfen. Wir von der Frauenkirche werden deswegen am selben Tag eine Kundgebung für Glaubensfreiheit ausrichten — sehr gerne würden wir das gemeinsam mit Ihnen tun!

Die mobile Versammlung der Freien Sachsen richtet sich gegen den Bau einer Moschee für das Marwa Elsharbiny Kultur- und Bildungszentrum (MEKZ) auf der Marschnerstraße in der Johannstadt. Die Gemeinde existiert seit 2009 als eingetragener Verein. Seit geraumer Zeit ist das alte Drewag-Gebäude für die 1500 Betenden freitags viel zu klein. Ein angemessener Gebetsraum, also eine Moschee, ist hier schon lange nötig.

Zu Glaubensgebäuden haben wir einen besonderen Bezug: Der Wiederaufbau der Frauenkirche wurde vor nicht einmal 20 Jahren fertiggestellt - inzwischen ist die Frauenkirche DAS Wahrzeichen Dresdens geworden, obwohl nur ca. 20% der Menschen in Dresden christlich sind. Trotzdem identifizieren sich die meisten Dresdner*innen mit unserem Kirchgebäude, das die Stadtsilhouette so wunderschön bereichert. Bei diesem Aufzug geht es jedoch nicht nur um die Optik: dass Dresden kein Problem mit Architekturelementen aus der muslimischen Welt hat, sieht man an der sehr beliebten ehemaligen Zigarettenfabrik Yenidze.

Wir befürworten den konstruktiven Diskurs um religiöse Gebäude in der Stadt, wenn er sachorientiert geführt wird. Bei den Versammlungen gegen den Bau einer Moschee geht es jedoch nicht um einen Diskurs, sondern um islamfeindliche Hetze. Muslimischen Menschen soll gezeigt werden, dass sie in unserer Stadt keinen Platz hätten. Es geht hier auch nicht um den Ort an sich – denn die Gemeinde betet auf der Marschnerstraße seit 14 Jahren und auch die Ditib-Moschee in Löbtau, die sehr viel weiter vom Stadtzentrum entfernt liegt, wurde 2016 bereits Opfer eines Sprengstoffanschlags.

Die „Freien Sachsen“ verstecken ihre diskriminierende Haltung nicht einmal mehr hinter Scheinargumenten, sondern melden sie mit offen rassistischen Parolen an und tragen sie auf die Straße. Die Streckenführung der Kundgebung zeigt, dass es um Einschüchterung, Bedrohung und die Verbreitung islamfeindlicher Ansichten geht: Die 300 Menschen sollen die Versammlung direkt vor dem MEKZ starten und beenden. Dazwischen soll es eine längere Zwischenkundgebung vor der Frauenkirche geben.

Das Grundgesetz sichert allen Menschen in Deutschland zu, ihren Glauben frei zu wählen und auch frei und sicher ausleben zu können. Wir möchten mit Ihnen zusammen Dresden daran erinnern und den Gläubigen am MEKZ unsere Unterstützung aussprechen. Kommen Sie deshalb diesen Freitag um 19 Uhr mit uns auf den Neumarkt und stehen Sie solidarisch mit uns ein für Glaubensfreiheit und gegen Islamfeindlichkeit!

Gerne begrüßen wir Sie auch schon um 18 Uhr zu unserer Andacht in der Frauenkirche, von wo aus wir gemeinsam zu unserer Kundgebung laufen werden.

Pfarrer Markus Engelhardt Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden
Maria Noth Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden
Dr. Harald Lamprecht Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der EVLKS
Michael Zimmermann Beauftragter für Friedens- und Versöhnungsarbeit der EVLKS
Moshe David Barnett Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden
Sebastian Römisch und Douha Al-Fayyad BIRD Dresden
Tayyar Koçak Forum Dialog

mit musikalischer Rahmung u.a. von
Kai Schmerschneider und Banda Internationale

Konstruktiver Dialog statt Diffamierung

»Die Frauenkirche Dresden steht für Frieden, Versöhnung, Toleranz und ein respektvolles Miteinander. Ihr Wiederaufbau im Herzen der Stadt erfolgte nicht solitär, sondern parallel zur Neuerrichtung der jüdischen Synagoge – ein wichtiges Zeichen für die religiöse Vielfalt in Dresden.

 Nun soll am Freitag in diskriminierender Weise Stimmung gegen einen Moschee-Bau in Dresden Johannstadt gemacht und die Frauenkirche dafür als Kulisse missbraucht werden. Das nehmen wir nicht schweigend hin. Einer solchen Instrumentalisierung setzen wir unsere eigenen Überzeugungen entgegen und laden deshalb zu einer zeitgleichen Kundgebung und zum konstruktiven Dialog ein. Zwar müssen islamistische Strömungen aufmerksam verfolgt und kritisiert werden. Zu pauschalen fremden- und islamfeindlichen Äußerungen ist aber von allen Menschen guten Willens ein klares Nein gefordert.«

Maria Noth, Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden
Pfarrer Markus Engelhardt, Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden