Dankgottesdienst für die »Rufer aus Dresden«

Ohne sie gäbe es die wiedererrichtete Frauenkirche nicht: Eberhard Burger und Ludwig Güttler. Aus Anlass ihrer 80. Geburtstage würdigte die Stiftung Frauenkirche Dresden in einem Dankgottesdienst das Wirken beider Persönlichkeiten. Es predigte Altbischof Bohl.

Am 13. Juni feierte Prof. Ludwig Güttler seinen 80. Geburtstag, am 26. Juli Dr.-Ing. E.h. Dr. h.c. Eberhard Burger. Sowohl der Musiker als auch der ehemalige Baudirektor gelten als die prägenden Persönlichkeiten im Prozess des Wiedererstehens der Dresden Frauenkirche. Aus diesem Anlass lud die Stiftung Frauenkirche Dresden Ende August zu einem Dankgottesdienst in die Unterkirche der Frauenkirche ein.

Die Predigt im Gottesdienst hielt Landesbischof i. R. Jochen Bohl, der die wieder errichtete Frauenkirche 2005 geweiht hatte und nunmehr Ehrenkurator der Stiftung und Vorstandsmitglied der Fördergesellschaft der Frauenkirche ist. In Auslegung des Wochenspruchs »Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen« (Jesaja 42,3) blickte er in sehr persönlicher Weise auf das gemeinsame Wirken beider Jubilare.

»Dankbar sind wir, weil wir in dem Geschehen Eure Berufung erkannten, als Musiker, Baumeister, Bürger, Gemeindeglied. Euer Beitrag war entscheidend für das Wiedererstehen der Frauenkirche. Wer sehen wollte, dem wurde deutlich, dass der Beruf ein Gottesdienst im Alltag der Welt sein kann – und sein soll. Ihr seid beide herausragende Vertreter eurer Fächer: zurecht vielfach gewürdigt und zudem Christenmenschen mit einer festen Glaubensüberzeugung. Geistliches und Weltliches sind verschiedenes, wollen unterschieden sein und sind doch beide wirkmächtig und darum bedeutsam. Sie sollen je in ihrer Bedeutung aufeinander bezogen werden – und zurecht wird gesagt, dass gerade diese Zuordnung einen Protestanten ausmacht. »Priestertum der Gläubigen« nennen wir das in unserer Konfession, und so durften wir als eure Freunde und Weggefährten ein Lehrstück in gelebter lutherischer Theologie verfolgen: berufliches Handeln in Verbindung mit der geistlich–theologischen Dimension der Aufgabe. Es war uns eine Freude!«

Zwei langjährige Weggefährten: Eberhard Burger und Ludwig Güttler | Foto: Jörg Such

Den Gottesdienst feierten 180 Menschen, davon zahlreiche langjährige Begleiter des Wiederaufbaus der Frauenkirche. Die Liturgie gestaltete Frauenkirchenpfarrer Markus Engelhardt. Die musikalische Rahmung oblag Helmut Fuchs (Trompete) und Prof. Thomas Lennartz (Klavier).

»Dr. Eberhard Burger und Prof. Ludwig Güttler sind als Wieder-Erbauer auf ihre je ganz eigene Weise Gesichter und Botschafter nicht nur der Frauenkirche, sondern Dresdens und Sachsens geworden. Der eine baute mit Tönen, der andere mit Steinen. Beide wurden dabei inspiriert und getragen von Glaube und Geduld« erklärte Joachim Hoof, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Frauenkirche Dresden in seinem Grußwort. Ihr Wirken habe eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft geschlagen. »Eberhard Burger und Ludwig Güttler haben das bauliche und inhaltliche Fundament der wiederaufgebauten Frauenkirche und unserer Stiftung mit gelegt. Dafür kann ich nicht genügend Dank sagen. Generationen werden daraus Inspiration ziehen.« Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus und Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur, Wissenschaft und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden , sprachen weitere Grußworte.

Im Anschluss bot ein Empfang Raum für zahlreiche Gespräche.

1943 als viertes Kind in Berlin geboren, erlebte Eberhard Burger das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Nachkriegswirren zunächst in Penig und Halle mit, ehe er 1951 nach Dresden kam. Die im Herzen der Stadt in Trümmern liegende Frauenkirche wurde zu einer prägenden Kindheitserinnerung. Nach dem Abitur, das er in Riesa ablegte, kehrte er für ein Studium des Konstruktiven Ingenieurbaus nach Dresden an die Technische Universität zurück, das er 1968 abschloss. Zunächst als Bauleiter, Technischer Leiter und Lehrbeauftragter tätig, wechselte er 1980 zur Evangelischen Landeskirche, wo er den Bau von Kirchgemeindezentren, Pfarrhäusern und auch den Wiederaufbau der Dresdner Dreikönigskirche verantwortete.

Nach sechs Jahren als Domherr des Wurzener Domkapitels übernahm er 1992 die Aufgabe als Baudirektor für den Wiederaufbau der Frauenkirche Dresden. Unter seiner Leitung wurde die nach historischem Vorbild wieder aufzubauende Kirche unter Einhaltung des Kostenrahmens vorfristig fertig gestellt, sodass sie am 30. Oktober 2005 geweiht werden konnte. Als Sprecher der Stiftungsgeschäftsführung, der er seit 2001 war, nahm Eberhard Burger zudem prägenden Einfluss auf die Ausgestaltung des neuen Lebens in der Frauenkirche. 2007 schied Eberhard Burger aus der Geschäftsführung aus und wechselte in den Stiftungsrat der Stiftung Frauenkirche Dresden, in dem er sich bis 2017 engagierte. Seither ist er der Stiftung als Ehrenkurator verbunden.

Seine Verdienste wurden u.a. im Februar 2006 von der TU Dresden mit der Ehrendoktorwürde der Fakultät Bauingenieurwesen (Dr. E.h.), im März 2006 von der Landeshauptstadt Dresden mit der Ernennung zum Ehrenbürger und 2007 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Coventry (Dr. h.c.) gewürdigt. Im gleichen Jahr erhielt Eberhard Burger das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und wurde vom englischen Königshaus zum Officer of the Order of the British Empire ernannt.

Sein Trompetenspiel machte ihn einst berühmt, doch darüber hinaus machte er sich weltweit auch einen Namen als Dirigent, Musikforscher und Festivalgründer. Viele Menschen kennen und schätzen Ludwig Güttler überdies als unermüdlichen Fürsprecher und Unterstützer zunächst des Wiederaufbaus und später der Ausgestaltung des musikalischen Lebens der Dresdner Frauenkirche.

Geboren 1943 im erzgebirgischen Sosa, lernte er Klavier, Flöte und Cello, ehe er sich der Trompete zuwandte. Ausgebildet in Leipzig und zunächst als Orchestermusiker tätig, begann Ludwig Güttler schon während dieser Zeit seine internationale Musikerkarriere. Weltweit konzertierte er als Solist, Kammermusiker und Dirigent. Über drei Jahrzehnten galt sein Forschergeist und musikalisches Wirken der Wiederbelebung der sächsischen Hofmusik des 18. Jahrhunderts.

Als 24-jähriger erlebte Ludwig Güttler 1968 in Leipzig die Sprengung der Universitätskirche mit, was ihn nach eigener Aussage »betroffen und wütend« gemacht habe. In ihm wuchs die Überzeugung, dass Kirchen nicht in Trümmern liegen dürfen und so engagierte er sich stark für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Im November 1989 wurde er Sprecher der Bürgerinitiative und war Mitverfasser des »Rufs aus Dresden«. 1990 übernahm er den Vorsitz der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Frauenkirche Dresden e. V., stand der Nachfolgeorganisation von 2003 bis 2018 vor und ist seither ihr Ehrenvorsitzender.

Für sein Engagement beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche wurde Ludwig Güttler u. a. 2007 von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. 2005 wurde ihm die Sächsische Verfassungsmedaille und 2007 der Orden „Officer of the Order of the British Empire“ verliehen.